Black Friday in Bremen

Alle Jahre wieder Schnäppchenzeit

Am Freitag ist es wieder so weit: Viele Kaufhäuser und Geschäfte locken ihre Kunden mit besonderen Angeboten zum "Black Friday" - auch in Bremen. Doch die Aktion hat auch Schattenseiten.
22.11.2018, 20:10
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Alle Jahre wieder Schnäppchenzeit
Von Lisa Boekhoff
Alle Jahre wieder Schnäppchenzeit

Rabattschlacht am Black Friday – auch Bremer Händler machen mit.

Frank Thomas Koch

Dies ist ein schwarzer Freitag für den Einzelhandel. Doch so düster das klingen und an Börsencrashs erinnern mag, die Farbgebung beruht auf Freiwilligkeit. In diesen Tagen laufen in Kaufhäusern, ­Parfümerien und selbst bei Supermärkten Aktionen rund um den Black Friday. Der Trend aus den USA ist längst in Deutschland angekommen. Das beobachtet der Geschäftsführer der City-Initiative Jan-Peter Halves auch für Bremen. „Die Aktionen rund um den Tag werden immer beliebter.“ Die Verbraucher, so Halves, würden „sehr stark auf Rabatte anspringen“.

Sogar ein Countdown ist eingerichtet, der für Bremen die Stunden bis zum großen Ereignis zählt. Dort ist im Einzelnen aufgelistet, wer sich alles an Aktionen zum Black Friday beteiligt. Auffällig ist, dass demnach allein Ketten mit dabei sind. Es gibt die „Black Rossmann Week“, „Black Shopping“ bei Karstadt, Netto feiert eine „Yellow Week“, die Textilkette Engbers hat die Aktion „Spicy Week“, Douglas ist mit einem „Beauty Friday Sale“ dabei, und Ikea wirbt mit den „Black Freudays“. Halves zufolge spielen die großen Ketten tendenziell die Tage tatsächlich mehr. „Das ist dort stärker beheimatet.“

Lesen Sie auch

Doch das Modehaus Ristedt in der Bremer Innenstadt wird am Freitag ebenfalls Rabatt gewähren. Um sich herum sieht Inhaber Ristedt die Aktionen seiner direkten Mitbewerber. Fast jedes Geschäft in der City sei dabei, da will der Unternehmer keine Ausnahme sein. Jens Ristedt ist der Zwiespalt anzumerken. „Ich hätte den Black Friday zwar nicht erfunden. Wir wollen uns da aber der Zeit stellen.“

„Termine, um die man nicht mehr rumkommt“

Das bestätigt den Eindruck von Jan König. Die Händler könnten sich dem Trend nicht mehr entziehen, sagt der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Nordwest zu den Schnäppchentagen. Die Aktionen Black Friday und der Cyber Monday an diesem Montag, bekannt geworden durch das Onlinegeschäft, seien inzwischen immer mehr Kunden und Geschäften vertraut. „Das sind zwei Termine, um die man nicht mehr rumkommt.“ Zugleich seien sie der Auftakt fürs Weihnachtsgeschäft.

Doch der Handelsexperte sieht die Preisschlacht kritisch. Eine Marke werde durch die extremen Nachlässe durchaus entwertet. „Das macht dem Händler das Geschäft kaputt.“ Darunter litten besonders kleine Unternehmen, die mitziehen müssten. Und das könnten nicht alle durchhalten. „Es kommt zu einer schleichenden Auslese.“ Die beiden Tage sieht König als Ausdruck für diese Entwicklung.

Gerade in der Textilbranche werde der Verbraucher „mit Rabatten zugeschüttet“. Der Kunde stelle sich auf die Schnäppchenzeit bereits ein. Anders als früher reglementiert heute kein Gesetz mehr diesen Wettbewerb mit Rabatten. König schließt nicht aus, dass das die Verbraucher abstumpfen lassen könnte. Rabatte würden von der Ausnahme zur Normalität.

Lesen Sie auch

Schon im vergangenen Jahr hat sich Modehändler Jens Ristedt am Black Friday beteiligt. Ob das aus kaufmännischer Perspektive alles immer richtig ist, das sei dahingestellt, meint er. Doch der Markt fordere die Aktion ein. Wegen des langen Sommers seien die Lager in diesem Jahr gut gefüllt. Die Verbraucher könnten nun zuschlagen und gute Angebote aus der Herbst- und Winterkollektion finden. Allerdings: Ristedt will nur dezent im Schaufenster werben. „Wir sind da zurückhaltender.“

Was der Kunde möchte, das ist Jan-Peter Halves von der City-Initiative zufolge aber diese Art Illusion. „Der Verbraucher möchte ein wenig veräppelt werden.“ Natürlich verschenkten die Einzelhändler nichts. Aber die Kunden „lieben eben diese roten Zahlen. Darauf reagiert der Handel.“ Der Einzelhändler sei nicht froh, jedes Mal eine „Kaskade an ­Werbefeuerwerk“ abzuschießen. Doch er müsse mitgehen, um Kunden nicht zu verlieren. Dabei seien Black Friday und Cyber Monday vor fünf Jahren noch ein Geheimtipp gewesen.

Das Einkaufscenter Dodenhof in Posthausen ist nun bereits im dritten Jahr dabei. „Black Sale“ heißt die Aktion hier und dauert fast eine Woche. Da die Marke Black Friday geschützt ist, vermeidet es der Handel, sie für Werbemaßnahmen zu verwenden. Ansonsten drohen Abmahnungen. Daher kommen die Vielfalt der Namen und die unterschiedliche Dauer der Aktionen.

Kunden erwarten in allen Geschäften Angebote

Dodenhof müsse als großes Einkaufshaus und Onlinehändler mitmachen, sagt Sprecherin Michaela Strube. Die Kunden erwarteten in allen Geschäften Angebote. „Wir wollen diese Welle nutzen.“ Allerdings müssten wegen des Wettbewerbs eben echte Schnäppchen geboten werden, um die Verbraucher anzuziehen – am besten ein Event. Am Freitag eröffnet deshalb der Weihnachtsmarkt bei Dodenhof. Schon längst läuft in Posthausen das Geschäft zum Fest. „Wir stellen fest, dass die Kunden immer früher nach Geschenken gucken.“

In den nächsten Wochen gelte es, immer wieder Inspirationen für deren Kauf zu setzen. Zusammen werden 2,4 Milliarden Euro am Black Friday und Cyber Monday umgesetzt und damit 15 Prozent mehr als 2017, prognostiziert der Handelsverband Deutschland.

Lesen Sie auch

Aber warum heißt es überhaupt Black Friday? Dazu gibt es mehrere Erklärungen – etwa eben die von Menschen schwarz gefüllten Einkaufsstraßen. Der Schnäppchentag ist in den USA entstanden, weil am Freitag nach Thanksgiving traditionell Weihnachtsgeschenke organisiert werden.

Der Geschäftsführer des Handelsverbandes Nordwest, Jan König, rechnet für das Weihnachtsgeschäft in Bremen insgesamt mit einem Umsatzplus. Wenngleich der Umfrage der Hochschule FOM zufolge das Budget der Bremer zumindest nach deren Aussage mit 402 Euro in diesem Jahr etwas kleiner ausfallen soll.

Jan-Peter Halves von der City-Initiative erwartet ebenfalls ein erfolgreiches Geschäft aufgrund der guten Konjunktur mit einem hohen Beschäftigungsgrad. Hinzu komme, dass einige Baustellen inzwischen wieder aufgelöst seien. „Die Besucher erreichen die Bremer Innenstadt nun wieder leichter. Das merken wir deutlich.“

Die Spitzentage im Geschäft zum Fest sind dann alljährlich am zweiten und dritten Adventswochenende. Die Schnäppchenzeit hat also gerade erst begonnen.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+