Airbus Defence and Space Airbus Defence and Space im Umbruch

Bei Airbus Defence and Space in Bremen steht offenbar ein Umbruch an: Es geht um agileres Arbeiten und um eine stärkere Einbeziehung externer Kompetenzen. Außerdem steht ein Generationswechsel an.
10.12.2019, 18:23
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Airbus Defence and Space im Umbruch
Von Peter Hanuschke

Bremen. Vom Budget der Europäischen Weltraumorganisation Esa von mehr als 14,4 Milliarden Euro, das kürzlich im spanischen Sevilla von den 22 Mitgliedsländern beschlossen wurde, profitiert insbesondere Bremen als „City of Space“. Das betonte Oliver Juckenhöfel, Standortleiter von Airbus Defence and Space (DS), vor Journalisten in dieser Woche. Juckenhöfel, der sich zum Ende dieses Jahres beruflich verändern und konzernintern eine andere Tätigkeit in den USA übernehmen wird, sagte aber auch, dass die Umsetzung bei keinem der Themen einfach werde.

Die Chancen stünden gut, dass beispielsweise zum bisherigen Auftragsvolumen über drei Antriebs- und Versorgungsmodule für das US-Raumschiff Orion weitere sechs in den nächsten Jahren bis 2029 in Bremen bei Airbus DS gebaut würden, aber mit diesen Aufgaben seien trotzdem große Herausfor­derungen verbunden, so Juckenhöfel. „Um auch auch die anderen Arbeitspakete bewältigen zu können, benötigen wir bei Airbus DS künftig neue Strukturen. Wir müssen ein agileres Arbeiten lernen.“ Man müsse auch „andere Spieler mitnehmen. Wir benötigen neue Kompetenzen – auch von ­extern.“

Denn es gehe nicht mehr nur darum, ein Raumschiff zu entwickeln oder die Internationale Raumstation zu betreiben, sondern vor allem auch darum, welchen Nutzen Exploration insgesamt habe, so Juckenhöfel. Es gehe dabei auch um Kompetenzen, die bereits in anderen Disziplinen genutzt und weiterentwickelt würden. Das könne etwa der Aufbau einer Cloud sein, die vom Mond aus oder der Mondumlaufbahn genutzt werden könne oder die Installation eines Navigationssystems ähnlich dem europäischen, das mit Galileo-Satelliten betrieben werde.

Letztlich müsse bei den meisten Vorhaben auch eine Skalierbarkeit erkennbar sein, die eine industrielle Nutzung sinnvoll erscheinen lasse – etwa beim Aufbau einer Logistikkette zum Mond, die von den Kompetenzen her sehr gut von Bremen aus entwickelt und betrieben werden könne, so Juckenhöfel. So eine Skalierbarkeit sei sehr schwer vorherzusagen, aber das sei eben auch eine der Herausfor­derungen.

Ob diese neuen Strukturen auch einen Personalabbau nach sich ziehen? Juckenhöfel ließ das offen. Nur so viel: Bei allen Themen, die in den nächsten Jahren anstehen, gebe es einen enormen Kostendruck. Denn die Mitbewerber – dazu gehören zunehmend mittelständische Unternehmen und Start-ups – seien von der Kostenstruktur häufig schlanker aufgestellt. Bei Airbus DS stehe ein Generationswechsel an, sagte der Noch-Standortleiter. „Die Mitarbeiter, die vom Alter her den größten Anteil ausmachen, haben vor Jahren das Columbus-Labormodul für die ISS entwickelt. Wir müssen gucken, mit welchem Kernteam wir künftig unsere Aufgaben angehen werden.“

Aus diesen möglichen mittelfristig anstehenden Veränderungen eine Gefährdung des Standorts ableiten zu wollen, sei abwegig, so Juckenhöfel. Airbus DS in Bremen werde weiterhin eine Führungsrolle einnehmen, wenn es um die Umsetzung von Raumfahrtthemen gehe. Bremen sei einfach als Standort prädestiniert. Das liege vor allem an der Struktur mit den vielen Instituten, der Universität und der Vielzahl an Firmen, die sich mit Raumfahrttechnologie im Kleinen und Großen beschäftigen. Jüngstes Beispiel, das eben auch durch das politische Umfeld realisiert worden sei, sei die Einrichtung Ecomat, in der unterschiedliche Unternehmen und Forschungseinrichtungen verschiedener Disziplinen an neuen Materialien insbesondere im Bereich Leichtbau forschen. „Bremen nennt sich zu Recht ,City of Space'.“

In Sachen Exploration werde es in den nächsten Jahren viel Bewegung geben, ist Andreas Lindenthal überzeugt, der den Posten von Oliver Juckenhöfel übernimmt. „Und wir werden dabei sein.“ Daraus ergebe sich eine langfristige Perspektive für den Standort.

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