Arbeitsmarkt in der Pandemie

Wieder mehr Bremer in Kurzarbeit

Obwohl weniger Menschen arbeitslos sind, bleibt die Lage in Niedersachsen und der Hansestadt kritisch. Neben positiven Signalen gibt es auch Anzeichen für eine Verschlechterung.
01.12.2020, 10:33
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Stefan Lakeband und Jan-Henrik Petermann

Der Arbeitsmarkt im Land Bremen steht weiter unter Druck. Das geht aus den Daten hervor, die die Agentur für Arbeit Bremen-Bremerhaven am Dienstag veröffentlicht hat. Neben einigen positiven Signalen gibt es demnach auch Zeichen für Verschlechterung.

Wie schon zu Beginn der Pandemie spielte die Kurzarbeit auch im November eine wichtige Rolle, wenn es darum ging, Arbeitslosigkeit zu vermeiden. So haben vergangenen Monat 425 Unternehmen im Land Bremen neu Kurzarbeit bei der Arbeitsagentur angezeigt. In den zwei Monaten zuvor lag dieser Wert unter 100. Armin Zubrägel, Geschäftsführer der Bremer Arbeitsagentur, sieht darin die Folgen des Teil-Lockdowns, der seit November gilt. Vor allem in der Gastronomie komme es wieder verstärkt zu Kurzarbeit.

Wegen der erneuten Einschränkungen entsprächen auch die aktuellen Arbeitslosenzahlen nur bedingt der Realität. Sie zeigen nur den Stand bis zum 11. November an. Der Zeitraum seit Verschärfung der Corona-Maßnahmen umfasst damit lediglich acht Arbeitstage.

So kommt die Agentur für Arbeit auf eine Arbeitslosenquote von 11,3 Prozent im Land Bremen, 0,3 Prozentpunkte weniger als im vergangenen Monat – allerdings auch 0,5 mehr als im November 2019. Es handelt sich dabei um den dritten Rückgang in Folge seit Beginn der Corona-Pandemie. Im Land Bremen waren zuletzt 41 500 Menschen ohne Arbeit.

Stillstand herrscht aktuell bei der Nachfrage nach Arbeitskräften. Laut Zubrägel stag­niert diese insgesamt. Allerdings gebe es große Unterschiede zwischen den verschiedenen Branchen. In der Zeitarbeit, der Logistik und der öffentlichen Verwaltung gebe es aktuell eine „hohe Nachfrage“, ebenso in Baumärkten und Möbelhäusern. „Keine Stellen gibt es hingegen in der Gas­tronomie oder in Einzelhandelsgeschäften, die Bekleidung verkaufen“, sagt Zubrägel. Das hänge mit den veränderten Einkaufsgewohnheiten zusammen: Menschen gingen nun häufiger in den Baumarkt als ins Bekleidungsgeschäft.

Lesen Sie auch

Kaum besser sieht es in Niedersachsen aus. Hier sank die Arbeitslosenquote im November zwar um 0,1 Punkte auf 5,7 Prozent. Verglichen mit dem November 2019 fällt das Ausmaß der anhaltenden Corona-Folgen allerdings weiter deutlich ins Gewicht: In Niedersachsen gab es zuletzt fast 20 Prozent mehr Arbeitslose als vor einem Jahr. Johannes Pfeiffer, Chef der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit, spricht zwar von positiven Signalen. Er warnt aber auch: „Die Entwicklung der Corona-Neuinfektionen führt zur Unsicherheit bei den Beschäftigten und Unternehmen.“

Der Volkswirtschaftsprofessor Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg rechnet damit, dass sich der Arbeitsmarkt trotzdem robust verhalten wird, da die Auswirkungen nicht so gravierend wie im Frühjahr seien. Dazu trügen auch die Hilfen für Unternehmen bei. In der „Süddeutschen Zeitung“ warnt er allerdings vor einer langsamen Erholung: „Wenn das in dieser Geschwindigkeit weitergeht, brauchen wir noch ein paar Jahre, um den Corona-Schock wettzumachen. Der wirtschaftliche Wiederaufschwung löst das Problem womöglich nicht.“ Es könnten bleibende Schäden drohen, etwa dann, wenn junge Schul- und Uni-Abgänger erst mal gar keine Stellen fänden.

Am Dienstag betont Pfeiffer von der Regionaldirektion daher noch einmal, dass man weiter intensiv daran arbeite, Lehrstellen zu vermitteln. „Auch nach dem offiziellen Ausbildungsbeginn haben junge Menschen ohne Ausbildung noch gute Chancen, einen Platz zu finden“, sagt er.

Dass die Zahl der Arbeitslosen zuletzt nicht gestiegen sei, führen die Arbeitgeberverbände Nordmetall und AGV Nord unter anderem auf die Unternehmen der norddeutschen Metall- und Elektroindustrie zurück. „So haben wir zur Stabilität des Arbeitsmarktes im November beigetragen“, sagt Verbandschef Nico Fickinger. Er fordert zugleich Zugeständnisse der Politik. „Absolut kontraproduktiv wären höhere Steuern, vermehrte Bürokratie oder zusätzliche tarifliche Belastungen. Die Politik muss jetzt die richtigen Stopp-Signale setzen: gegen ein Lieferkettengesetz, das praktisch unerfüllbare Nachverfolgungspflichten schafft, gegen weitere Beschränkungen von Werkverträgen und Zeitarbeit, gegen neue Initiativen für einen europäischen Mindestlohn.“

++ Dieser Artikel wurde um 16.33 Uhr aktualisiert. ++

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+