Rennbahn-Chef über das Aus der Rennbahn

"Wir werden uns nicht hängen lassen"

Frank Lenk vom Bremer Rennverein hofft, dass der Pferderennsport in Bremen trotz der Baupläne des Senats eine Zukunft hat. Frank Büter sprach mit ihm über den Versuch, die Politik umzustimmen.
15.12.2015, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Frank Büter
"Wir werden uns nicht hängen lassen"

Die Debatte ist entfacht: Die Stadt Bremen hat angekündigt, den Pachtvertrag mit dem Rennverein zu kündigen – das wäre das Aus für den Galoppsport in der Vahr.

Christina Kuhaupt

Frank Lenk vom Bremer Rennverein hofft, dass der Pferderennsport in Bremen trotz der Baupläne des Senats eine Zukunft hat. Frank Büter sprach mit ihm über den Versuch, die Politik umzustimmen.

Herr Lenk, wie ist das drohende Aus der Galoppbahn im Bremer Rennverein aufgenommen worden?

Frank Lenk: Mit Bestürzung, das muss man so sagen. Es hat uns auch überraschend getroffen. Alle waren geschockt und in heller Aufregung.

Wie geht der Vorstand mit der Nachricht um, dass der Pachtvertrag für das Gelände zum Jahresende 2017 gekündigt werden soll?

Wir werden uns am 11. Januar treffen, die Situation analysieren und bewerten und dann schauen, wie wir klug damit umgehen und wie die weitere Vorgehensweise aussieht.

Hat der Rennverein eigentlich befürchten müssen, dass die Stadt mal von ihrem Sonderkündigungsrecht Gebrauch machen wird? War diese Szenerie in der Vergangenheit schon mal Thema?

Es stand immer irgendwie im Raum, war aber nie greifbar. Es wurde latent gemunkelt, aber die Situation war nie so konkret, dass man davon ausgehen musste.

Was bedeutet das nun für die kommende Galoppsportsaison? Sind die Planungen gefährdet oder kann der Verein am bereits terminierten Rennkalender für 2016 festhalten?

Grundsätzlich werden wir am Fahrplan für 2016 festhalten. Aber natürlich gibt es noch einige Unebenheiten, da Partner, Sponsoren und Fans jetzt beunruhigt sind.

Gibt es denn bereits Reaktionen seitens der Förderer und Sponsoren? Steht deren Engagement womöglich auf der Kippe?

Wir haben einige nachfragen, ja. Und es ist eine Verunsicherung spürbar, weil man das Gefühl hat, dass die Bagger schon auf der Anlage stehen und es jeden Moment losgeht. Aber es ist nicht so, dass sich jemand aufgrund der neuen Situation bereits zurückgezogen hat. Es ist noch kein Sponsor abgesprungen.

Sollten Sponsoren abspringen, drohen finanzielle Einbußen. Wäre der Verein überhaupt in der Lage, einzuspringen und das Risiko zu tragen?

Wir sind immer im Risiko, aber wir wollen das Risiko auch begrenzen. Wir müssen die Dinge, die stattfinden, auch erwirtschaften. An der Stelle müsste man dann sehen, dass man einen Alternativ-Sponsor findet.

Wie kann man als Verein die Mitglieder und auch die Sponsoren motivieren, sich weiter für den Galoppsport in Bremen zu engagieren, wenn keine Perspektive gegeben scheint?

Das ist schwierig, wenn man so einen Entschluss mitgeteilt bekommt. Aber trotzdem sind alle optimistisch unterwegs und hoffen, dass es noch Lösungen geben wird, die dazu führen, dass sich der Rennsport weiterhin in Bremen zeigen kann.

Wie könnte eine solche Lösung aussehen? Sehen Sie tatsächlich noch eine Chance, dass der Senat seine Entscheidung noch einmal überdenkt?

Das ist schwer einzuschätzen. Man muss festhalten: Wir bedauern diese Entscheidung, können sie in Teilen aber auch nachvollziehen. Wir sehen noch keine Lösung, aber vielleicht kann man gemeinsam mit allen Beteiligten, gerade mit der Politik, noch eine Lösung entwickeln. Und wenn es keine Lösung gibt, dann müssen wir mit dem Entschluss leben.

Wirtschaft Neusta Communications - vl. Franca Reizenstein und Frank Lenk

Wirtschaft Neusta Communications - vl. Franca Reizenstein und Frank Lenk

Foto: Frank Thomas Koch

Was sind Ihre Argumente? Was spricht aus Ihrer Sicht zwingend für den Erhalt der Rennbahn?

Es gibt eine ganze Reihe von Gründen. Da ist zum einen die Tradition, gerade die Hansestadt steht ja für Tradition – das ist eine tolle Symbiose. Die Rennbahn ist ein Kulturgut, wir haben ein hohes sportliches Niveau, das Areal ist die grüne Lunge in der Vahr. Und die Galopprennbahn ist über das Jahr gesehen nach Werder Bremen in der Fußball-Bundesliga die zweiterfolgreichste Freiluftsportart.

Apropos erfolgreich: Nach sehr schwierigen Zeiten fiel die finanzielle Bilanz des Rennvereins zuletzt wieder deutlich positiver aus. Die personelle und konzeptionelle Neuausrichtung des Vorstands scheint zu greifen….

…eben – und wir haben eine gute Perspektive. Wir waren gerade dabei, den Galopprennsport in Bremen wieder zu beatmen und wären sicherlich über kurz oder lang auch in der Lage gewesen, ein siebtes und gar achtes Rennen zu gestalten.

Jetzt schaut die gesamte Rennsportszene aus anderen Gründen gebannt nach Bremen…

…dieses Thema wird bundesweit viel diskutiert, klar. Aber man darf nicht vergessen, dass es auch mal Gründe gab, warum die Politik die Rennbahn als unterstützenswert erachtet und investiert hat. Diese Gründe können doch nicht von heute auf morgen weg sein.

Herr Lenk, wie groß ist Ihre Motivation, in dieser schwierigen Phase weiter für den Rennverein als Vorstandsmitglied und Pressesprecher aktiv zu sein? Haben Sie bereits daran gedacht, einfach die Brocken hinzuwerfen?

Meine Motivation ist durchgängig hoch. Ich will meinen Teil dazu beitragen, den Prozess mitzugestalten, die Position des Rennvereins deutlich zu machen und hoffe, dass am Ende doch noch ein gutes Ergebnis steht.

Wenn es kein gutes Ergebnis geben sollte, beginnt dann mit der Saisoneröffnung an Karfreitag 2016 so etwas wie eine zweijährige Abschiedstour?

Mit dem Kenntnisstand jetzt – und Senator Martin Günthner hat sich da ja auch klar ausgedrückt – steht das zu befürchten. Und wenn das dabei rauskommt, dann werden wir die Zeit, die uns noch zur Verfügung steht, entsprechend mit Leidenschaft und Qualität ausfüllen. Es gibt viele, die auf uns setzen – wir werden uns nicht hängen lassen. Das sind wir allen Mitgliedern, Partnern, Sponsoren und den Galoppsportfans schuldig.

Das Gespräch führte Frank Büter.

Zur Person

Frank Lenk ist seit zwei Jahren Vorstandsmitglied im Bremer Rennverein und Sprecher des Vorstandes. Zudem ist er Geschäftsführender Gesellschafter der Marketingagentur Neusta Communications.

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