ThyssenKrupp Krause 100 Mitarbeiter verlieren ihren Job

Bremen-Nord. Der Automobilzulieferer ThyssenKrupp Krause will vom Januar an 100 Mitarbeiter in eine Transfergesellschaft überführen. Wer sich dagegen entscheidet, werde eine Kündigung erhalten, teilte der Betriebsrat mit.
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Von Georg Jauken

Bremen-Nord. Der Automobilzulieferer ThyssenKrupp Krause will vom Januar an 100 Mitarbeiter in eine Transfergesellschaft überführen. Wer sich dagegen entscheidet, werde eine Kündigung erhalten, teilte der Betriebsrat mit. Damit ist der zunächst befürchtete Verlust von 290 der knapp 900 Arbeitsplätze teilweise abgewendet.

Wie andere Unternehmen der Automobilindustrie traf die Finanz- und Wirtschaftskrise auch den Nordbremer Maschinenbaubetrieb besonders stark. In der Folge kündigte das Unternehmen, das Produktionsstraßen für die Automobilindustrie konstruiert und baut, im September 2009 eine Neuausrichtung der Struktur und zur Anpassung der Kapazitäten an, um dem Auftragsrückgang zu begegnen.

Neuausrichtung der Struktur

Das Maßnahmenpaket sah und sieht vor, die Arbeitsabläufe zu optimieren und die Produktivität um 15 Prozent zu steigern. Um das zu erreichen, will die Geschäftsführung unter anderem verschiedene Tätigkeiten an Zulieferbetriebe auslagern. Zusammen mit den übrigen Maßnahmen sollten zunächst 290 Stellen – und damit jeder dritte Arbeitsplatz bei Krause– eingespart werden. „ Krausewar gezwungen, zu reagieren“, sagt Unternehmenssprecherin Anja Gerber.

Doch inzwischen ist die Wirtschaftskrise in Teilen überwunden. Der Arbeitsplatzabbau fällt geringer aus. Am Ziel, „ ThyssenKrupp Krausefit für die Zukunft zu machen und die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern“, hält man in der Essener Konzernzentrale jedoch fest. Laut einer Betriebsvereinbarung, die zwischen Geschäftsführung und Betriebsrat (in enger Zusammenarbeit mit der IG Metall) abgeschlossen wurde, verlassen 60 Mitarbeiter das Unternehmen freiwillig, erhalten eine Abfindung oder scheiden bis Ende September 2012 über Altersteilzeit-Regelungen aus. 20 Mitarbeiter setzten ihre Arbeit bei der benachbarten Weingarten-Maschinenbau GmbH fort, die als Zulieferer Komponenten für ThyssenKrupp Krauseherstellt.

100 Krause-Mitarbeiter müssen gehen. Insbesondere Mitarbeiter aus Handwerksberufen wie Schlosser oder Elektriker haben nach Betriebsratsangaben nach dem neuen Geschäftsmodell keinen Platz mehr im Unternehmen. Um ihnen neue berufliche Perspektiven zu eröffnen und bei der Jobsuche zu helfen, haben sich Geschäftsführung und Arbeitnehmervertreter auf die Gründung einer Transfergesellschaft geeinigt, deren Leitung die im Umfeld der Universität angesiedelte Agentur für Struktur- und Personalentwicklung GmbH (AgS) übernimmt. Die AgS hat ein Jahr Zeit, die Betroffenen zielgerichtet dabei zu unterstützen, einen Übergang in neue Arbeit zu finden. Wenn es notwendig ist, werden sie vorher weiter qualifiziert.

Die zurzeit laufenden „Trennungsgespräche“ zwischen Mitarbeitern und ihren Vorgesetzten verlaufen in „sachlich orientierter Atmosphäre“, berichtet der Betriebsratsvorsitzende Guido Heinrich. Bis Ende des Jahres hätten die betroffenen Kollegen Zeit, sich zu entscheiden. „Wir hoffen, dass dann so wenige wie möglich entlassen werden müssen.“

Die Mitarbeiter der AgS verfügten über viel Erfahrung mit Transfergesellschaften und gingen davon aus, dass die ehemaligen Mitarbeiter von ThyssenKrupp Krausevergleichsweise gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt hätten. Guido Heinrichs Empfehlung an die Kollegen ist daher eindeutig: Sie sollten die Chancen, die die Transfergesellschaft bietet, nutzen.

Befragt nach den Perspektiven der bei ThyssenKrupp Krauseverbleibenden Mitarbeiter wollen sich weder die Firmensprecherin noch der Betriebsratsvorsitzende äußern. Anja Gerber verweist darauf, dass ThyssenKruppgenerell keine Aussagen zur Arbeitsplatzsicherheit mache, und auch Guido Heinrich hält solche Aussagen für „Kaffeesatzleserei.“ Den eingeschlagenen Weg, immer mehr Produktionsanteile auszulagern, sieht er allerdings sehr kritisch.

Unterdessen trafen sich Guido Heinrich und Volker Stahmann (IG Metall) mit Holger Bruns, Sprecher der Wirtschaftsbehörde, um über die Industriepolitik in Bremen-Nord zu sprechen. Wie berichtet, wünschen sich Betriebsräte namhafter Metallunternehmen beiderseits der Weser ein stärkeres Engagement der Politik für den Industriestandort Bremen-Nord/Lemwerder.

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