Einschätzungen von Appelrath Cüpper und Zero Bremer Modehändler befürchten große Umbrüche: „Es wird weitere treffen“

Mehrere Modeketten stecken in der Insolvenz. Appelrath Cüpper und die Bremer Modekette Zero haben das erfolgreich hinter sich gebracht. Wie sehr trifft sie die Corona-Krise?
04.02.2021, 21:30
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Bremer Modehändler befürchten große Umbrüche: „Es wird weitere treffen“
Von Florian Schwiegershausen

Eigentlich wäre jetzt die zweite Woche des inoffiziellen Winterschlussverkaufs – wenn die Modegeschäfte geöffnet hätten. Doch statt Schlussverkauf steht so manche Modekette vor dem endgültigen Schluss. Erst vor wenigen Wochen hat Adler Insolvenz in Eigenregie beantragt. Es heißt aber, dass der Betrieb der Geschäfte weiterlaufen soll – wenn sie dann irgendwann nach Ende des Lockdowns wieder öffnen dürfen. Die insolvente französische Modekette Pimkie will in Deutschland 40 ihrer 75 Geschäfte schließen und hat Anfang der Woche auch in Österreich Insolvenz beantragt. Die Kette Hallhuber befindet sich im Schutzschirmverfahren und hat aktuell alle Beschäftigten frei gestellt.

Was diese Modehändler gerade durchmachen, hat Appelrath Cüpper dagegen hinter sich. Das Modehaus mit Stammsitz in Köln hat die Insolvenz in Eigenverwaltung mitten im Lockdown Anfang Januar erfolgreich beendet. Der Bremer Standort in der Obernstraße bleibt erhalten. Geschäftsführer Lothar Schäfer sagte dem WESER-KURIER: „Ich befürchte aber, dass in der Branche noch weitere folgen werden.“

Bei Appelrath Cüpper geht es auch durch einen neuen strategischen Investor weiter. Peter Graf ist Besitzer der österreichischen Kette Kleider Bauer. Es scheint eine gute Ergänzung zu sein, wie Schäfer sagt: „Er kennt das Geschäft sehr gut und es ergeben sich Synergie-Möglichkeiten – sei es beim Einkauf, bei der Warenbeschaffung bis hin zur IT.“

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Einfach ist es laut Schäfer, der früher bei Adler tätig war, auch nicht, wenn man aus einer Insolvenz direkt in den Lockdown gehe: „Das ist für uns genauso schwierig und kritisch wie für alle anderen Händler.“ Es komme kein Geld in die Kassen. „Unser Onlinegeschäft ist ein kleines Pflänzchen“, stellt der Geschäftsführer fest. Zehn Prozent liege hier der Anteil am Gesamtumsatz, während die Gesamtkosten für Miete, Energie und Versicherung weiterlaufen. Gleichzeitig lasse die Corona-Überbrückungshilfe III weiter auf sich warten.

Wovon Appelrath Cüpper laut Schäfer nun profitiert: „Wir haben vorhandene Mietverträge neu verhandelt, sodass wir mit diesen für uns besseren Konditionen profitabler arbeiten können.“ Das helfe aber auch jetzt im Lockdown nicht, weil die Modekette für ihre bundesweit 16 Häuser keine Mieten verhandeln konnte, die sich am Umsatz orientieren. Den Schlussverkauf versucht der Händler nun bestmöglich über das Internet zu organisieren. „Dabei sind auch unsere Häuser vor Ort eingebunden, von dort verschicken wir im Idealfall die bestellte Ware“, erläutert der Geschäftsführer.

Es gelte, auf Sicht zu fahren und schnell zu reagieren: „Wenn es irgendwann wieder losgeht, wissen wir ja auch noch nicht, wie. Da kann man überhaupt nichts planen. Wir wissen ja noch nicht mal, ob wir nun am ersten März öffnen können.“ Es sei auf der anderen Seite keine Lösung, alle paar Wochen zu öffnen und zu schließen.

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Bremer Modehändler Zero profitiert von Investitionen ins Digitale

Bei der Bremer Modekette Zero mit Sitz in der Überseestadt ist die Insolvenz fast fünf Jahre her. Die beiden Geschäftsführer Urs-Stefan Kinting und Viktor Seuwen übernahmen den Modehändler 2018. Kinting sagt: „In den vergangenen Jahren hat das Unternehmen viel in die Digitalisierung und die Logistik investiert. Das kommt uns jetzt zugute.“

Aktuell arbeiten 80 Prozent der Beschäftigten im Homeoffice. Die restlichen 20 Prozent sind aus dem Designbereich und arbeiten vor Ort in zwei Teams – verteilt auf die Gesamtfläche. Dabei hält die Modekette wie sonst auch daran, fest, dass jeden Monat eine neue Kollektion erscheint.

Doch Zero mache der Lockdown ebenso schwer zu schaffen, wie Kinting zugibt: "Unser stationärer Handel leidet, genauso unsere Großhändler. Auf der anderen Seite sehen wir eine deutlich positive Entwicklung im Onlinegeschäft. Dennoch warten wir sehnlichst darauf, dass wir wieder öffnen dürfen.“

Die effizienteren Online-Prozesse seien nun ein Vorteil: "Aber die Situation schön zu reden, hilft nicht. Genau so wenig hilft es, zu jammern.“ Entsprechend sagt Kinting abschließend: „Wenn der Lockdown zur Folge hat, dass die Digitalisierung in Deutschland konsequenter vorangetrieben wird, kann man der Situation zumindest etwas Positives abgewinnen.“ Er ist sich sicher, dass es in der Branche zu Umbrüchen kommen wird.

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