Industrie-Club Bremen Amtierender Präsident gewinnt Kampfwahl

Die Rebellion im Industrie-Club Bremen hat bei der Vorstandswahl am Donnerstagabend vorerst ein Ende gefunden. Eine Gruppe von fünf Herausforderern hat eine Schlappe erlitten.
15.06.2017, 20:41
Lesedauer: 4 Min
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Amtierender Präsident gewinnt Kampfwahl
Von Florian Schwiegershausen

Die Rebellion im Industrie-Club Bremen hat bei der Vorstandswahl am Donnerstagabend vorerst ein Ende gefunden. Sowohl Präsident Günther W. Diekhöner wurde in seinem Amt bestätigt, als auch die restlichen sieben Vorstandsmitglieder. Damit muss sich Diekhöners Gegenkandidat André Dillinger zusammen mit den anderen vier Personen aus seinem Team geschlagen geben. Allerdings wurde Thomas Gewecke neu in den Vorstand gewählt, der Prokurist beim Versicherungsmakler Atermann König & Pavenstedt ist.

Nach der Wahl sagte Diekhöner, der hauptberuflich Geschäftsführer der Technologieberatung „DD – Die Denkfabrik“ ist, dem WESER-KURIER : „Die Demokratie hat gesiegt. Und nun gehen wir mit Schwung in die neue Amtszeit und sind jederzeit offen für neue Ideen. Dabei wollen wir jeden mitnehmen.“ Dabei sei aber eben auch Vertrauen die Basis der Zusammenarbeit. Aber man sei offen für Vorschläge, wenn diese „ehrlich und konstruktiv“ seien.

Kandidatur in letzter Minute

Doch fast hätte es an diesem Abend auch nicht zur Wahl kommen können. Denn gleich zu Beginn stellte Jens Emigholz, der Bruder von Handelskammer-Präses Harald Emigholz, den Antrag, die Wahl des Präsidenten und des Vorstands von der Tagesordnung zu nehmen, um sie zu verschieben. Dadurch hätten die Mitglieder des Industrie-Clubs mehr Zeit, sich mit dem Programm der Kandidaten auseinander zu setzen. Dieser Antrag wurde jedoch mehrheitlich abgestimmt. Er erhielt nur 14 Ja-Stimmen, was zu wenig war.

Bereits vor der Mitgliederversammlung war nicht sicher, wer bei der Kampfabstimmung gewinnen würde. Denn der 44 Jahre alte André Dillinger, Gründer und Gesellschafter des Consulting-Unternehmens Dillinger Witte & Partner, hatte sich zusammen mit den vier anderen Kandidaten etwa zwei Wochen vor dem Wahltermin zum letztmöglichen Zeitpunkt aufstellen lassen.

Am Donnerstagabend trat er auch als Sprecher des Teams auf. Der Kreis der fünf Gegenkandidaten kennt sich zum Teil von den Wirtschaftsjunioren Bremen. Dabei handelt es sich um den Juniorenkreis der Handelskammer Bremen. Neben Dillinger sind das die Personalberaterin Cornelia Hopp, der Wirtschaftsanwalt Markus Klindwort, der Kommunikationsberater Frank Künneke sowie die Geschäftsführerin Maren Schulz.

Patenschaften für Neumitglieder

Sie wollten den Industrie-Club modernisieren. Es gehe um neue Veranstaltungen und bessere Möglichkeiten des Netzwerkens, wie sich die Mitglieder des Vereins besser untereinander kontakten können – sei es branchen- oder themenspezifisch. Fragen dazu ließen die Kandidaten am Abend zum Teil aber unbeantwortet. Eine weitere Idee Dillingers waren Patenschaften für Neumitglieder: Ein alteingesessenes Mitglied solle ein neues Mitglied unter die Fittiche nehmen.

Nach ihrer Nominierung hatten sie sich auch per Post und E-Mail an die anderen Mitglieder gewandt und sich vorgestellt. Enthalten waren ihre Lebensläufe und die Ziele, was sie im Club verändern wollen. Dabei verwendeten sie auf ihrem Schreiben das Logo und die Marke des Industrie-Clubs Bremen. Dies sei ohne Kenntnis und Einverständnis des Vorstands erfolgt, wie Präsident Diekhöner wiederum in seinem Schreiben Anfang dieser Woche den Mitgliedern mitteilte.

Laut Diekhöner sei das auch alles am Vorstand vorbei „lanciert“ worden. Von wem Gegenkandidat André Dillinger den Post- und den E-Mail-Verteiler dazu erhalten hatte, blieb bisher unklar. Dillinger sagte über die Kandidatur zuvor im WESER-KURIER: „Das ist eben ein demokratischer Prozess.“

„Unhanseatisches“ Vorgehen

Einige anwesende Mitglieder äußerten am Abend ihren Unmut über das Vorgehen Dillingers und seiner vier Mitstreiter und bezeichneten es als „unhanseatisch“. So hatte es auch der alte und neue Präsident vor der Wahl genannt. Auch dem WESER-KURIER sagte Diekhöner bezüglich der plötzlichen Gegenkandidaten: „Das ist natürlich ein demokratischer Prozess. Aber hanseatisch ist das nicht.“

Außerdem sagte Diekhöner: „Man hätte doch mit mir reden können.“ Von unzufriedenen Mitgliedern habe er nie etwas gehört. Auf Veranstaltungen hätten ihn die Mitglieder ja ansprechen können zwecks neuer Anregungen und Ideen. Vor der Wahl verwies Diekhöner in einem Schreiben an die Mitglieder, dass in seiner bisher sechsjährigen Amtszeit die Zahl der Mitglieder um 15 Prozent angestiegen sei.

Der Saal des Industrie-Clubs nahe dem Bremer Marktplatz ist eigentlich auf 100 Personen ausgelegt. Bei Wahlen und Veranstaltungen hat der Raum eigentlich immer ausgereicht. Doch am Donnerstagabend platzte er aus allen Nähten. Ein derartiges Interesse für die Vorstandswahl hat es so noch nie gegeben. Es war auch das erste Mal in der 36-jährigen Geschichte des Vereins, dass es einen Gegenkandidaten gegeben hat. Die Mitglieder stammen mehrheitlich aus der Industrie und industrienahen Bereichen. Regelmäßig lädt der Verein zu Veranstaltungen ein mit Gastrednern aus Industrie und Politik. Tradition ist inzwischen auch das Roland-Essen jedes Jahr im November im Bremer Rathaus.

Der Vortrag am Donnerstagabend von Dirk Schwampe, dem geschäftsführenden Gesellschafters vom Team Neusta, geriet fast zur Nebensache. Das Thema lautete „Die Bedrohung bisher erfolgreicher Geschäftsmodelle durch disruptive Veränderungen.“ Zu disruptiven Veränderungen ist es beim Industrie-Club Bremen am Donnerstagabend also nicht gekommen. Der Vorstand kann nun nach vorn schauen – und die steife Brise von vorn aus den letzten Tagen in frischen Wind zugunsten des Vereins umwandeln.

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