36.000 Menschen arbeitslos gemeldet

Arbeitslosenquote in Bremen liegt weiter bei 10 Prozent

Die Zahl der Arbeitslosen im Land Bremen hat sich im Oktober im Vergleich zum Vormonat kaum verändert. Insgesamt ist die Arbeitslosigkeit in Deutschland gesunken, allerdings nur leicht.
30.10.2019, 09:57
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Arbeitslosenquote in Bremen liegt weiter bei 10 Prozent
Von Florian Schwiegershausen
Arbeitslosenquote in Bremen liegt weiter bei 10 Prozent

Abdullah Al-Khuzaie macht eine Einstiegsqualifizierung und danach die Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker.

Handwerkskammer Bremen

Während in Deutschland die Arbeitslosenquote gegenüber dem Vormonat leicht gesunken ist, ist sie in Bremen unverändert geblieben. In Deutschland sank die Quote gegenüber dem September um 0,1 Punkte auf 4,8 Prozent. In der Stadt Bremen blieb die Quote unverändert bei 9,6 Prozent. Damit ist sie aber verglichen mit dem Vorjahr um 0,6 Punkte gestiegen. Damit waren 28.847 Personen in der Hansestadt arbeitslos gemeldet.

Joachim Ossmann, Chef der Arbeitsagentur Bremen-Bremerhaven, sagte zu der aktuellen Entwicklung: „In den Statistikdaten für den Berichtsmonat Oktober zeigen sich erste Bremsspuren auf dem Arbeitsmarkt.“ Normalerweise sei von September zu Oktober die übliche Herbstbelebung zu beobachten, doch in diesem Jahr sei diese in geringerem Umfang durchgeschlagen als erwartet. Außerdem sei zu erkennen, dass sich mehr Menschen, die bisher einen Job hatten, arbeitssuchend gemeldet haben. „Hier gab es Zugänge insbesondere aus der Zeitarbeit.“

Als Grund sieht Ossmann die Lage in der Automobilindustrie: „Hier spüren wir die Verunsicherung, die auch durch das Thema E-Mobilität beeinflusst ist.“ Auch die anhaltende Verunsicherung wegen des Brexits wirkt sich nach Ossmanns Einschätzung aus. Viele Bremer Unternehmen seien nun einmal exportorientiert. Und wenn in der Automobilindustrie Stellen abgebaut werden, trifft es zuerst die Leiharbeiter. „Gleichzeitig konnten weniger Personen ihre Arbeitslosigkeit durch Arbeitsaufnahme beenden.“

Lesen Sie auch

Ein weiteres Anzeichen dafür, dass sich die Konjunktur abschwächt, ist die Zahl der offenen Stellen. Lag im Bezirk der Arbeitsagentur, zu dem neben Bremen und Bremerhaven noch der Landkreis Osterholz gehört, seit Monaten diese Zahl bei mehr als 8000, sank sie nun auf 7948 offene Stellen. Die Zahl der Betriebe mit Kurzarbeit im Bezirk der Bremer Arbeitsagentur lag im September bei sieben. Im August waren es fünf Unternehmen. Hier zeigen sich noch keine Auswirkungen der Konjunktur, Ossmann stellte aber erneut fest: „Die Zahl der Unternehmen, die sich über das Thema Kurzarbeit fragend an uns wenden, nimmt zu.“

Niedersachsen folgt bei der aktuellen Arbeitslosenquote eher dem bundesweiten Trend. Die lag im Oktober bei 4,8 Prozent. Das waren sowohl verglichen mit dem Vormonat als auch verglichen mit dem Vorjahreszeitraum 0,1 Punkte weniger. Damit waren 2,2 Millionen Menschen ohne Job.

Die Bilanz des Ausbildungsjahres zeigt, dass es in Bremen für weniger Auszubildende mehr Stellen gegeben hat. So zeigen es zumindest die Zahlen der Arbeitsagentur. Allerdings wies Arbeitsagentur-Chef Ossmann darauf hin, dass es sich hier um keine vollständige Statistik handele, weil die Unternehmen ihre freien Ausbildungsplätze der Arbeitsagentur nur freiwillig übermitteln. Ebenso sei es jedem Suchenden überlassen, ob er sich bei der Arbeitsagentur meldet oder nicht. Laut Ossmann melden sich aber auch diejenigen, die bei der Suche auf erhöhte Unterstützung angewiesen sind.

Lesen Sie auch

Demnach wurden der Arbeitsagentur in ihrem Bezirk bis September 2019 insgesamt 6092 freie Ausbildungsplätze gemeldet. Das waren 13,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Davon waren Ende September noch 245 Stellen unbesetzt. Das waren 149 weniger als noch vor einem Jahr.

Dem standen 5185 Bewerber gegenüber, die einen Ausbildungsplatz suchten. Das waren 464 Personen weniger als im Vorjahr, was einem Minus von 8,2 Prozent entspricht. Die Handelskammer Bremen registrierte 3692 Ausbildungsverträge – 117 weniger als im Vorjahr, das ist ein Minus von knapp 3,1 Prozent. Die Handwerkskammer verzeichnete dagegen 1096 geschlossene Ausbildungsverhältnisse, was einem Plus von drei Prozent entspricht. Laut Zahlen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit hat sich im Land Bremen die Quote der nicht besetzten Ausbildungsplätze in den letzten fünf Jahren ungefähr verdoppelt.

Laut Arbeitsagentur waren die beliebtesten Ausbildungsberufe die des KFZ-Mechatronikers, des Kaufmanns im Einzelhandel sowie des Kaufmanns im Büromanagement. Diese Berufe stehen seit Jahren bei den Jugendlichen hoch im Kurs.

Die Bremer Arbeitnehmerkammer kritisierte, dass seit Jahren die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage auf dem Bremer Ausbildungsmarkt bestehe. Geschäftsführer Ingo Schierenbeck sagte: „Die angebotenen Lehrstellen reichen schon rein rechnerisch nicht aus.“ Denn in der jetzt vorgestellten Zwischenbilanz der Arbeitsagentur zeige sich eine Lücke. Die Arbeitnehmerkammer rechnet für das Land Bremen vor, dass nur 37 Prozent der Jugendlichen von der Berufsberatung in einen ungeförderten betrieblichen Ausbildungsplatz vermittelt werden konnten: "16 Prozent suchten dagegen bis zum Schluss erfolglos. Insgesamt gingen rund 709 geeignete Bewerberinnen und Bewerber leer aus."

+++ Der Text wurde um 16.03 Uhr aktualisiert +++

Lesen Sie auch

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+