Staatsarchiv-Chef Konrad Elmshäuser über die Museumspläne und die Arbeit des Fördervereins „Wir unterstützen die BWK-Erinnerung“

Das Staatsarchiv Bremen begrüßt die Aktivitäten des Fördervereins Kämmereimuseum Blumenthal nachdrücklich. Wie die Zusammenarbeit bisher lief und wie sie sich zukünftig gestalten könnte, darüber gibt Professor Konrad Elmshäuser Auskunft.
31.08.2015, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Iris Messerschmidt

Das Staatsarchiv Bremen begrüßt die Aktivitäten des Fördervereins Kämmereimuseum Blumenthal nachdrücklich. Wie die Zusammenarbeit bisher lief und wie sie sich zukünftig gestalten könnte, darüber gibt Professor Konrad Elmshäuser Auskunft.

Herr Elmshäuser, wie sind Sie auf den Förderverein Kämmereimuseum Blumenthal aufmerksam geworden?

Konrad Elmshäuser: Der Niedergang der Bremer Woll-Kämmerei war ja ein Tod mit Ansage beziehungsweise auf Raten. Für Bremen-Nord war die BWK aber ein ganz wichtiger Faktor, nicht nur in Hinsicht auf die Arbeitsplätze. Schon vor dem Zweiten Weltkrieg waren hier viele ausländische Arbeiter beschäftigt gewesen. So einen Traditionsbetrieb hat das Staatsarchiv Bremen selbstverständlich im Blick. So haben wir schon früh mit der Geschäftsleitung Kontakt aufgenommen, um das Schriftgut und weitere wichtige Unterlagen zu retten. Leider Gottes kommt es häufig anders, als wir uns das denken. Das war auch beim Bremer Vulkan so. Nun gut, bei der BWK haben wir dann doch erst 2009 Zugriff bekommen. In den verwaisten Räumen haben wir monatelang gearbeitet, um das zurückgebliebene Schriftgut und das Bildarchiv übernehmen zu können. Als wir schon mit unserer Dokumentation fertig waren, ist der Förderverein Kämmereimuseum Blumenthal an uns herangetreten. Sehr engagiert war in dieser Hinsicht Detlef Gorn. Uns wurde berichtet, dass der Förderverein über ehemalige Mitarbeiter und weitere Quellen Bildüberlieferungen und Schriftgut der BWK in den Händen hält.

Wie lief dann die Zusammenarbeit zwischen Staatsarchiv Bremen und dem Förderverein?

Um die Überlieferung zur Bremer Woll-Kämmerei für die Nachwelt zu sichern und der interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen, gibt es eine Kooperation. Von der Qualität der Sammlung des Fördervereins hat sich über einen längeren Zeitraum Doktor Jörn Brinkhus vom Staatsarchiv vor Ort persönlich überzeugen können. Vom Förderverein bekamen wir dankenswerter Weise einen großen Fotobestand von alten Glasplattennegativen zur BWK geschenkt, die einerseits die Lücken der Bildüberlieferung schließen und andererseits bei uns optimal lagern. Da es unsinnig ist, wichtige Daten an zwei Orten gleichzeitig aufzubewahren und wir das entsprechende Equipment haben, werden die wichtigen Unterlagen und Bildinformationen somit im Staatsarchiv aufbewahrt. Im Gegenzug erhält der Förderverein Reproduktionen. In unserer digitalisierten Welt ist dies ja auch mit großen Datenmengen problemlos möglich. So haben die Menschen vor Ort die Gelegenheit, sich über die Geschichte dieses für Bremen-Nord so wichtigen Traditionsbetriebes ausführlich zu informieren.

Wie schätzen Sie die ehrenamtliche Arbeit des Fördervereins ein?

Grundsätzlich hat das Staatsarchiv häufig mit Vereinen, Organisationen oder Initiativen zu tun, die ehrenamtlich und zur Identitätsfindung die Geschichte ihres Stadtteils aufarbeiten. Solch ein Ehrenamt ist nicht nur ausgesprochen wichtig. Es wird vom Bremer Staatsarchiv in aller Regel sehr begrüßt.

Inwieweit kann das Staatsarchiv Bremen den Förderverein unterstützen?

Das geht nur, wenn beide Seiten zum Geben und Nehmen bereit sind. Das ist mit dem gemeinnützigen Förderverein Kämmereimuseum Blumenthal der Fall. Wie schon erwähnt, werden wichtige Originale im Staatsarchiv gelagert, wir bieten also den fachlich versierten Teil. Ein Archiv nutzt aber nichts, wenn alles nur „so herum liegt“ und sich niemand dafür interessiert. So kann der Förderverein im Gegenzug auf alle Daten zur Bremer Woll-Kämmerei zurückgreifen, um sie den Menschen vor Ort näher zu bringen.

Wie könnte die Zusammenarbeit zwischen dem Staatsarchiv Bremen und dem Förderverein noch weiter ausgebaut werden?

Da gibt es keine konkreten Pläne. Und ganz ehrlich, wenn wir als Staatsarchiv mit allen Vereinen und Institutionen Zukunftsprojekte entwickeln würden, dann wären wir schnell an unserer Kapazitätsgrenze. Allerdings wird es sicherlich eine weitere Zusammenarbeit in bewährter Form geben. Bei der Dokumentation eines so großen und wirkungsträchtigen Traditionsbetriebes wie der BWK ist die Arbeit selten in einem kurzen Zeitraum beendet. Als Beispiel kann ich da die AG Weser nennen. Da werden uns immer mal wieder wertvolle Originale angeboten. Im Moment stehe ich beispielsweise auch mit einem privaten Sammler aus dem Ruhrgebiet in Sachen Borgward in Verhandlungen. Ich denke, so kann es auch bei Unterlagen zur BWK passieren. Dann ist es wichtig, dass zwischen dem Staatsarchiv und dem Förderverein ein sogenannter kurzer Draht entsteht, um abzuklären, ob es sich wirklich um Raritäten handelt. Dazu muss man nicht stetig an gemeinsamen Projekten arbeiten.

Die Aktivitäten des Fördervereins Kämmereimuseum begrüßen Sie aber?

Ja, nachdrücklich. Wie gut und engagiert diese Aktivitäten vorangetrieben werden, davon hängt allerdings letztendlich auch die Zukunft des Fördervereins ab. Die Erfahrung hat uns gezeigt, dass viele Ortsinitiativen, Vereine, Stiftungen oder lose Zusammenschlüsse, die sich um die Geschichte des Stadtteils bemühen, oft dramatisch stark vom Engagement einzelner Personen abhängen. Zieht sich diese Person zurück oder wird durch persönliche Umstände an dem Engagement gehindert, ist es oft auch um diese Ortsinitiative geschehen. Darüber hinaus sind solche Initiativen häufig vom guten Willen von Ortsämtern, Kommunalpolitikern oder Sponsoren abhängig, um ihr Engagement ausbauen zu können.

Was halten Sie von einem Museum auf dem ehemaligen BWK-Gelände?

Da mir darüber nichts bekannt ist, kann ich dazu keine Details liefern. Sollte die Erinnerungsarbeit in Blumenthal in diese Richtung laufen, muss man es ja nicht gleich Museum nennen. Es könnte ja auch ein BWK-Traditionspunkt oder so ähnlich werden. Auf jeden Fall würden wir das unterstützen. Wir haben beispielsweise eindrucksvoll aussehende Geschäftsbücher in ledergebundenen Folianten im Staatsarchiv. Die würden wir dem Förderverein als Dauerleihgabe gern zur Verfügung stellen. Ich denke da an eine Bücherwand. Die würde in einer Dauerausstellung ein imposantes Bild abgeben und den Besuchern sicherlich Freude bereiten.

Das Interview führte Iris Messerschmidt.

Zur Person

Konrad Elmshäuser (Jahrgang 1959) ist der Leiter des Bremer Staatsarchivs. Elmshäuser hat die Leitung 2003 übernommen. Er schätzt die ehrenamtliche Arbeit vor Ort, ist privat selbst Vorsitzender eines ehrenamtlich tätigen Vereines, der sich um die Erhaltung der Geschichte vor Ort bemüht. (mes)

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