Warum die Ärztin Amei Gnändiger und weitere Nordbremer Mediziner in der Eifel für den Abzug von Atomwaffen demonstrieren „Wir wissen, dass wir nicht helfen könnten“

Seit dem 26. März läuft die Aktion: 65 Tage lang demonstrieren verschiedene Gruppen aus dem gesamten Bundesgebiet mit Mahnwachen und gewaltfreien Blockaden an den Zufahrtstoren zum Fliegerhorst Büchel in Rheinland-Pfalz für den Abzug der dort stationierten Atomwaffen der NATO.
17.04.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Seit dem 26. März läuft die Aktion: 65 Tage lang demonstrieren verschiedene Gruppen aus dem gesamten Bundesgebiet mit Mahnwachen und gewaltfreien Blockaden an den Zufahrtstoren zum Fliegerhorst Büchel in Rheinland-Pfalz für den Abzug der dort stationierten Atomwaffen der NATO. Zurzeit beteiligen sich auch Nordbremer Ärzte an den Mahnwachen in der Südeifel. Über ihre Motivation und ihre Ziele sprach Georg Jauken mit Amei Gnändiger aus Platjenwerbe.

Frau Gnädiger, warum beteiligen sich Nordbremer Ärzte an der Aktion in der fernen Eifel?

Amei Gnändiger: Wir sind hierher gefahren, weil in Büchel auf dem Fliegerhorst noch etwa 20 Atomwaffen aus dem Kalten Krieg lagern. Der Bundestag hat 2010 beschlossen, diese Atomwaffen abzuziehen, doch die Bundesregierung hat den Beschluss noch nicht umgesetzt. Jetzt wird sogar bei der NATO überlegt, die Trägersysteme zu modernisieren, um die Atomwaffen schlagkräftiger und treffsicherer zu machen. Was wir außerdem bemängeln ist, dass deutsche Piloten diese Atomwaffen im Ernstfall transportieren und abwerfen sollen.

Wie lange sind Sie in Büchel und was erwarten Sie von der Aktion?

Die Aktion geht über mehrere Wochen. Wir sind zwei Tage hier. Was wir erwarten ist, dass die Bundesregierung sich doch noch besinnt, wobei sie allerdings nur auf die NATO einwirken kann. Damit der Abzug erfolgen kann, ist ein NATO-Beschluss erforderlich.

Warum ist es gerade Ihnen als Ärztin so wichtig, dass die Atomwaffen abgezogen werden?

Wir sind Mitglieder der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW), die 1985 für die Aufklärung über die Folgen eines Atomkrieges den Friedensnobelpreis bekommen haben. Als Ärzte wissen wir, wie entsetzlich die Folgen eines Atombombenabwurfs sein werden, und wir wissen auch, dass wir nicht helfen können, weil die Katastrophe so umfassend wäre, dass Ärzte keine Hilfe leisten könnten. Die Ärzte würden selbst sterben. Man verdrängt das immer wieder. Aber jetzt ist das Thema wieder aktuell, da wir die Modernisierung verhindern wollen.

Mit wie vielen Ärzten aus Bremen nehmen Sie an den Protesten teil?

Die Bremer Gruppe hat etwa 30 aktive Mitglieder. Doch für die meisten ist es aus beruflichen Gründen schwierig, sich frei zu nehmen, um an einer solchen Aktion teilzunehmen. Wir sind daher leider nur zu dritt aus Bremen hier. Aber wir werden wirksam auftreten, denke ich, denn es kommen auch andere und größere Gruppen zu den Aktionen. Insgesamt 65 Tage bis zum 29. Mai. Dann beginnt in New York die nächste Überprüfungskonferenz über die Einhaltung des Atomwaffensperrvertrags.

Zur Person: Amei Gnändiger lebt in Platjenwerbe in der Gemeinde Ritterhude. Sie war jahrelang als Hautärztin in Lesum tätig. Zusammen mit ihrem Mann Peter Gnändiger engagiert sie sich auch als Rentnerin weiterhin in der Bremer Regionalgruppe der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges/Ärzte in sozialer Verantwortung e.V. (IPPNW).

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