A281: Der Autobahnring um Bremen 19 wichtige Kilometer für Bremen

Bremen. Seit 1983 gibt es gibt es Pläne für einen Ring um Bremen - und Bürgerproteste. Die Autobahn 281 soll nur 19 Kilometer lang werden, aber aus Sicht ihrer Planer sind es 19 ungemein wichtige Kilometer fürs Stadtgebiet.
04.04.2014, 04:00
Lesedauer: 4 Min
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19 wichtige Kilometer für Bremen
Von Ralf Michel

Bremen. 1983: Helmut Kohl ist gerade Bundeskanzler geworden, der „Stern“ entdeckt die (gefälschten) Hitler-Tagebücher, der HSV gewinnt den Europapokal der Landesmeister. Und im Bremer Flächennutzungsplan taucht erstmals die A 281 auf. 31 Jahre später sind Kohl, Hitler-Tagebücher und die ruhmreichen Zeiten des HSV Geschichte. Nicht so die Autobahn 281. Die ist immer noch Thema in Bremen. Und wird es bis 2020 auch bleiben. Mindestens.

Sie soll nur 19 Kilometer lang werden, die Autobahn 281, aber aus Sicht ihrer Planer sind es 19 ungemein wichtige Kilometer fürs Stadtgebiet. Durch die Verbindung zwischen A 27 und A1 erhielte Bremen eine Ringautobahn. Die damit verknüpften Ziele: Gewerbegebiete und Flughafen besser anbinden, zugleich mehrere innerstädtische Hauptverkehrsstraßen und das Bremer Kreuz entlasten.

1983 wurde die A 281 in den Flächennutzungsplan aufgenommen. Das erste Teilstück wurde bis Mitte der 90er Jahre in Gröpelingen gebaut, von der A27 in Richtung Industriehäfen. Dann wurde es ruhig um die Ringautobahn, berichtet Gunnar Polzin, Abteilungsleiter Verkehr beim Senator für Umwelt, Bau und Verkehr. „Erst Ende der 90er Jahre hat man überlegt, wie man die Pläne wieder ins Laufen bekommt.“

Was tatsächlich gut überlegt sein wollte, denn Autobahnen zu bauen, ist Sache des Bundes. Auch bei der A 281 geht es also in erster Linie um die Interessen des Bundes. Die Bremer übernehmen nur die Rolle einer Auftragsverwaltung. Nicht unpfiffig daher der Ansatz, die Realisierung der A 281 mit dem Mittelstück im Bereich des Flughafens zu beginnen. Ist dieser Teil erst fertig, wächst automatisch der Druck auf den Bund, auch die fehlenden Verbindungsstücke zu bauen, lautete die (Bremer) Überlegung.

GVZ in Sichtweite

Auch dieses Vorhaben war nicht frei von Störgeräuschen, aber 2008 konnten zwei weitere Stücke der A 281 eröffnet werden – parallel zur Neuenlander Straße (Bauabschnitt 2.1) und zur Senator-Apelt-Straße (3.1). Eines der Ziele des Projektes, ein Autobahnanschluss für das Güterverkehrszentrum (GVZ), rückte damit in Sichtweite. Weitere 4,2 Kilometer, der Abschnitt 3.2 hinter dem GVZ, sind derzeit im Bau. Sie sollen im Herbst eröffnet werden.

Womit der vergleichsweise einfache Teil der A281-Historie abgehandelt wäre. Was bleibt, sind die Anschlüsse auf beiden Seiten des fertigen Mittelstücks der Ringautobahn – die Anbindung an die Neuenlander Straße (Bauabschnitt 2.2) sowie die Weiterführung Richtung Gröpelingen mit einem Wesertunnel in Seehausen (Abschnitt 4).

Beide Teilstücke haben es gleichermaßen in sich, waren von Beginn der Planung an Gegenstand heftigster Auseinandersetzungen zwischen Planern, Politikern und Bürgern. Nach einer Klage von Bürgern erklärte das Bundesverwaltungsgericht 2010 den geplanten Trassenverlauf für den Bauabschnitt 2.2 für rechtswidrig. Zu weit hatte sich im Laufe der Jahre die Planung von dem entfernt, was einst im Flächennutzungsplan festgelegt worden war.

Für Polzin wäre die Schlappe in Leipzig zu vermeiden gewesen, hätte man nur rechtzeitig den Flächennutzungsplan entsprechend der neuen Planung geändert. „Aber das war ein unangenehmes Thema, da haben sich mehrere Senatoren nicht rangetraut.“ Vier, fünf Jahre habe man dadurch im zweiten Bauabschnitt verloren. Schade, findet Polzon, aber bei Bundesfernstraßenprojekten auch nicht außergewöhnlich. „Bei Autobahnen gehen zehn Jahre drauf wie nichts.“

Es folgte ein zähes Ringen mit den Bürgern um eine Kompromisslösung. Am Ende stand ein einstimmiger Beschluss, und gerade hieraus nährt sich Polzins Hoffnung, dass es jetzt relativ fix gehen könnte mit der Anbindung an die Neuenlander Straße. Im Juli 2013 wurde der neue Entwurf zum Bundesverkehrsministerium geschickt. Mit dem für die Genehmigung der Kosten entscheidenden „Gesehen-Vermerk“ wird in diesen Tagen gerechnet, für Ende Mai ist der Start des Planfeststellungsverfahrens vorgesehen. Ob es auch gegen die neue Planung Klagen geben werde, müsse sich zeigen, sagt Polzin. Der Baubeginn für den Bauabschnitt 2.2 soll im Frühjahr 2015 erfolgen, fertig sein soll das Teilstück 2019.

Zusätzliche Weserquerung

Eng hiermit verknüpft ist der 4. und letzte Bauabschnitt der A281 – die Anbindung Richtung Gröpelingen mit dem Wesertunnel bei Seehausen. Aus Sicht der Planer der wichtigste Bauabschnitt, weil er die zusätzliche Weserquerung enthält, erläutert Jörn Kück, Abteilungsleiter der Projektmanagementgesellschaft DEGES (Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH), der das Projekt A 281 in enger Abstimmung und im Auftrag Bremens seit fast 17 Jahren begleitet.

Für diesen Bauabschnitt ist eine Privatfinanzierung vorgesehen mit einem Zuschuss des Bundes als Anschubfinanzierung. Refinanziert werden soll dies für den Investor durch eine Tunnelmaut. Ab 40.000 Nutzern täglich könnte die Rechnung laut Kück für alle Beteiligten aufgehen.

Auch zu diesem Bauabschnitt gab es die Klage einer Bürgerinitiative vor dem Bundesverwaltungsgericht. Dieses Verfahren hat die Stadt gewonnen. Die Anlieger zogen daraufhin vor das Bundesverfassungsgericht. „Aber da ist noch nicht einmal entschieden, ob die Klage überhaupt angenommen wird“, berichtet Jörn Kück.

Die Teilnahmewettbewerbe für private Investoren könnten 2015 stattfinden. Voraussetzung sei aber erkennbares Baurecht im Abschnitt 2.2, so Kück. Und auch die beiden Klagen von Gewerbebetrieben – ArcelorMittal und Holcim – müssten erledigt sein, um gesicherte Rahmenbedingungen für einen Investor zu schaffen. Läuft alles rund, soll die Weserquerung 2020 abgeschlossen sein. Die A 281 wäre fertig – 37 Jahre, nachdem sie erstmals im Flächennutzungsplan der Stadt Bremen auftauchte.

Ende Mai beginnt das neue Planfeststellungsverfahren für den Bauabschnitt 2.2. Hierzu findet am Dienstag, 29. April, ab 19 Uhr in der Wilhelm-Kaisen-Schule eine Informationsveranstaltung für alle Interessierten statt.

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