Neue Studie: Bedeutung für Bremen

Flughafen stellt Klimakosten der Wertschöpfung gegenüber

Laut einer neuen Studie wurde im Jahr 2019 am Bremer Flughafen-Standort mit seinen 80 Unternehmen insgesamt eine Bruttowertschöpfung von 2,26 Milliarden Euro bei Klimakosten von 17,25 Millionen Euro erzielt.
12.04.2021, 19:23
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Flughafen stellt Klimakosten der Wertschöpfung gegenüber
Von Peter Hanuschke
Flughafen stellt Klimakosten der Wertschöpfung gegenüber

Die Produktion am Flughafen Bremen und in der Airport City in 80 Unternehmen führte im Jahr 2019 laut einer neuen Untersuchung zu einem Steueraufkommen von 592,7 Millionen Euro. Erstmalig wurden bei dieser Analyse die verursachten Klimakosten gegenübergestellt, die danach im Betrachtungsjahr bei 17,25 Millionen Euro lagen und sich allein auf die Flugbewegungen beziehen.

Frank Thomas Koch

Der Bremer Airport hat zwar wesentlich weniger Passagiere pro Jahr, aber er kann dennoch mit ein paar größeren Flughäfen wie Hannover mithalten – zumindest, wenn es um die Bruttowertschöpfung geht. Das geht aus einer neuen Studie im Auftrag der Flughafen Bremen GmbH hervor, die am Montag vorgestellt wurde und erstmalig auch Klimakosten in der Analyse berücksichtigt.

Demnach sorgte der Bremer Flughafen mit seinem Standort und der Airport City für eine Bruttowertschöpfung von 2,26 Milliarden Euro im Jahr 2019. Die verursachten Klimakosten, die sich nur allein auf Flugbewegungen in diesem Betrachtungsjahr beziehen, lagen laut Studie bei 17,25 Millionen Euro. Für diese Berechnung wurde ein Kompensationsbetrag von 23 Euro pro Tonne Kohlendioxid herangezogen, den die Non-Profit-Organisation Atmosfair zugrunde legt.

Bruttowertschöpfung von 2,26 Milliarden Euro

Die regionalökonomische Betrachtung des Flughafens berücksichtigt unter anderem direkte Effekte wie Beschäftigung und Einkommen bei Betrieben auf dem Flughafengelände als auch indirekte Effekte bei Zulieferbetrieben außerhalb des Flughafens durch Aufträge der am Flughafen ansässigen Betriebe für Vorleistungen und Investitionen sowie induzierte Effekte über erhöhte Konsumausgaben aus direkt und indirekt entstandenen Einkommen. Laut der Studie, die von Richard Klophaus, Vorstand und Sprecher des Zentrums für Recht und Wirtschaft des Luftverkehrs, erstellt wurde, gab es im Betrachtungsjahr am Flughafen Bremen insgesamt 7281 direkte Arbeitsplätze in mehr als 80 Betrieben und zusammen mit indirekten Arbeitsplätzen 29.552 Erwerbstätige. Die Bruttowertschöpfung von 2,26 Milliarden Euro entspricht laut Studie 8,6 Prozent der gesamten Bruttowertschöpfung von 26,274 Milliarden Euro in der Stadtgemeinde Bremen in 2019.

„Vom Passagieraufkommen spielt Bremen zwar nicht in der gleichen Liga wie Hannover – dort ist das Passagieraufkommen mehr als doppelt so hoch –, aber schaut man sich die direkte Beschäftigung und die Wertschöpfung an, dann ist der Abstand zwischen Bremen und Hannover recht gering“, sagt Studienverfasser Richard Klophaus, Vorstand und Sprecher des Zentrums für Recht und Wirtschaft des Luftverkehrs.

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Der Bremer Flughafen hatte in der jüngsten Vergangenheit in normalen Jahren ein Passagieraufkommen von deutlich über zwei Millionen (2019: 2,3 Millionen). Damit platzierte sich der Airport regelmäßig unter den 15 größten deutschen Flughäfen im hinteren Drittel. Hannover hatte zum Vergleich nach Angaben des Flughafenverbands 2019 ein Passagieraufkommen von 6,288 Millionen.

Die Produktion am Flughafen Bremen und in der Airport City führte im Jahr 2019 laut der Untersuchung zu einem Steueraufkommen von 592,7 Millionen Euro. Nach Abzug der Abführungen an die EU fließen nach Angaben des Studienverfassers davon dem Bund 244,2 Millionen Euro zu, den Ländern 240,6 Millionen Euro und den Gemeinden 84,8 Millionen Euro.

Hohe ökonomische Bedeutung für die Region

„Über 7000 direkte und knapp 30.000 direkte, indirekte und induzierte Arbeitsplätze am Flughafen unterstreichen seine Bedeutung für Bremen und die Region und zeigen, dass der Bremen Airport ein bedeutsamer Wirtschaftsfaktor ist, auf den Bremen nicht verzichten kann“, sagt Flughafen-Chef Elmar Kleinert. Der Flughafen Bremen sei in der Metropolregion Nord-West der einzige internationale Verkehrsflughafen zu den großen europäischen Drehkreuzen und erfülle deshalb eine besondere Funktion in der öffentlichen Daseinsvorsorge, so Staatsrat Tim Cordßen, Aufsichtsratsvorsitzender der Flughafen Bremen GmbH.

Der Standort mit seiner Airport-Stadt habe den Vorteil mit seiner Nähe zum Flughafen, so Klophaus. Was letztlich mit ein Grund für die Ansiedlung von Lieferketten am Standort sei. Die Besonderheit am Bremer Airport sei auch, dass er in seiner Funktion eine Doppelrolle habe – einmal als Verkehrsflughafen für Linien- und Charterflüge sowie als Werksflughafen für den Airbus-Konzern. So etwas gebe es in Europa nur noch in Frankreich in Toulouse. Daraus resultiere auch die hohe ökonomische Bedeutung des Flughafens für die Region.

Hoffen auf Ende der Reisebeschränkungen

Die Perspektiven für den Flughafen seien gut, so Klophaus. Es sei davon auszugehen, dass die Entwicklung in Bremen einen Verlauf nehmen werde, so wie es der Bundesverband der deutschen Luftverkehrswirtschaft in einer aktuellen Szenario-Betrachtung für Deutschland bis 2025 annehme. Danach werde in 2025 wieder das Niveau von vor der Corona-Pandemie erreicht sein. Interessant sei, dass man auch schon 2023 und 2024 nahezu an diese Vorkrisenwerte herankommen werde. Die Betrachtung beruhe auf nachvollziehbaren Grundannahmen – etwa, dass bis Ende 2021 Reisebeschränkungen aufgehoben seien, die Covid-19-Rezession vorbei sei, sich die Wirtschaft in 2022 wieder auf dem Niveau von 2019 und der Flugverkehr im Folgejahr wieder auf Wachstumskurs wie vor Corona bewegten.

Info

Zur Sache

Belastungen durch Luftfahrt

Laut Studie war der Linienluftverkehr am Flughafen Bremen im Jahr 2019 insgesamt mit einer Klimawirkung von 654 Tausend Tonnen Emissionen verbunden, davon 274.900 Tonnen CO2-Emissionen und 379.100 Tonnen Nicht-CO?-Emissionen. Der gesamte Linienluftverkehr des Flughafens hat dadurch 17,25 Millionen Euro Klimakosten verursacht. Bei insgesamt 1,14 Millionen Einsteigern sind das durchschnittliche Klimakosten von 15 Euro pro Einsteiger (Reisender mit Hin- und Rückflug). Bezogen auf ausgewertete 21.300 Flugbewegungen im Linienluftverkehr am Flughafen Bremen im Jahr 2019 entstanden laut Studie pro Flugbewegung durchschnittlich etwa 800 Euro Klimakosten.

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