Start-ups zu Gast in Bremen App zeigt Lkw-Fahrer in 24 Sprachen den Containerstellplatz

Mit einer App sollen Lkw-Fahrer Zeit sparen, wenn sie Container ins Terminal fahren. Wie acht Start-ups mit ihren Ideen die Logistik verbessern wollen, haben sie im Campus-Space der Sparkasse Bremen gezeigt.
23.09.2022, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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App zeigt Lkw-Fahrer in 24 Sprachen den Containerstellplatz
Von Florian Schwiegershausen

Sie sehen ein Problem und wollen es lösen. In der Logistik gibt es viele Dinge, die "man immer schon so gemacht hat", und die man besser machen kann. So ist es auch bei Felix Paul Czerny und Markus Hartung. Dabei sind die beiden, die sich von der Uni Nürnberg-Erlangen kennen, branchenfremd. Czerny, ein gebürtiger Franke, erzählt mit entsprechendem Zungenschlag von seinem Besuch am Containerterminal in Nürnberg: "Da wunderte ich mich über die Schlange, in der Lkw-Fahrer mit Papieren in der Hand standen." Sie wollten entweder einen Container ins Terminal bringen oder einen abholen. Also sagten sich Czerny als Betriebswirt und Hartung als Informatiker, dass das doch besser gehen muss. Nun haben sie eine App für Lkw-Fahrer entwickelt – in 24 Sprachen.

Die App hat auf der Startseite nur zwei Punkte zum Anklicken: Abliefern und abholen. Damit sollen sich die Fahrer die Zeit der manuellen Abfertigung und der Zettelwirtschaft sparen. Die App lotst im Terminal den Fahrer genau dorthin, wo er den Container abstellen soll, oder wo er einen aufnehmen soll. Alle notwendigen Dokumente sind in der App und in der Web-Lösung, die dahinter steckt, hinterlegt. Die Entwickler sagen, dass sich Conroo an jedes Terminal-Operations-System integrieren lässt.

Zugbegleiter wählt Firmennamen aus

Auf den Namen Conroo kamen sie während einer Zugfahrt. Hartung: "Wir hatten mehrere Namen zur Auswahl, dann kam der Zugbegleiter, um die Tickets zu checken. Wir fragten ihn dann, welcher Name ihm am besten gefällt. Er entschied sich für Conroo. Einige Minuten später kam er extra nochmals zurück und sagte, dass Conroo ganz klar der beste Name sei." Für diejenigen, die sich den Namen nicht sofort merken können, fügt Czerny als Eselsbrücke hinzu: "Es könnte auch die fränkische Aussprache für Känguru sein."

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Ihre Firma haben sie erst im vergangenen Jahr gegründet. An 13 Bahnterminals wird bereits mit der Lösung von Conroo gearbeitet. Mit zehn Beschäftigten sitzt die Firma inzwischen in Nürnberg, München und Duisburg. Perspektivisch kann sich Czerny aber vorstellen, dass auch irgendwann im Norden ein weiterer Standort hinzukommt. Zusätzliche Mitarbeiter sollen auch bald hinzukommen.

Logistik-Veranstaltung nach Bremen gelotst

Andreas Jahnke, bei der Unternehmensberatung Accenture Geschäftsführer für den Bereich Fracht und Logistik, lobte die jungen Unternehmer: "Mit Eurer Lösung wäre ein Hamburger Hafen vielleicht nicht so vollgelaufen." Accenture hat neben Conroo noch andere sieben andere Logistik-Start-ups nach Bremen eingeladen. Eigentlich war die Veranstaltung ganz am Anfang für Frankfurt am Main zusammen mit Bundesvereinigung Logistik geplant. Aber der Accenture-Managing-Partner Sarat Maitin warb als Bremer dafür, dass ein solches Event doch in Bremen stattfinden sollte. Nach interner Klärung und einem kurzen Gespräch mit Sparkassen-Vorstand Thomas Fürst war klar, dass der Veranstaltungsort der neue Campus-Space im Verwaltungsgebäude der Sparkasse am Technologiepark sein wird. Hier hat die Unternehmensberatung die Start-ups mit gestandenen Unternehmen wie der Otto-Group oder der Lufthansa zusammengebracht, damit sie sich austauschen. Accenture selbst ist übrigens an 24 Start-ups beteiligt.

Andere noch junge Unternehmen zeigten, wie sie die Paketlogistik und die Warenhaussysteme besser machen wollen. Die Firma Noyes Tech aus München installiert zum Beispiel in jeden kleinen Raum ein Mini-Warenlager. Das Baukastensystem lässt sich beliebig erweitern und ist für jede beliebige Ware einsetzbar. Mini-Roboter holen das gewünschte Paket aus der richtigen Ecke. Der Geschäftsführer und Mitgründer Marco Prüglmeier hat mehrere Jahre in der Automobilindustrie gearbeitet und sieht das Mini-Warenlager als gute Ergänzung, um Stadtteile mit Waren zu versorgen.

Die Filiale vor Ort stärken

Mit der Idee von Charry aus München soll der stationäre Handel gestärkt werden. Denn wenn ein Kunde etwas im Internet bei einer Modekette bestellt, erhält der Verbraucher das dezentral aus einer Filiale statt aus einem zentralen Lager von der grünen Wiese. Charry holt die Ware aus der Filiale heraus und kümmert sich um den Versand. Die Beschäftigten in der Filiale müssen sich um nichts kümmern.

Ducktrain aus Aachen kümmert sich wiederum um Lieferungen auf der mittleren und der letzten Meile. Bis zu fünf Anhänger mit Elektroantrieb lassen sich hintereinander hängen. Später sollen diese Anhänger auch autonom fahren. Geschäftsführer und Mitgründer Kai Kreisköther sagt: "Auf der mittleren Meile machen autonome Fahrten Sinn, auf der letzten Meile glauben wir aber, dass es da auch weiterhin Zusteller geben wird, die an der Haustür klingeln."

"Logistik muss neue Ideen auch leben"

Der BVL-Vorstandsvorsitzende Thomas Wimmer war über all die Ideen der jungen Unternehmer ganz angetan. Stephan Oelker vom Bremer Institut für Produktion und Logistik war auch eingeladen und sagte über die Innovationen der Start-ups: "Von dem, was die hier heute präsentiert haben, gibt es von anderen schon ähnliche Lösungen. Aber diese Lösungen müssen von den Logistikunternehmen auch gelebt werden."

Die jungen Unternehmer wiederum waren von Bremen angetan. Conroo-Gründer Czerny sagte: "Also ich habe ja eine Banklehre bei der Sparkasse Mainfranken Würzburg gemacht. Als ich auf der Einladung als Veranstaltungsort Sparkasse Bremen las, wusste ich nicht so recht, was uns hier erwartet. Aber die Räumlichkeiten hier im Campus-Space sind großartig. Damit habe ich überhaupt nicht gerechnet, weil man da ja doch eher klassische Vorstellungen hatte."

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