Interview mit Belladonna-Chefin „Wir wollen uns einmischen“

Maren Bock, Geschäftsführerin von Belladonna, erzählt im Interview über die Arbeit des Kultur- und Bildungszentrums für Frauen.
04.03.2018, 21:29
Lesedauer: 3 Min
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„Wir wollen uns einmischen“
Von Frauke Fischer

Belladonna in Bremen ist vielen Menschen kein Begriff, dabei gibt es sie schon seit vielen Jahren. Was genau ist Belladonna?

Belladonna ist mit der Kombination Kultur, Bildung, Wirtschaft und Archiv für Frauen einmalig in Deutschland. Es kommen übers Jahr sehr viele Frauen aus Bremen und auch aus ganz Deutschland zu uns, unterschiedlichster Schichten und Altersgruppen.

Welche Erfahrungen machen Sie und Ihre Mitarbeiterinnen: Müssen die Frauen, die zu Ihnen kommen, einen bestimmten Hintergrund, ein Vorwissen haben?

Natürlich sollten sie wissen, was sie bei Belladonna erwarten, warum sie zu uns kommen. Viele wollen unser Archiv – übrigens das größte seiner Art in Nordwestdeutschland – nutzen. Da sind Artikel und andere Medien zu bekommen, in denen es um Frauen geht, um Frauen als Schaffende, als Personen, über die geschrieben wurde oder die auf andere Weise in dem jeweiligen Medium auftauchen.

Reicht das allein, um Frauen oder auch männliche Gäste anzusprechen?

Wir zeigen zum Beispiel regelmäßig Ausstellungen, die hier konzipiert werden oder bereits woanders gezeigt wurden oder noch werden. Auch hier geht es um Frauen als Schaffende, als Motiv oder Betrachterinnen. Sie kommen mit unterschiedlichem Vorwissen und Anspruch. Auch bieten wir, was uns sehr wichtig ist, Gesprächskreise, Vorträge, Workshops, Fort- und Weiterbildung für Frauen an, mit Fachreferentinnen der verschiedenen Gebiete. Es geht vor allem um Beruf und Karriere, aber auch um Kulturthemen. Gerade die berufsorientierten Seminare sind sehr gefragt, insbesondere auch die Coachingreihen für Existenzgründerinnen.

Am 8. März ist Weltfrauentag. Der ist ja nicht nur ein Festtag, an dem in diesem Jahr an das seit 100 Jahren bestehende Wahlrecht für Frauen in Deutschland erinnert wird. In den Tagen drumherum gibt es auch Ausstellungen, Vorträge und andere Veranstaltungen, die auf das Motto Bezug nehmen. Wie beteiligt sich Belladonna daran?

Wir sind in der Vorbereitungsgruppe, haben mit Kirchen, Gewerkschaften, der Landesfrauenbeauftragten und anderen das Veranstaltungsprogramm konzipiert und uns mit unserem Fachwissen eingebracht. Außerdem beteiligen wir uns mit eigenen Veranstaltungen wie bereits am 6. März mit Führung und Vortrag zum diesjährigen Bremer Motto unter dem Titel „100 Jahre Frauenwahlrecht – der Weg zur demokratischen Gesellschaft in der Bürgerschaft“. Auch die Filmvorführung „Die göttliche Ordnung“ im City 46 haben wir mit dem Kino gemeinsam vorbereitet.

Die Ehrung der Bremer Frau des Jahres, deren Name wie in den Vorjahren nicht vorab bekannt gegeben wird, bildet den Höhepunkt des Festakts am 8. März um 18 Uhr im Haus der Bürgerschaft. Haben Sie dazu auch beigetragen?

Dort sind wir Gäste. Der Bremer Frauenausschuss, der in anderen Bundesländern unter dem Namen Landesfrauenrat fungiert, hat den Abend vorbereitet.

Aber inhaltlich geht es am Frauentag nicht nur ums Feiern.

Nein, es gibt bereits am Nachmittag eine Demonstration am Ziegenmarkt im Steintor und ab 17 Uhr im Festsaal der Bürgerschaft Informationstische zu unserem Motto, unter anderem einen Thementisch zu historischen Frauen, die für das Wahlrecht gekämpft hatten und einen zur Frage „Wo stehen wir heute?“

Hat sich der Aufgabenbereich von Belladonna verändert?

Aber ja. Er ist noch vielfältiger und wesentlich größer geworden. Neben den Angeboten in den Bereichen Kultur, Bildung und Wirtschaft bekommt jetzt unser Archiv Aufwind. Denn es geht um Digitalisierung von Materialien und auch Nachlässen. Außerdem sind wir aktiv in den Sozialen Medien und sprechen dadurch vermehrt jüngere Frauen an. Da sehen wir insbesondere, wie wichtig die Digitalisierung unseres Archivs ist: Junge Frauen kommen in unsere Veranstaltungen, aber die Auseinandersetzung mit Fragen zu dem, was Frauen in 100 Jahren erreicht haben, noch erreichen wollen, zu Sexismus oder anderen aktuellen Fragen, werden nicht mehr wie früher in der Öffentlichkeit bei Demonstrationen diskutiert, sondern sehr viel im Netz. Heute läuft darüber unvorstellbar vieles. Da wollen wir mitmachen und uns als Belladonna einmischen.

Das Gespräch führte Frauke Fischer.

Zur Person:

Maren Bock wurde 1960 in Flensburg geboren. Sie hat in Bremen studiert und Ende der 1980er-Jahre mit anderen Belladonna gegründet. Bis heute leitet sie das Bremer Kultur- und Bildungszentrum für Frauen.

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