Freiwilliges Abfindungsprogramm

Airbus verzichtet auf Kündigungen bis März 2021

Der Flugzeugbauer Airbus ist in der Krise. Deutschlandweit sollen mehr als 5000 Stellen wegfallen, darunter mehrere Hundert in Bremen. Auf betriebsbedingte Kündigungen verzichtet der Konzern vorerst.
12.10.2020, 20:57
Lesedauer: 2 Min
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Airbus verzichtet auf Kündigungen bis März 2021
Von Stefan Lakeband
Airbus verzichtet auf Kündigungen bis März 2021

In Bremen sind rund 600 Stellen von dem Sparkurs betroffen. Geschehen soll das nun erst einmal ohne betriebsbedingte Kündigungen.

Mohssen Assanimoghaddam

Der Sozialplan bei Airbus steht und verschafft den Beschäftigten etwas Erleichterung in Zeiten der Krise. Denn: Der angeschlagene Flugzeugbauer schließt betriebsbedingte Kündigungen bis Ende März 2021 aus. Das teilte das Unternehmen am Montag mit. Gerettet sind die Stellen damit aber noch nicht. Vielmehr setzt das Unternehmen darauf, dass Mitarbeiter freiwillig ausscheiden. Im Zentrum des Sozialplans stehen daher ein Abfindungsprogramm und die Gründung einer Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft. Darauf habe man sich mit den Sozialpartnern geeinigt, sagte Marco Wagner, Arbeitsdirektor und Mitglied der Geschäftsführung bei Airbus Commercial.

Hintergrund für das Abkommen ist ein strenges Sparprogramm des Flugzeugbauers. Die Corona-Krise hat die Situation bei Airbus noch einmal verschärft: Von Airlines bestellte Flugzeuge wurden storniert, die Produktion an den europäischen Standorten musste heruntergefahren werden. Die Folgen spürt auch das Werk in Bremen, in dem unter anderem die Flügel ausgerüstet werden. Hier sollen 440 Stellen im kommerziellen Flugzeugbau wegfallen, 160 weitere bei der Konzerntochter Premium Aerotec. Deutschlandweit sollen 5100 Stellen gestrichen werden, weltweit etwa 15 000.

Wagner ist aber zuversichtlich, dass das Abfindungsprogramm einen großen Teil zum Sparkurs beitragen kann. „Ich bin guter Hoffnung, dass wir genug Freiwillige finden.“ Nachdem der Vorschlag am Montag der Belegschaft vorgestellt worden sei, habe es bereits viele Interessenten gegeben. Laut Wagner stützen den Plan zwei Säulen: ein Abfindungsprogramm für Mitarbeiter bis 58 Jahre und eins für ältere Beschäftigte. Hinzu komme die Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft. Wunsch und Ziel sei es, keine betriebsbedingten Kündigungen aussprechen zu müssen.

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Darüber hinaus sei geplant, die Kurzarbeit bis Ende 2021 zu verlängern. Denn, das machte André Walter, Vorsitzender der Geschäftsführung von Airbus Commercial in Deutschland, deutlich: Die Folgen der Corona-Pandemie seien schlimmer als gedacht. „Die Situation hat sich gegenüber dem Sommer noch einmal verschlechtert.“ Er geht davon aus, dass sich der Bau von Flugzeugen mit einem Gang eventuell bis 2022 erholen könnte. Bei den Langstreckenflugzeugen erwarte er aber keine Normalisierung vor 2025. Die beiden Airbus-Manager versprachen außerdem, dass Arbeitspakete nicht an andere Standorte verschoben werden sollen. Zudem gebe es „keine konkreten Planungen, irgendeinen Standort zu schließen“.

Laut Ute Buggeln, erste Bevollmächtigte der IG Metall in Bremen, verschaffe der Sozialplan nun etwas Luft. Dass betriebsbedingte Kündigungen bis Ende März kommenden Jahres ausgeschlossen seien, bezeichnete sie als „Teilerfolg“. So hätte das Ringen um den Sozialplan unter anderem dazu geführt, dass für das Abfindungsprogramm bessere Konditionen herausgehandelt werden konnten. Das erhöhe die Chancen, dass mehr Beschäftigte freiwillig ausschieden. Gleichzeitig habe man aber nicht alle Forderungen durchsetzen können.

Zudem sei die jetzt getroffene Abmachung wichtig für das Zukunftskonzept des Bremer Airbus-Werks. Gespräche darüber seien nun vereinbart worden. Buggeln macht aber auch deutlich, dass noch vollkommen offen sei, in welcher Form das Konzept ausgehandelt werden könne – und was genau Inhalt sei. Klar sei aber auch: Sollten sich bis März nicht genug Freiwillige finden, stünden wieder betriebsbedingte Kündigungen im Raum.

+++ Dieser Text wurde aktualisiert um 20:55 Uhr +++

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