Rettung der Norddeutschen Landesbank Abschied vom Schiffsgeschäft

Der neue Geschäftsplan für die in Schieflage geratene NordLB steht nun. Darauf haben sich Niedersachsen und die Sparkassen geeinigt. Von den Schiffskrediten soll die Landesbank sich demnach komplett trennen.
03.04.2019, 20:34
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Abschied vom Schiffsgeschäft
Von Lisa Schröder

Die Träger der Norddeutschen Landesbank (NordLB) haben sich im Grundsatz auf ein neues Geschäftsmodell für das Unternehmen geeinigt. Das gab Niedersachsens Finanzminister Reinhold Hilbers, der auch Aufsichtsratschef der NordLB ist, am Mittwoch in einer kurzfristig anberaumten Konferenz bekannt: „Wir sind ein ganzes Stück weitergekommen, was die Neuausrichtung der NordLB angeht.“ Zwar seien nicht alle Punkte ausgemacht, doch nur technische Fragen seien in diesem Moment noch offen.

Die NordLB will sich nach den Plänen der Träger von den Schiffskrediten in den nächsten Jahren komplett trennen. Außerdem nannte Hilbers erstmals Zahlen zum Stellenabbau der Bank, die kleiner und regionaler werden soll.

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Am Ende gebe es noch 3250 der heute 5500 Stellen. Im Raum steht weiterhin, ob möglicherweise auch ganze Standorte gestrichen werden. Bei denen in Niedersachsen geht Hilbers davon aus, sie halten zu können. Über die Niederlassung am Domshof habe man sich noch nicht dezidiert unterhalten.

In Bremen habe die NordLB einen wichtigen Markt, der sich am einfachsten direkt von vor Ort bedienen lasse. Der Standort müsse aber auch wirtschaftlich sein. „Das werden wir uns im Einzelnen anschauen.“ In welchen Bereichen und an welchen Standorten Stellen abgebaut werden sollen, das sei Managementaufgabe und dann im Aufsichtsrat zu besprechen. Gestrichen sind bereits seit längerer Zeit 1250 Arbeitsplätze im Zuge des Programms „One Bank“.

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Das Land Niedersachsen, das mit 59 Prozent die Mehrheit an der NordLB hält, stellte mit den anderen Trägern das Geschäftsmodell am Mittwoch der Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB) vor. Das Gespräch sei gut verlaufen, es habe zahlreiche Nachfragen gegeben, berichtete Hilbers, aber dazu auch Antworten: „Es gab keine grundsätzliche Kritik. Das Modell ist auf Zustimmung gestoßen.“ Eng müsse man sich nun mit Brüssel abstimmen, damit diese Schritte nicht als Beihilfe gelten. Dann rechne man auch nicht mit großen Auflagen. Im August soll die Neuausrichtung der NordLB abgeschlossen sein.

Unverständnis der Reeder

Nur Details seien eben noch zu klären, bevor ein Vertrag aufgesetzt werden könne – es gehe um relativ einfache Dinge. „Wir müssen das unter uns alten und neuen Trägern klären, wie wir einzelne Kapitalmaßnahmen schultern.“ Niedersachsen und die Sparkassen waren sich zwischenzeitlich über den neuen Kurs der NordLB gar nicht einig. Anfang des Jahres hatten sie sich auf eine gemeinsame Rettung verständigt. Eigner Sachsen-Anhalt beteiligt sich daran ebenfalls.

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In Zukunft soll die Bank sich auf das Privat- und Firmenkundengeschäft, das Verbundgeschäft, Immobilien, Spezialfinanzierung und Märkte konzentrieren. Im Konzern verbleibt dabei die Deutsche Hypothekenbank. Die Braunschweigische Landessparkasse (BLSK) gehört ebenfalls weiterhin zur NordLB – „zunächst“, wie Hilbers ergänzte. Die Bilanzsumme soll langfristig, wie bereits zu vernehmen war, 95 Milliarden Euro betragen. Zunächst sollte die NordLB sogar halbiert werden: auf 80 Milliarden Euro.

Zum Rückzug aus dem Schiffsgeschäft äußerte sich Ralf Nagel, Geschäftsführendes Präsidiumsmitglied des Verbands Deutscher Reeder, besorgt. Was bisher über das neue Geschäftsmodell der NordLB bekannt sei, löse bei den Reedern großes Unverständnis aus.

Tausende Arbeitsplätze betroffen

"Wieder verabschiedet sich eine Bank aus der für die maritime Wirtschaft so wichtigen Schiffsfinanzierung – noch dazu ein Institut, welches sich auch künftig als in Norddeutschland verankert sieht", sagte Nagel dem WESER-KURIER. Hinter den Finanzierungen stünden mittelständisch geprägte Schifffahrtsunternehmen. "Daran hängen vor allem im Norden tausende Arbeitsplätze, die in Gefahr sind. Gerade eine öffentlich-rechtlichen Bank hat eine Verantwortung für die Wirtschaft in ihrer Region.“

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Ein Paket fauler Schiffskredite in Höhe von 2,7 Milliarden Euro namens „Big Ben“ hat US-Finanzinvestor Cerberus der NordLB bereits abgekauft. Nun geht es um das noch größere Portfolio „Tower Bridge“, das in einer Abbaueinheit innerhalb der Bank abgebaut werden soll. Das habe den Vorteil, dass die Mitarbeiter vorerst weiter bei der NordLB beschäftigt sein könnten und die Bank von möglichen Mehrerlösen profitiere, erklärte Hilbers den Plan.

„Wenn das nicht vollzogen werden kann, würde das Land Niedersachsen das Portfolio übernehmen.“ Und das zu einem Preis, den die EU akzeptiere, was vermutlich einem Buchwert von 1,3 Milliarden Euro entspreche. Dann werde versucht, das Portfolio in einer Abbauanstalt „beispielsweise mit Schleswig-Holstein und Hamburg zusammen so erfolgreich wie möglich zu verwerten“. Hilbers sagte am Mittwoch, dass die NordLB sich in den nächsten zwei bis drei Jahren von den Schiffen trennen will.

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Der Finanzminister betonte mehrfach, die NordLB müsse „redimensioniert“ werden, weil Brüssel das erwarte und es nötig sei, um die Kapitalquote von 14 Prozent zu erreichen. „Das verlangt, dass wir bestimmte Geschäftsbereiche abbauen.“ Die neuen Träger hätten zudem kein großes Interesse daran, dass der Geschäftsbereich, der zu den Problemen geführt habe, wieder neu aufgebaut wird. „Das waren Bedingungen in den Gesprächen, auf die wir uns einlassen mussten.“ Wegen Schiffskrediten ist die NordLB überhaupt in Schieflage geraten. Im Geschäftsjahr 2016 machte der Konzern deshalb einen Verlust von zwei Milliarden Euro.

"Im Nachhinein betrachtet weiß man natürlich alles immer besser."

Ganz zum Schluss der Konferenz musste Hilbers sich zur Übernahme der Bremer Landesbank von der Hansestadt äußern. Ob der Kaufpreis damals nicht ein Fehler gewesen sei? Der Finanzminister wollte das nicht beurteilen, er sei damals nicht in derselben Funktion gewesen. Allerdings: Mit der Wertberichtigung wegen der faulen Schiffskredite habe keiner gerechnet. „Das war sicherlich ein Problem. Im Nachhinein betrachtet weiß man natürlich alles immer besser.“ Am Donnerstag stellt die NordLB ihre Bilanz für 2018 vor.

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