Godewind-Sängerin über Klischees und Konzert in Bremen

„Wir kommen nicht aus der Schublade“

Frau Bublitz, im Vorjahr haben Sie versprochen, in diesem Jahr wieder zu kommen. ­Dieses Versprechen machen Sie am Sonntag war.
17.12.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Christian Pfeiff

Frau Bublitz, im Vorjahr haben Sie versprochen, in diesem Jahr wieder zu kommen. ­Dieses Versprechen machen Sie am Sonntag war. Wird Ihr Weihnachtsgastspiel in Vegesack nun eine alljährliche Tradition?

Anja Bublitz: Das hoffen wir. Das Bürgerhaus hat eine tolle Größe und eine tolle Bühne, für uns ist es perfekt da. Wir würden schon gerne eine Tradition daraus machen.

Von welchen Faktoren ist das Gelingen abhängig?

Davon, dass die Menschen immer wieder zu unseren Konzerten kommen.

Gerade bei Godewind haben Weihnachtskonzerte, unabhängig vom jeweiligen Spielort, eine lange Tradition. Wie viel Pro­grammanteil wechselt bei den jährlichen Tourneen?

Es gibt ganz bestimmte Titel, von denen wir immer wieder merken, dass wir sie einfach nicht weglassen können – so etwas wie „Der Wiehnachtsmarkt“ zum Beispiel. Ich möchte jetzt ja auch nicht zu viel verraten, aber es gibt bestimmte, alte Kult-Titel, die wir immer wieder im Programm haben, da sie von unserem Publikum auch immer wieder gewünscht werden. Ansonsten sind diesmal auch sehr viele neue Titel dabei – zum Teil alte, neue Titel, aber auch Lieder von unserem letzten Weihnachtsalbum.

Im vergangenen Jahr befand sich die Band nach dem Tod von Bandmitbegründer Ernst „Larry“ Evers noch in einer Art Neufindungsphase. Wie hat sich Godewind seither entwickelt?

Larrys Einfluss auf die Musik von Godewind, die er ja auch mit erfunden hat, wird immer spürbar und präsent bleiben. Wir merken aber natürlich – und das wird uns auch immer wieder von außen bestätigt – dass wir dadurch als Band noch enger zusammengewachsen sind. Wir schreiben jetzt auch alles gemeinsam, zum Beispiel bei unserem jüngsten Album „Wind und Meer“ aus dem Oktober. Man merkt schon, dass sich ein ganz anderes Teamgefühl und ein ganz neuer Zusammenhalt entwickelt hat.

Macht sich dies auch für den Hörer bemerkbar?

Ja, ich glaube schon. Das Feedback, das wir bislang erhielten, zeigte uns, dass sich unser Sound dadurch, dass wir alles zusammen schreiben, schon etwas verändert hat und etwas frischer klingt, aber immer noch Godewind ist. Auf dem neuen Album kann man das glaube ich ganz gut hören.

Wobei Stilfestlegungen für Godewind ­ohnehin schwierig sind: Im vergangenen Jahr schrieb ich über das Weihnachts­konzert, dass es sich nicht mehr um Folklore, sondern um Pop im besten Sinne mit ­bisweilen folkloristischer Färbung, jedoch ohne Schlagerattitüde handelt. Sehen Sie das ähnlich?

Ja, das stimmt. Dadurch, dass wir Plattdeutsch und Hochdeutsch singen haben wir auch nach dreißig Jahren das Problem, in einer Schublade gelandet zu sein, aus der wir nicht wieder rauskommen. Wir finden zwar auch im Radio statt, dort auch dort meist im Rahmen plattdeutscher Themensendungen. Die meisten denken offenbar wirklich, wir spielen plattdeutsche Schunkelmusik oder so etwas. Es ist bei uns allen jedoch so, dass wir sehr moderne Musik hören und schon mitbekommen, was musikalisch um uns herum passiert. Wir leben im Jetzt und Hier. Die Band gibt es seit 37 Jahren, und am Anfang war es vielleicht noch etwas volkstümlicher, aber seither hat sich die Band immer weiter entwickelt und wahrscheinlich auch immer mehr getraut. Mittlerweile ist es so eine Mischung aus Pop, Folk und Rock.

Die Kategorisierung als „volkstümliche Musik“ für die Band findet sich selbst bei Wikipedia.

Ja, das müssen wir dringend ändern, das geht gar nicht.

Wie wirkt sich die Entwicklung auf Ihre Publikumsstruktur aus?

Wir sehen, dass unser Publikum sehr gemischt ist. In Vegesack hatten wir im Vorjahr zwar überwiegend ältere Zuhörer, doch auch diese können unsere Entwicklung nachvollziehen und haben im Anschluss an das Konzert unseren frischen Klang gelobt. In Osnabrück spielen wir hingegen überwiegend vor jungen Menschen.

Haben Sie noch etwas, dass Sie dem Vegesacker Publikum sagen wollen?

Wir hoffen auf viele bekannte und auch neue Gesichter, die mit uns zusammen einen besinnlichen, aber auch locker-fröhlichen vierten Advent feiern möchten.

Das Interview führte Christian Pfeiff.

Zur Person

Anja Bublitz fing als Sängerin bei „Rock Co Co“ an, übernahm später die weibliche Hauptrolle. Sie sang für „ABBA Fever“ und die „No Angels“. Das Godewind -Konzert beginnt am Sonntag, 18. Dezember, um 18 Uhr im Gustav-Heinemann-Bürgerhaus.
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