Hilfe für Lehrstellen

Anschub für die Ausbildung

Schon vor Corona war es in Bremen ein Problem, dass es nicht genug Ausbildungsplätze gibt. Wegen der Krise hat sich das verschärft. Verschiedene Programme sollen gegensteuern.
12.01.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Anschub für die Ausbildung
Von Lisa Boekhoff

Frank Hafke bereut die Entscheidung nicht. Im Gegenteil. Im vergangenen Jahr hat der Installateur und Heizungsbauer zwei Auszubildende eingestellt – und damit erstmals Lehrstellen angeboten. Und der gute Eindruck der beiden Bewerber hat sich bestätigt. Der Chef ist zufrieden mit dem Nachwuchs. Der ist dringend nötig. Händeringend hatte Hafke nach einem Installateur für seinen kleinen Betrieb gesucht, weil die Aufträge dafür da waren. „Das kannste vergessen“, sagt Hafke. Darum sagte er sich schließlich, dass er eben selbst ausbilden muss.

Alles gut? Eine Sache ist ein bisschen schiefgelaufen. Für einen der Ausbildungsplätze hoffte Hafke auf eine Förderung des Bundes. In seinem Unternehmen spürte er ebenfalls Corona und stellte einen entsprechenden Antrag auf Hilfe bei der Arbeitsagentur. Doch für das Programm „Ausbildungsplätze sichern“, das Unternehmen in der Krise bei der Lehre unterstützen soll, war Hafke nicht betroffen genug. Kurzarbeit gab es bei ihm nicht. „Das kann ich nachvollziehen“, sagt er zur Absage.

Allerdings bekam Hafke von der Handwerkskammer dann den Hinweis auf die Bremer Förderung namens „Chance betriebliche Ausbildung“. Die Hilfe gibt es für Unternehmen mit bis zu 100 Mitarbeitern, wenn sie jungen Menschen mit einer Lehrstelle eine Chance geben, die es bisher schwer hatten. Zudem erhält die Unterstützung jetzt auch, wer einen zusätzlichen Ausbildungsplatz schafft – wie im Fall von Hafke. Die Voraussetzungen sind gelockert worden. Doch der Hinweis kam für den Installateur zu spät.

Der Ausbildungsbeginn verzögerte sich in den November hinein. Bewerber und Betrieb wollten sich zunächst noch mit einem Praktikum vergewissern, ob es mit der Zusammenarbeit passt. Irgendwann musste es schnell gehen mit der Unterzeichnung des Vertrags – auch wegen der Berufsschule. Doch um von der Förderung zu profitieren, muss der Antrag vor der Unterzeichnung des Lehrvertrags bewilligt werden. Hafke ärgert sich, dass an dieser Regel festgehalten und keine Ausnahme gemacht wird, weil es um einen Nachzügler ging.

Hilfsprogramme gelockert

Die Regel ist jedoch gesetzt. „Das schreibt die Bremische Landeshaushaltsordnung vor. Maßnahmen jeglicher Art dürfen vor Antragstellung noch nicht begonnen werden. Es sei denn, es wird ein vorzeitiger Maßnahmenbeginn beantragt“, erklärt die Sprecherin im Wirtschaftsressort Kristin Viezens das Prozedere. Die Höhe der Förderung liegt zwischen 3000 und 5000 Euro – je nach Höhe der Ausbildungsvergütung. Die Ausbeute des bereits seit Jahren bestehenden Programms ist im vergangenen Jahr jedoch überschaubar gewesen. Insgesamt 20 Ausbildungsverhältnisse sind mit dieser Hilfe entstanden. „In der Tat könnte das Programm besser laufen“, sagt auch Viezens. Wegen Corona befinde es sich derzeit in Überarbeitung, um an die Folgen der Pandemie angepasst zu werden. „Es ist das Ziel das Arbeitsressorts, dass neue Ausbildungsplätze geschaffen werden.“

Keine Unterstützung für seinen Betrieb? „Wir gehen daran nicht pleite“, sagt Hafke dazu. Der Handwerker hatte dabei gar nicht geplant, gleich zwei Lehrlinge einzustellen. Doch er sei von beiden überzeugt gewesen. Einen der Auszubildenden, Ousman Camara, übernahm er im dritten Lehrjahr. Neben Hafke arbeitet noch sein Sohn im Unternehmen. Die Ausbildungsquote fällt nun 50 zu 50 aus. „Ich habe das Richtige gemacht“, sagt er zu Einstellung der beiden Azubis.

In seinem Betrieb lief es vermutlich zu gut. Für andere könnte es dagegen eine neue Chance auf Hilfe aus dem Bundesprogramm geben. Denn auch hier sind die Voraussetzungen erleichtert worden, wie die Bremer Arbeitsagentur unlängst mitteilte. Der Ausbildungsbeginn für das Jahr kann nun demnach bereits früher gewesen sein: ab dem 24. Juni 2020. Lockerungen gibt es zudem beim Ausmaß der Betroffenheit von Corona. Von den beiden Voraussetzungen muss eine erfüllt werden: In der Zeit von Januar bis Dezember 2020 muss entweder ein Monat Kurzarbeit durchgeführt worden sein, alternativ kann die Betroffenheit auch beim Erlösausfall belegt werden. Hier muss der Umsatzrückgang im Zeitraum April bis Dezember 2020 entweder durchschnittlich 50 Prozent in zwei zusammenhängenden Monaten betragen haben oder 30 Prozent in fünf zusammenhängenden Monaten. Wer die neuen Bedingungen erfüllt, muss einen neuen Antrag auf Hilfe stellen – bis Ende März.

Die Agentur für Arbeit Bremen-Bremerhaven hat im Bezirk, also in Bremen, Bremerhaven und dem Landkreis Osterholz, im vergangenen Jahr 391 Ausbildungsverhältnisse innerhalb des Programms gefördert. „Dahinter verbergen sich 170 Fälle der Ausbildungsprämie von 2000 Euro, 192 Fälle mit einer Ausbildungsprämie von 3000 Euro“, teilt Sprecher Jörg Nowag mit. Und in 29 Fällen sei ein Ausbildungszuschuss bewilligt worden, um einen Arbeitsausfall, also Kurzarbeit, bei Azubis zu vermeiden. Die neuen Bedingungen führten dazu, dass noch mehr Unternehmen von der Förderung profitieren.

Die Handelskammer Bremen hätte sich dagegen eine grundsätzlichere Ausbildungsförderung gewünscht – ohne Zusatz der Betroffenheit von Corona. Es sei aufwendig, diese nachzuweisen, sagt der für Ausbildung zuständige Michael Zeimet von der Handelskammer. Das schrecke Unternehmen vielleicht ab.

Weitere Informationen

Zum Bundesprogramm "Ausbildungsplätze sichern“ gibt es im Internet weitere Informationen. Zuständig für das Landesprogramm "Chance betriebliche Ausbildung" ist das Bremer Wirtschaftsressort.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+