Hilfe muss auch bei Beschäftigten ankommen

Bremer Arbeitnehmerkammer fordert mehr Schutz für Arbeitsplätze

Kurzarbeit, Homeoffice, Kinderbetreuung: Die Corona-Pandemie hat 2020 viele Arbeitnehmer belastet. Auch immer mehr Jobs waren zuletzt bedroht, wie die Arbeitnehmerkammer feststellt. Sie fordert bessere Hilfe.
08.01.2021, 12:07
Lesedauer: 2 Min
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Bremer Arbeitnehmerkammer fordert mehr Schutz für Arbeitsplätze
Von Stefan Lakeband

Die Corona-Pandemie hat viele Beschäftigte vor bisher kaum bekannte Probleme gestellt und verunsichert. Dieses Fazit zog Ingo Schierenbeck, Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammer Bremen, am Freitag beim Rückblick auf die Beratungsgespräche im vergangenen Jahr. Zu Beginn der Krise sei es vor allem um die Kurzarbeit, den Hygieneschutz am Arbeitsplatz, das Homeoffice und die Freistellung wegen der Kinderbetreuung gegangen.

In den vergangenen Monaten sei dann ein anderes Thema immer häufiger in der Rechtsberatung der Kammer angesprochen worden: Kündigungen. „Die Förderprogramme für die Unternehmen müssen deshalb auch bei den Beschäftigten ankommen, etwa in einer besseren Absicherung des Arbeitsplatzes“, fordert Schierenbeck. Besonders Frauen hätten wegen der Corona-Pandemie und ihren Folgen häufig Rat bei der Arbeitnehmerkammer gesucht. Schierenbeck führt das darauf zurück, dass sie häufig in den besonders stark beeinträchtigten Branchen wie der Pflege und dem Einzelhandel arbeiten. Im Gastgewerbe und im Verkauf seien zuletzt ebenfalls viele Probleme und Fragen durch die Kurzarbeit aufgetreten – auch das sind Branchen, in denen der Frauenanteil an den Beschäftigten hoch ist.

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Die Kurzarbeit habe in Bremen einen Spitzenwert im April erreicht. Nach Angaben der Kammer waren in diesem Monat 72.000 Beschäftigte – rund ein Fünftel aller Arbeitnehmer – davon betroffen. Die Folge: Im Schnitt gingen die Verdienste in Bremen um 4,9 Prozent zurück. Besonders stark betroffen waren allerdings ungelernte Arbeitnehmer: Sie kamen auf einen Lohnrückgang von fast 15 Prozent. Im abgelaufenen Jahr hat die Arbeitnehmerkammer erstmals in ihrer Geschichte mehr als 100.000 Rechts- und Steuerfragen von Bremerinnen und Bremern beantwortet. Allein im Arbeitsrecht stieg die Nachfrage um knapp 20 Prozent auf 55.635 Beratungen.

Gerade zu Beginn der Pandemie gab es in der Beratung der Kammer mehr Nachfragen zur Einführung von Homeoffice in Unternehmen. Seither haben sich offenbar viele Punkte geklärt – auch über entsprechende Betriebsvereinbarungen. Das Thema nimmt schon länger keinen Schwerpunkt mehr ein, sondern bewegt sich auf einem niedrigen Niveau. Dabei spiegeln die Anfragen die gegensätzlichen Wünsche wider. „Etwa aus Angst vor einer Ansteckung oder wegen der Kinderbetreuung wollen Menschen ins Homeoffice. Genauso viele wollen das aber nicht, weil sie zum Beispiel in einer Einzimmerwohnung leben und ihnen die Decke auf den Kopf fällt oder sie keinen Arbeitsplatz einrichten können“, sagt Kaarina Hauer, Leiterin der Rechtspolitik und -beratung der Arbeitnehmerkammer. In Gesprächen sei auch von der Sorge der Beschäftigten zu hören, den Kontakt zu den Kollegen zu verlieren. Im November arbeiteten laut Umfrage der Hans-Böckler-Stiftung 14 Prozent der Befragten vorwiegend oder ausschließlich im Homeoffice. Im April waren es 27 Prozent der Befragten.

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