Bremer Unternehmen fordern niedrigere Arbeitskosten Arbeit in Deutschland teurer

Bremen. Die Wirtschaftskrise hat die Arbeit in Deutschland teurer gemacht. Für den Anstieg ist das im vergangenen Jahr vielfach genutzte Instrument der Kurzarbeit verantwortlich. Viele Bremer Unternehmervertreter fordern deshalb eine Entkopplung von Lohn- und Arbeitskosten.
31.03.2010, 04:10
Lesedauer: 3 Min
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Von Günther Hörbst

Bremen. Die Wirtschaftskrise hat die Arbeit in Deutschland teurer gemacht. Eine geleistete Arbeitsstunde kostet die Unternehmer in der Privatwirtschaft im Schnitt 30,90 Euro. Für den Anstieg ist das im vergangenen Jahr vielfach genutzte Instrument der Kurzarbeit verantwortlich. In nur sechs der 27 EU-Staaten sind die Arbeitskosten laut Statistischem Bundesamt stärker gestiegen als in Deutschland.

Viele Unternehmer haben wegen der geringeren Nachfrage ihre Produktion gedrosselt, Überstunden reduziert und auf Kurzarbeit gesetzt, um das Stammpersonal halten zu können. Da die Belegschaft aber in der Krise nicht mehr so viel gearbeitet hat wie zuvor, stiegen die Kosten pro Arbeitsstunde. Davon war Bremen stärker betroffen als andere Bundesländer. Im Jahresschnitt 2009 waren in der Hansestadt nach Angaben der Arbeitsagentur Bremen 14327 Mitarbeiter in 423 Betrieben in Kurzarbeit.

Zum Vergleich: Im Jahr 2008 haben in Bremen 441 Mitarbeiter in 35 Betrieben kurzgearbeitet. Die Kurzarbeiterquote betrug 0,3 Prozent. 2009 stieg die Quote dann auf 5,6 Prozent. Damit lag Bremen deutlich über dem Bundesdurchschnitt mit einer Quote von 3,9 Prozent. 'Die Arbeitskosten sind deshalb auch immer wieder ein Thema in der Bremer Wirtschaft', sagt Stefan Offenhäuser von der Handelskammer Bremen. 'In einer aktuellen Umfrage unter exportorientieren Unternehmen in Deutschland gaben 24 Prozent die Arbeitskosten als ein Risiko für die Erholung der Konjunktur an.'

'Druck auf Arbeitskosten'

'Verantwortungsbewusste Lohnabschlüsse bleiben eine wichtige Voraussetzung, damit im kommenden Aufschwung wieder schnell neue Arbeitsplätze entstehen können', sagt auch der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages DIHK, Hans Heinrich Driftmann, dieser Zeitung. 'Das zeigt auch unsere aktuelle Umfrage: Danach sieht jedes vierte Unternehmen in der Lohnzurückhaltung eine wichtige Bedingung, um im Aufschwung neue Jobs schaffen zu können.' Für fast jedes zweite Unternehmen seien die Sozialbeiträge ein Hindernis für mehr Beschäftigung. Da auch Mindestlöhne die Arbeitskosten steigerten, dürften deren negative Beschäftigungseffekte nicht aus dem Blick geraten: 'Wir dürfen jetzt nicht die Wettbewerbsvorteile verspielen, die wir uns in den letzten Jahren erarbeitet haben.'

Unter den Begriff Arbeitskosten fallen die gezahlten Bruttolöhne einschließlich der Lohnnebenkosten. Darunter versteht man in Deutschland wiederum die Beiträge zur Sozialversicherung, also Renten-, Arbeitslosen-, Kranken- und Pflegeversicherung, sowie die Altersvorsorge der Betriebe. Diese Lohnnebenkosten liegen laut den Zahlen der Statistiker im EU-Vergleich jedoch unter dem EU-Durchschnitt von 36 Euro pro 100 Euro Bruttolohn. In Deutschland fallen im Schnitt 32 Euro Lohnnebenkosten an. Die höchsten Lohnnebenkosten zahlen Firmen in Frankreich (50 Euro), die niedrigsten jene in Malta (9 Euro).

Cornelius Neumann-Redlin, Hauptgeschäftsführer der Unternehmensverbände Bremen, fordert die Politik auf, die Arbeitskosten vom Lohn weiter zu entkoppeln. 'Die Krise hat gezeigt, dass die Firmen jene Kosten an einer Arbeitsstunde, die sie beeinflussen können, in vernünftiger Weise gesenkt haben', sagt er. 'Schwierig wird es mit den vom Gesetzgeber festgelegten Kosten wie den Sozialbeiträgen.' Da müsse möglichst bald mehr Flexibilität geschaffen werden, um 'weitere Gefahren für die Arbeitskosten zu verhüten'.

Für Klaus Ziegler, Geschäftsführer des Bremer Handelsunternehmens Haseco-Zöger, sind die Personalkosten der größte Kostenfaktor. Deshalb ist für ihn auch das Thema Lohnnebenkosten ein wichtiger Faktor. Er ist jedoch der Ansicht, dass diese Kosten nicht nur im Sinne der Arbeitgeber, sondern auch im Interesse der Arbeitnehmer sinken müssten. 'Vor allem für Geringverdiener ist das eine große Belastung', sagt Ziegler. 'Diese Lohngruppen zahlen kaum Lohnsteuer, doch die Abzüge bei der Sozialversicherung machen sich meist sehr deutlich bemerkbar.'

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