Reaktionen auf Stellenabbau

Airbus in Bremen steht vor großem Einschnitt

Wegen sinkender Nachfrage nach neuen Flugzeugen, will Airbus in Deutschland 5140 Stellen abbauen. In Bremen sollen 441 von 2400 Stellen der Stammbelegschaft gestrichen werden.
03.07.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Peter Hanuschke und Joerg Helge Wagner
Airbus in Bremen steht vor großem Einschnitt

Der europäische Flugzeugbauer Airbus will in Bremen 441 Stellen streichen.

Carmen Jaspersen/dpa

Am Bremer Airbus-Standort sollen 441 von etwa 2400 Stellen der Stammbelegschaft in der Verkehrsflugzeugsparte gestrichen werden. Das teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Insgesamt will der europäische Flugzeugbauer weltweit 15 000 Arbeitsplätze wegen der Corona-Krise abbauen, davon 5140 in Deutschland. Bei der Airbus-Tochter Premium Aerotec steht jeder dritte Arbeitsplatz auf der Kippe.

Den Stellenabbau wegen der stark zurückgegangenen Nachfrage nach neuen Flugzeugen hatte der Konzern bereits vergangene Woche angekündigt. Unklar war bislang, in welchem Ausmaß welcher Standort betroffen sein wird. Weltweit beschäftigt der Konzern 90 000 Mitarbeiter im zivilen Flugzeugbau.

Jeder fünfte Arbeitsplatz betroffen

Mit dem geplanten Stellenabbau in Bremen könnte fast jeder fünfte Airbus-Mitarbeiter seinen Arbeitsplatz verlieren. Gleiches gilt für die anderen norddeutschen Standorte: In Hamburg-Finkenwerder mit 14.000 Mitarbeitern inklusive Buxtehude als größter Airbus-Standort können 2324 Beschäftigte ihre Stelle verlieren, in Stade sollen 363 von 2000 Arbeitsplätzen gestrichen werden. Von 1100 Leiharbeitern hat sich Airbus seit Beginn der Corona-Krise bereits getrennt. Die Airbus-Tochter Premium Aerotec mit Hauptsitz in Augsburg hat 9000 Mitarbeiter und soll fast jeden dritten Arbeitsplatz verlieren. In der Zweigstelle in Bremen gibt es 415 Beschäftigte.

„Das ist eine bittere Nachricht für die Airbus-Beschäftigten und für den Standort Bremen“, sagte Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD). Der Senat werde sich mit aller Kraft dafür einsetzen, so viele Arbeitsplätze wie möglich zu erhalten, und dort, wo das nicht gelinge, auf eine sozialverträgliche Lösung drängen.

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Der noch am Mittwoch von der Airbus-Konzernleitung in Aussicht gestellte reduzierte Abbau um 1500 Arbeitsplätze durch eine eventuelle Verlängerung des Kurzarbeitergelds auf zwei Jahre wurde einen Tag später wesentlich pessimistischer eingeschätzt: Kurzarbeit sei ein notwendiges, aber kein hinreichendes Instrument, sagte Marco Wagner, Arbeitsdirektor Airbus Commercial in Deutschland, in einer Telefonkonferenz mit Medienvertretern.

Durch verlängerte Kurzarbeit könne der Stellenbau nicht in dem erhofften Umfang reduziert werden. Wagner: „Wir nutzen alle Maßnahmen und versuchen in Zusammenarbeit mit unseren Sozialpartnern, betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden, aber ob das gelingt, ist derzeit nicht abschätzbar.“ Ziel sei, den Stellenabbau bis Mitte 2021 abzuschließen, so Wagner. „Wir fahren derzeit auf Sicht.“ Für Airbus werde die Krise langfristige Auswirkungen haben: „Wir werden nach der Krise ein Unternehmen haben, das kleiner sein wird.“

Optimismus aus dem Bremer Wirtschaftsressort

Im Wirtschaftsressort geht man noch davon aus, dass sich der geplante Arbeitsplatzabbau um die besagten 1500 Stellen reduzieren lässt. „Einen anderen Kenntnisstand haben wir noch nicht von offizieller Airbus-Seite“, so Kai Stührenberg, Sprecher von Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke). Entsprechend sind von dort noch optimistische Töne zu hören: „Der Standort Bremen ist mit einem blauen Auge davongekommen.“ Nun müsse man die Krise „überwintern“, etwa durch ein auf 24 Monate verlängertes Kurzarbeitergeld.

Die Konzernentscheidung über den Stellenabbau sei keine gute Nachricht und ein deutliches Signal an den Senat, so Carsten Meyer-Heder, wirtschaftspolitischer Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion und CDU-Landeschef. Durch die Pandemie gehörten Wirtschaftsförderung und Arbeitsplatzsicherung ganz oben auf die Agenda. „Wir müssen alle Mittel ausschöpfen, damit das Werk Bremen langfristig an Bedeutung gewinnt. Dazu sollten wir Komplementärmittel für das Konjunkturprogramm auf Bundesebene bereitstellen und das neue Ecomat konsequent ausbauen und nutzen, um innovativer zu werden.“

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Wann die Nachfrage nach Flugzeugen wieder steigen wird, sei nicht klar, so der Airbus-Arbeitsdirektor. Bei der kleineren Baureihe, der A320-Familie, werde das sicherlich eher der Fall sein als bei größeren Modellen wie dem A350. Insofern könnte Hamburg mehr als andere Standorte von einer anziehenden Nachfrage profitieren, weil sich die Produktionsprozesse vornehmlich auf die A320-Baureihe konzentrieren.

In Bremen werden dagegen für alle Modelle die Flügel unter anderem mit Landeklappen ausgestattet. Bremen gilt als das Hochauftriebszentrum von Airbus. „Klar ist, dass wir alle Kernkompetenzen erhalten wollen“, so Wagner. Darauf setzt auch das Wirtschaftsressort: Bremen verfüge über Kompetenzen, die für den Airbus-Konzern von großem Wert seien. Für eine Zukunft der Luftfahrt seien Themen wie klimaneutrale Antriebe und leichte Materialien zwingend notwendig.

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