Airbus Bremen 100 Leiharbeiter bekommen festen Vertrag

Bremen. Der Flugzeugbauer Airbus will mehrere Hundert Beschäftigte fest einstellen, die bisher als Leiharbeiter in den deutschen Werken eingesetzt waren. In in dieser Woche wurde rund 700 Zeitarbeitskräften ein Übernahmeangebot zugeschickt, sagt Airbus-Sprecherin Nina Pretzlick.
11.06.2010, 04:40
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100 Leiharbeiter bekommen festen Vertrag
Von Petra Sigge

Bremen. Der Flugzeugbauer Airbus will mehrere Hundert Beschäftigte fest einstellen, die bisher als Leiharbeiter in den deutschen Werken eingesetzt waren. In in dieser Woche wurde rund 700 Zeitarbeitskräften ein Übernahmeangebot zugeschickt, sagt Airbus-Sprecherin Nina Pretzlick. Im Werk Hamburg-Finkenwerder sollen etwa 500 Beschäftigte einen festen Vertrag bekommen, an den Standorten Bremen und Stade jeweils 100 Leiharbeiter.

Ausgewählt worden seien Beschäftigte, 'die schon seit mehr als zwei Jahren für uns arbeiten und Schlüsselpositionen innehaben', so Pretzlick. 'Also Leute, bei denen wir festgestellt haben, dass wir sie langfristig brauchen und auf deren Kompetenzen wir nicht verzichten können.' Das sind vor allem Ingenieure - 'aber nicht nur', wie die Sprecherin betont. Nach ihren Worten sollen etwa auch Kräfte aus dem Einkauf und der Produktion übernommen werden.

Allein im Airbuswerk Finkenwerder sind laut Pretzlick derzeit neben den 12800 Stammbeschäftigten etwa 4400 Leiharbeiter von Fremdfirmen beschäftigt - von der Reinigungskraft bis zum Elektroingenieur. In Bremen arbeiteten rund 3000 Festangestellte und 700 Zeitarbeiter, in Stade 1600 Stammbeschäftigte und 300 Leiharbeitskräfte. Anders als bei vielen anderen Unternehmen gilt bei Airbus der Grundsatz 'gleiches Geld für gleiche Arbeit'. Bei dem Flugzeugbauer bedeutet das: Nach drei Monaten Einarbeitungszeit bekommen die Leiharbeiter genauso viel Lohn wie ihre Stammkollegen.

Diese Vereinbarung gilt seit 2003. Damals sind mit dem Abschluss eines Ergänzungstarifvertrags eine Reihe von Flexibilisierungsmöglichkeiten festgeschrieben worden, sagt Heiko Messerschmidt, Sprecher der IG Metall Küste. Dazu gehörte neben der Einführung von Arbeitszeitkonten auch der Einsatz von Leiharbeitern. Die Arbeitnehmervertreter hatten dafür eine gleiche Bezahlung zur Bedingung gemacht. Der Vorteil für das Unternehmen: Mit dem Paket, was damals geschnürt wurde, könne Airbus Auftragsschwankungen bis zu 30 Prozent auffangen, erläutert Messerschmidt.

Der Betriebsrat gab sich damit aber nicht zufrieden und fordert schon seit Jahren eine Aufstockung der Stammbelegschaft und eine langfristige Personalplanung. Insofern sei die Festanstellung von Leiharbeitern natürlich erst mal eine gute Nachricht, sagt, der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Airbus Deutschland, Johann Dahnken. 'Sehr ärgerlich' findet er allerdings, dass diese Entscheidung der Unternehmensleitung völlig an der Arbeitnehmervertretung vorbei gelaufen sei. 'Wir haben das erst aus der Presse erfahren', so Dahnken. 'Wir sind bislang weder über genaue Zahlen informiert, noch über die Umsetzung an den einzelnen Standorten.' Heute soll es erste Gespräche dazu geben.

Noch zu Jahresanfang hatte Airbus-Chef Thomas Enders angekündigt, sich im Laufe dieses Jahres von rund 1000 Zeitarbeitern in Hamburg trennen zu wollen. Daran halte der Konzern ungeachtet der jüngsten Einstellungspläne auch weiterhin fest, betont Unternehmenssprecherin Pretzlick auf Nachfrage. Während die jetzt beabsichtigte Übernahme von 700 Leiharbeitern sich auf alle deutschen Werke und Programme beziehe, betreffe der zuvor angekündigte Abbau im Zeitarbeitsbereich vor allem die Produktion der A380. Für den Bau des Modells waren vor mehreren Jahren Tausende zusätzliche Arbeitskräfte benötigt und über Zeitarbeitsfirmen eingestellt worden.

Nach Angaben der Sprecherin hatte Airbus noch vor zwei Jahren rund 2000 Zeitarbeiter aus Deutschland nach Toulouse beordert. Sie mussten dort die nötigen Nacharbeiten an den unfertig aus Hamburg nach Frankreich gelieferten Rümpfen erledigen. Inzwischen habe Airbus diese Probleme im Griff, sagt Pretzlick. Deshalb habe die Zahl der dafür erforderlichen Zeitarbeitskräfte bereits deutlich reduziert werden können. Im Augenblick seien noch rund 800 deutsche Leiharbeiter in Toulouse beschäftigt. In den nächsten Monaten soll ihre Zahl weiter abgebaut werden.

Doch auch an den deutschen Standorten soll der Anteil der Zeitarbeitskräfte in Zukunft deutlich sinken. Allerdings nicht in erster Linie durch Festanstellung So hat Personalchef Joachim Sauer angekündigt, dass Airbus noch dieses Jahr 'Arbeitspakete schnüren und an Drittfirmen übergeben' will. In welcher Größenordung Leiharbeitsplätze mit der Umwandlung in Werkaufträge wegfallen, ist noch unklar. Nach unbestätigten Informationen des Betriebsrats könnten insgesamt 1800 Arbeitsplätze betroffen sein.

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