Fusionen werden fortgesetzt Ab 2015 nur noch 50 Krankenkassen

Bremen. Die Fusionswelle bei den Krankenkassen reißt nicht ab. Binnen fünf Jahren wird die Zahl der gesetzlichen Kassen einer aktuellen Studie zufolge auf ein Drittel sinken. Die AOK Niedersachsen will dann zu den Größeren gehören. Ihr Ziel ist es, Marktführer im Norden zu werden. Dabei strecken die Niedersachsen ihre Fühler auch nach Bremen aus.
11.03.2010, 09:47
Lesedauer: 3 Min
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Ab 2015 nur noch 50 Krankenkassen
Von Petra Sigge

Bremen. Die Fusionswelle bei den Krankenkassen reißt nicht ab. Binnen fünf Jahren wird die Zahl der gesetzlichen Kassen einer aktuellen Studie zufolge auf ein Drittel sinken. Die AOK Niedersachsen will dann zu den Größeren gehören. Ihr Ziel ist es, Marktführer im Norden zu werden. Dabei strecken die Niedersachsen ihre Fühler auch nach Bremen aus.

Es gibt Gespräche“, bestätigte Jörn Hons, Sprecher der AOK Bremen/Bremerhaven, auf Nachfrage. Der Ausgang sei offen. Einen konkreten Zeitplan gebe es noch nicht. Im Frühjahr oder Sommer werde sich der Verwaltungsrat mit dem Thema beschäftigen. Während über ein Zusammengehen mit den Bremern noch verhandelt wird, ist die Fusion von AOK und IKK Niedersachsen bereits beschlossene Sache. Wie gestern berichtet, hat das Bundeskartellamt den Zusammenschluss inzwischen genehmigt.

Geht alles nach Plan, wird der Zusammenschluss zum 1. April wirksam. Ab dann sollen AOK und IKK gemeinsam als „AOK – Die Gesundheitskasse für Niedersachsen“ auftreten. Die Arbeitsplätze der 6750 Beschäftigten gelten als sicher, weil beide Unternehmen fusionsbedingte Entlassungen ausgeschlossen haben. Mit den 285000 Versicherten der IKK wären bei der neuen AOK Niedersachsen insgesamt 2,45 Millionen Menschen versichert. Das sind etwa ein Drittel aller gesetzlich Versicherten im Land. Käme die AOK Bremen/Bremerhaven noch hinzu, stiege die Zahl der Versicherten um weitere 222000 auf über 2,6 Millionen an. 2009 hat die AOK Niedersachsen mit einem Überschuss von 69 Millionen Euro abgeschlossen.

Die Bremer AOK mit ihren 600 Beschäftigten nannte keine konkreten Zahlen, erwirtschaftete aber nach Angaben ihres Sprechers zumindest ein „kleines Plus“. Beide Kassen verlangen für 2010 keine Zusatzbeiträge von ihren Mitgliedern. Man wolle zwar eine Regionalkasse bleiben, erklärte der niedersächsische AOK-Chef Jürgen Peter nach Bekanntwerden der jüngsten Fusionspläne. Aber für die Verhandlungen mit den Pharmaunternehmen oder den Krankenhäusern brauche die Kasse eine gewisse Größe. Als Beispiele nannte er Rabattverträge mit Arzneiherstellern, die Prüfung von Krankenhausrechnungen und ein dichtes Geschäftsstellennetz. „Die wohnortnahe Versorgung, also die Krankenkasse um die Ecke, ist gerade für ältere Menschen sehr wichtig“, so Hons.

Die AOK in Bremen und Niedersachsen sind nur zwei von vielen Krankenkassen, die derzeit auf Annäherungskurs sind. Nach einer Studie, die die Wirtschaftsberatungsgesellschaft Ernst & Young gerade vorgelegt hat, dürften von derzeit 169 Kassen bis 2015 nur noch 50 übrig bleiben. Jede zweite befragte Krankenkasse habe angegeben, sich Gedanken über eine mögliche Fusion zu machen. Allein seit Jahresbeginn 2010 hat es bundesweit bereits elf Zusammenschlüsse gegeben. Als Grund nennt die Studie die neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen. Diese seien unter anderem dafür verantwortlich, dass die verbliebenen Anbieter den erhöhten Finanzierungsbedarf nach der Einführung des einheitlichen Beitragssatzes in Höhe von 14,9 Prozent im vergangenen Jahr nicht mehr über Beitragssteigerungen ausgleichen konnten. Zum anderen sei es im Gegensatz zu früher möglich, dass Krankenkassenpleitegehen.

Für die Versicherten muss die Entwicklung hin zu größeren und mächtigeren Kassen nicht unbedingt von Vorteil sein. Das hat die Stiftung Warentest am Beispiel des Mega-Zusammenschlusses von Barmer und Gmünder Ersatzkasse zur Nummer eins in Deutschland aufgezeigt hat. Danach erhalten die früheren GEK-Versicherten heute weniger Leistungen – etwa im Bereich der häuslichen Krankenpflege oder des Hautkrebsscreenings. Wie sich der Kassenmarkt verändert, werde auch vom Bundeskartellamt genau beobachtet, sagt deren Sprecher Kay Weidner. Nicht jede Fusion muss von der Behörde genehmigt werden – das hängt von der Größe der Kassen und dem Umsatz ab. Die bisher beantragten Fusionen seien aus Sicht der Kartellwächter allesamt „unbedenklich“ gewesen, sagt Weidner. Trotz des rasanten Konzentrationsprozesses hätten die Marktanteile der einzelnen Kassen bislang „noch keine kritische Größe“ und damit marktbeherrschende Stellung erreicht.

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