Den Menschen ein gutes Gefühl geben

100 Tage Bremer Impfzentrum: Vier Helfer sprechen über ihre Aufgaben

Seit etwas mehr als 100 Tagen ist Bremens Impfzentrum nun im Einsatz. Deshalb stellt der WESER-KURIER hier stellvertretend für alle helfenden Hände vier Personen vor, die sagen, was ihnen die Arbeit bedeutet.
14.04.2021, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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100 Tage Bremer Impfzentrum: Vier Helfer sprechen über ihre Aufgaben
Von Florian Schwiegershausen
100 Tage Bremer Impfzentrum: Vier Helfer sprechen über ihre Aufgaben

Vor einem Monat wurde das Impfzentrum in der Messehalle erweitert.

Christian Walter

Vor etwas mehr als 100 Tagen hat das Bremer Impfzentrum seine Arbeit aufgenommen. Inzwischen ist es das größte in Deutschland. Verwaltung und Wirtschaft arbeiten hier Hand in Hand. Die Gesundheitsbehörde mit ihrem Leitungsbüro kooperiert mit der Initiative „Bremen impft“. Dahinter stehen 25 Unternehmen aus verschiedenen Branchen, die sich mit ihrer Erfahrung einbringen und Mitarbeiter entsenden. Der Sprecher der Initiative, Holger Römer, sagt: „Wir alle wollen, dass Bremen schnell geimpft ist.“ Denn je eher das der Fall ist, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass die Wirtschaft zurück in den normalen Modus komme.

Für ein Unternehmen wie Joke Event, das Veranstaltungen und Kongresse organisiert, ist das von elementarer Bedeutung. Weil es wegen des Lockdowns nichts zu tun gibt, arbeiten eine ganze Reihe der Beschäftigten im Impfzentrum. Der Vorstandsvorsitzende Christian Seidenstücker sagt: „Man darf auch nicht unterschätzen, welche Bedeutung das für diese Menschen hat, dass sie nicht daheim in Kurzarbeit sitzen, ohne etwas zu tun zu haben, sondern dass sie eine sinnstiftende Arbeit machen.“

Stellvertretend für alle hauptamtlichen und ehrenamtlichen Helfer im Impfzentrum stellt der WESER-KURIER vier von ihnen vor: zum einen in ihrem eigentlichen Beruf, für den sie brennen, und zum anderen an ihrem Einsatzort im Impfzentrum.

Eine Stimme für die Hotline

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Foto: Peter Dust

Beim Auftritt gibt Sänger Peter Dust alles. Das würde der 48-Jährige auch jetzt am liebsten machen – entweder mit seiner 80er-Jahre-Band Foxy & The Pop Shop Boys, mit der Party-Formation Into The Light oder auf Hochzeiten. 130 Termine im Jahr waren seine Normalität. Doch das ist längst nicht mehr so. Seine Töchter (16 und 18) fragten: „Papa, musst Du jetzt hartzen?“ In der Tat beantragte Dust Hartz IV. Er sagt: „Es geht uns Musikern und allen Event-Leuten auf die Seele, dass es keine Perspektive gibt.“ Doch daheim sitzen, lege sich auf Dauer aufs Gemüt. So ist Dusts Stimme seit Januar an Bremens Impfhotline zu hören. Die Telefonsoftware macht es möglich, dass er von zu Hause aus arbeitet.

Immer auf dem aktuellsten Stand beantwortet er den Menschen die drängendsten Fragen am Telefon: „Zum Teil versuche ich, die Angst vor dem Impfstoff zu nehmen.“ Und wenn sich mal jemand beschwert, nimmt es Dust gelassen: „Ich glaube, dass wir aus der Veranstaltungsbranche auch damit gut klarkommen. Da gilt es, die Menschen zu beruhigen.“ Wenn sie sich am Ende mit einem „Dankeschön“ verabschieden, dann motiviert das auch Peter Dust. Doch ebenso freut er sich schon jetzt wieder darauf, wenn er auf der Bühne endlich wieder 80er-Hits wie „Maniac“ singen kann und das Publikum dazu abgeht.

Von der Rezeption an den Impfempfang

100 Tage Impfzentrum Bürgerweide - Katharina Weber
Foto: Frank Thomas Koch

Katharina Weber ist seit dem 27. Dezember, also seit dem ersten Tag des Impfzentrums, mit dabei. Zuvor war die 24-Jährige über Monate in der Kurzarbeit. Denn normalerweise arbeitet sie an der Rezeption des Atlantic Grand Hotels in der Bremer Innenstadt. Nun trägt sie eine Johanniter-Jacke und ist am Empfang des Impfzentrums in Halle 7 tätig. Vorher checkte sie also Gäste ein, jetzt sind es Impflinge. Ihr eigentlicher Beruf hilft: "Da habe ich genauso den Kontakt mit den Menschen, aber hier im Impfzentrum sind es viele ältere Leute, mit denen ich zu tun habe. Die müssen anders behandelt werden als im Hotel.

Das ist schon ein Unterschied." Denn die seien durchaus nervöser, während im Hotel die Gäste entspannter sind, weil sie sich zum Beispiel im Urlaub befinden. Für Weber sei es schön, ein Teil von etwas zu sein, das hilft, aus dieser Krise herauszukommen: "Jeden Tag gehe ich mit einem guten Gefühl nach Hause, weil ich weiß, wie viele Menschen wieder geimpft wurden." Und regelmäßig nimmt die 24-Jährige liebenswerte Begebenheiten mit nach Hause: "Hier am Empfang waren schon viele ältere Pärchen. Die sind über Jahrzehnte zusammen. Da ist es lustig zu beobachten, wie die sich die ganze Zeit gegenseitig necken. Der Mann versucht dann witzig zu sein, und der Frau ist das total peinlich."

Terminvergabe statt Eventaufbau

100 Tage Impfzentrum Bürgerweide - Stephan König
Foto: Frank Thomas Koch

Stephan König ist Veranstaltungslogistiker. Das bedeutet, dass der 37-Jährige die jeweils benötigte Technik und die Ausstattung zusammensucht, verlädt und vor Ort alles mit aufbaut. Das macht er bei Joke Event seit 2019. Zunächst arbeitete er dort als Aushilfe und wurde dann wegen seiner guten Leistung fest eingestellt. 2020 ging es für ihn dann in die Kurzarbeit. Allerdings hat er im Rahmen seiner gelernten Tätigkeit mitgeholfen, das Impfzentrum in Bremen-Nord in der „Strandlust“ aufzubauen. Hilfe gibt er nun am Telefon bei der Vergabe der Impftermine. Die meistgestellte Frage sei: „Welchen Impfstoff bekomme ich?“

Dabei gibt König den Menschen sozusagen alle Zeit der Welt, um ihnen zu helfen: „Bisher waren es oft Menschen, die 70 und älter sind, die bei uns anrufen.“ 98 Prozent der Anrufer seien freundlich und loben auch die Freundlichkeit der Mitarbeiter an der Impfhotline. Bei den restlichen Personen sei das eine „andere Situation“, wie es der 38-Jährige ausdrückt.

Einige seien erbost, wenn sie nicht den Impfstoff erhalten, den sie sich erhofft haben. Über die Tätigkeit bei der Terminvergabe sagt König: „Mir gibt die Arbeit sehr viel, weil ich so etwas tun und den Menschen damit helfen kann. Es ist endlich mal wieder eine Aufgabe.“

Sprung in die Kampagnenarbeit

100 Tage Impfzentrum Bürgerweide - Lena Biermann
Foto: Frank Thomas Koch

Organisieren kann Lena Biermann. Sie ist eigentlich bei Bremens Messegesellschaft M3B tätig und hat dort unter anderem die letzte Bremen Classic Motorshow auf die Beine gestellt, die virtuell im Netz lief. Aktuell stehen aber nicht betagte Ford Mustangs bei ihr im Fokus, sondern die Kontaktpersonen von Schwangeren. Denn die 27-Jährige plant die Einsätze, wie es von der Impfstrategie her vorgesehen ist: „Ich betreue verschiedene Impfkampagnen und kümmere mich um verschiedene Personengruppen, die eine Impfpriorisierung haben.“ Dazu sitzt sie in einem Team mit anderen – dabei aber nicht weit entfernt von ihrem eigentlichen Schreibtisch auf dem Bremer Messegelände.

Biermann schaut, wie sie die Adressen der verschiedenen Personengruppen bekommt, die dann angeschrieben werden. Da es auch um Personen mit Vorerkrankungen geht, kennt sie in etwa nun alle Krankenkassen Deutschlands. Denn über die erhält sie die entsprechenden Informationen. Für sie hat das alles etwas von dem alten Spruch „Man wächst an seinen Aufgaben“: „So viel Verantwortung, wie ich hier im Leitungsbüro hatte, hatte ich bisher nicht bei meinem eigentlichen Beruf.“ Auch an den Dingen, die täglich unvorhersehbar passieren, lerne sie. Auch wenn es manchmal stressig werde, komme sie jeden Tag gern hierher.

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