Kontroverse um den Wasserturm in Bremen Ärger um Umbaupläne auf dem Stadtwerder

Bremen. Ärger, Ausbrüche von Zorn, dazu gegenseitige Schuldzuweisungen - das begleitet mit wachsender Beleidigung aller Beteiligten die Pläne zum Umbau des Wasserturms (umgedrehte Kommode) auf dem Stadtwerder. Nun ist es nicht ausgeschlossen, dass die markante Backstein-Immobilie wieder den Besitzer wechselt.
28.04.2010, 20:50
Lesedauer: 3 Min
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Ärger um Umbaupläne auf dem Stadtwerder
Von Wigbert Gerling

Bremen. Ärger, Ausbrüche von Zorn, dazu gegenseitige Schuldzuweisungen - das begleitet mit wachsender Beleidigung aller Beteiligten seit Monaten die Pläne zum Umbau der umgedrehten Kommode auf dem Stadtwerder. Nun ist es nicht ausgeschlossen, dass die markante Backstein-Immobilie, die einst von den Stadtwerken an einen Investor verkauft worden war, wieder den Besitzer wechselt. Einen entsprechenden Vorstoß gab es bereits.

Am Anfang stand die zukunftsfrohe Verheißung: Die swbAG und an ihrer Seite auch die Stadt verständigten sich vor mehr als einem halben Jahrzehnt auf eine Ausschreibung. Es sollte ein Privater gefunden werden, der die Kommode kauft und so umbaut, dass sie auch für Besucher zur Verlockung wird. Das Sahnehäubchen buchstäblich obendrauf sollte ein gläsernes Dach mit einem Restaurant werden. Dazu wurde vorauseilend von kulturellen Veranstaltungen in den unteren Etagen des alten Wasserwerks geschwärmt. Die umgedrehte Kommode, so hieß es, werde zum attraktiven Blickfang und zur 'Visitenkarte' für das geplante Baugebiet Stadtwerder.

Der Verkauf an einen privaten Investor wurde vollzogen, aber ansonsten kam es anders als gedacht. Die Arbeiten auf den Baufeldern für die vielen Wohnungen und Häuser nehmen gerade Schwung auf - der Umbau der Kommode aber, die der Gesellschaft 'Wasserturm Bremen' gehört, ist bis heute nicht in Angriff genommen. Mal gab es Kontroversen mit der Bauverwaltung, dann mit dem Denkmalschutz. Alle Versuche, auch mit dem diplomatischen Geschick des ehemaligen Staatsrats Fritz Logemann, die verkeilte Lage zu entschärfen, scheiterten. Die Tonart wurde seither immer schärfer - bis dahin, dass in Senatskreisen angezweifelt wurde, ob die heutigen Eigner mit den Anforderungen des Denkmalschutzes zurechtkommen könnten.

Es keimte dazu vor einiger Zeit der Verdacht, das Wasserwerk solle vor allem dazu dienen, für einen stattlichen Geldfluss in Richtung des Investors zu sorgen - billig kaufen, teurer verkaufen: In den Abmachungen zwischen der swbAG und den heutigen Inhabern sei ein 'Kaufpreis' der Kommode in Höhe von 50000 Euro veranschlagt worden. Als es jüngst den Versuch gegeben habe, das Gebäude weiterzuverkaufen, seien dann aber Beträge von mehreren hunderttausend Euro genannt worden, angeblich bis zur Millionengrenze.

Die Veranschlagung von 50000 Euro für ein historisches Gebäude direkt an der Weser und fast in Innenstadt-Lage? Bei dieser Taxierung wurde offenbar vorausschauend mitgedacht, dass der erwartete Umbau den Käufer dann viele Millionen kosten werde.

Führungen auf das Dach?

Beim Unternehmen 'Wasserturm Bremen' wurde dieser Kaufpreis gestern nicht bestätigt - und auch nicht, dass der Bau zwischenzeitlich zu einem festen Preis angeboten worden sei. Zentral sei vielmehr das Konzept, das ein möglicher Käufer bieten könne. Es wurde zudem darauf verwiesen, dass der Status Quo mit Kosten verbunden sei. Hohe Planungsausgaben, Versicherungen, Personal - solche Posten und andere mehr gingen ins Geld. Wenn es zum Weiterverkauf käme, müssten solche bisherigen Aufwendungen eingerechnet werden.

Was tun? Bei der swbAG wurde betont, die Ausschreibung sei einst in Abstimmung mit der Stadt gemacht worden. Eine 'Rückfallklausel', wonach der Bau zurückgegeben werden müsse, wenn innerhalb einer bestimmte Frist nicht investiert werde, sei damals nicht vereinbart worden.

Die Firma 'Wasserturm Bremen' will nun mit einem 'alternativen Nutzungskonzept' versuchen, nochmals Bewegung in die Planungen zu bringen. Unter anderem werde geprüft, 'ob auf das viel diskutierte Staffelgeschoss beziehungsweise den ,gläsernen Dachaufbau? , der Platz für eine Gastronomie bieten sollte, verzichtet werden kann'. Genau diese architektonische Auslegung des Dachaufbaus hatte zeitweise zu den zentralen Konflikten mit der Denkmalpflege gehört.

Das Unternehmen stellt sich unter anderem vor, dass Veranstaltungsgebäude in das Erdgeschoss kommen, darüber 'Wohn- und Bürolofts'. Es werde beispielsweise auch 'angedacht', Führungen zum Dach der umgedrehten Kommode anzubieten. Bei der 'Wasserturm Bremen' wird bestätigt, dass Verhandlungen über den Weiterverkauf geführt worden seien - 'nicht zuletzt auf Wunsch der befassten Behörden'. Eine 'erste Runde' sei ohne Ergebnis verlaufen. Die Inhaber: 'Ein Weiterverkauf der ,umgedrehten Kommode? ist damit aber in Zukunft nicht ausgeschlossen. Vielmehr bleibt diese Option offen'.

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