Studie der Arbeitnehmerkammer Bremen

Wenig Unterstützung bei Weiterbildungen

Die Studie "Koordinaten der Arbeit" der Arbeitnehmerkammer Bremen zeigt, dass sich viele Arbeitnehmer weniger gewertschätzt fühlen und sie wenig Unterstützung bei Weiterbildungen erhalten.
10.09.2021, 16:03
Lesedauer: 2 Min
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Von Lucas Brüggemann
Wenig Unterstützung bei Weiterbildungen

Die neueste Studie der Arbeitnehmerkammer Bremen ist ein Stimmungsbild der Bremer Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen: Arbeitnehmer im Gesundheitsbereich fühlen sich weniger wertgeschätzt und viele Bremer werden von ihren Arbeitgebern nicht bei Weiterbildungen unterstützt.

Christina Kuhaupt

Corona hat die Arbeitswelt in Bremen nachhaltig beeinflusst. Das geht aus der aktuellen Studie "Koordinaten der Arbeit" der Bremer Arbeitnehmerkammer hervor. Besonders in den Gesundheitsberufen, in der Lebensmittel- sowie in der Gastgewerbebranche hat sich die gesellschaftliche Wertschätzung gegenüber den Beschäftigten durch die Pandemie verändert, wie die Studie zeigt. Während sich die Beschäftigten in der Lebensmittelbranche und im Gastgewerbe stärker wertgeschätzt sehen als vor der Pandemie, sieht es bei den Beschäftigten im Gesundheitssektor gegenteilig aus. 54 Prozent der Befragten aus diesem Bereich sind zufrieden mit der Anerkennung, die ihnen entgegengebracht wird. Bei der letzten Befragung 2019 waren es noch 60 Prozent. Das ist der niedrigste Wert aller in der Studie erfasster Berufsgruppen.

"Dass sich insbesondere die Kolleginnen und Kollegen im Gesundheitswesen noch weniger anerkannt fühlen als vor der Pandemie, ist ein trauriger Befund", stellt Ingo Schierenbeck, Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammer Bremen, fest. Auch die Zufriedenheit mit dem Gehalt liegt im Gesundheitswesen unter dem Durchschnitt. Die Belastungen durch die Corona-Pandemie hätten sich im Gesundheitswesen weiter erhöht, sagt Schierenbeck. Er fordert deshalb: "Jetzt muss es darum gehen, die durch die Krise deutlich erkennbaren Fehlentwicklungen anzugehen: Beschäftigte in medizinischen und Gesundheitsberufen brauchen bessere Arbeitsbedingungen und bessere Löhne."

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Die Studie zeigt außerdem, dass der Home-Office-Anteil bei den Bremer Arbeitnehmern durch die Pandemie stark zugenommen hat. Etwa 40 Prozent nutzen die Möglichkeit, von zu Hause zu arbeiten, doppelt so viele wie bei der letzten Befragung vor zwei Jahren. In diesem Zusammenhang wurden auch Veränderungen im Aufgabenzuschnitt und in der Arbeitsorganisation und Druck durch die Digitalisierung deutlich gemacht. Ein Großteil der rund 3000 Befragten gab an, Fähigkeiten und Kompetenzen aufgrund von technischen Neuerungen ständig weiterentwickeln zu müssen. Dass die Zahl der gleichzeitig zu bearbeitenden Aufgaben zugenommen hat, gaben 65 Prozent der Befragten an.

Was die Kompetenzentwicklung und Weiterbildung anbelangt, deckt die Studie auf, dass viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Bremen von ihren Arbeitgebern nicht unterstützt werden. Knapp die Hälfte der Arbeitnehmer in Vollzeit schätzt ihre Chancen auf eine Weiterbildung als gering oder sehr gering ein, wobei man hier nach Branchen unterscheiden muss: In der IT-Branche und in vielen Dienstleistungsberufen sehen die Arbeitnehmer gute Chancen, während nur wenige Arbeitnehmer in Reinigungsberufen oder in der Logistik diese Ansicht teilen. Zudem verringert sich die Weiterbildungsunterstützung seitens der Betriebe mit zunehmendem Alter. Knapp 61 Prozent der Arbeitnehmer zwischen 55 und 69 Jahren werden von ihren Arbeitgebern unterstützt, wenn sie sich fortbilden wollen, während bei den jüngsten Befragten mehr als zwei Drittel Unterstützung erfahren. Insgesamt würden 40 Prozent der Arbeitnehmer mit Weiterbildungsbedarf keine Unterstützung bekommen, heißt es in der Studie.

"Das ist für die Unternehmen immer eine Kosten-Nutzen-Analyse, weil eine Weiterbildung immer auch eine Investition ist", sagt Marion Salot, Referentin für Wirtschaftspolitik bei der Arbeitnehmerkammer. So seien Arbeitgeber eher bereit, ihre Beschäftigten bei Weiterbildungen zu unterstützen, wenn sie selbst auch etwas davon hätten. Ingo Schierenbeck sieht in diesem Bereich Handlungsbedarf, gerade mit Blick auf die Digitalisierung, Corona und die sozialökologischen Veränderungen. "Angesichts dieser Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt braucht das Land Bremen eine breite Qualifizierungsoffensive", sagt er. Hierzu gehöre auch das Recht auf Weiterbildung.

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