Arbeitsmarkt in Bremen Mit Schwung ins neue Jahr

Seit Monaten sinkt die Arbeitslosenquote in Bremen wieder. Überstanden ist die Pandemie damit aber noch nicht. Was 2021 auf den Bremer Arbeitsmarkt zukommen könnte.
05.01.2021, 19:17
Lesedauer: 3 Min
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Mit Schwung ins neue Jahr
Von Stefan Lakeband

Das vergangene Jahr war in vielen Belangen besonders. Das hat sich vor allem am Arbeitsmarkt gezeigt: 2020 wurde der mehrere Jahre währende Rückgang der Arbeitslosenzahlen gestoppt. Und nicht nur das: Die Zahl der Menschen ohne Arbeit ist sprunghaft nach oben geschnellt. Geht es 2021 so weiter?

Joachim Ossmann, Chef der Bremer Agentur für Arbeit, blickt mit Vorsicht in die Zukunft. Das machte er am Dienstag deutlich: „Die weitere Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt hängt wesentlich davon ab, welche Maßnahmen mit welcher Dauer zur Pandemiebekämpfung noch ergriffen werden müssen.“ Es gebe positive, aber auch negative Signale. Zu Letzteren zählt Ossmann etwa die drohende Zahl an Unternehmensinsolvenzen. Sie sei ein „Unsicherheitsfaktor“, denn noch sei nicht klar, wie sich die Zahlungsfähigkeit vieler angeschlagener Betriebe in den kommenden Monaten entwickle. Zu Beginn der Corona-Krise mussten Unternehmen keine Insolvenz anmelden, wenn sie wegen der Pandemie in Notlage geraten waren. Seit Oktober gilt dies nur noch für überschuldete Unternehmen; zahlungsunfähige Firmen müssen ihre Pleiten wieder bekannt geben. Sollten nun viele Unternehmen in die Insolvenz gehen, hat das negative Folgen für den Arbeitsmarkt.

Doch es gibt auch Zeichen der Hoffnung, vor allem mit Blick auf die vergangenen Monate. Zwar lag die Arbeitslosenquote 2020 im Land Bremen deutlich über der des Vorjahres, seit Sommer nimmt sie aber wieder ab. So lag die Quote vergangenen Monat bei 11,1 Prozent – der Höhepunkt wurde im August mit zwölf Prozent erreicht. Niedersachsen kommt auf eine Arbeitslosenquote von 5,7 Prozent; der Höchststand waren 6,3 Prozent im August. Allerdings sind die Dezember-Werte nur bedingt aussagekräftig. Sie zeigen noch nicht die Auswirkungen des harten Lockdown ab dem 16. Dezember – Stichtag für die Erfassung der Daten war der 10. Dezember.

Ob sich die Lage durch den zweiten Lockdown jedoch drastisch verändert hat, ist fraglich. Vielmehr sei davon auszugehen, so Ossmann, dass die Zahl der Kurzarbeiter in diesem Zeitraum steigen wird. So sei es bereits im Lockdown light im November zu beobachten gewesen. Der Agenturchef spricht vom „stabilisierenden Effekt der Kurzarbeit“, der dafür gesorgt habe, dass es trotz schwieriger Konjunkturlage weniger Zugänge in Arbeitslosigkeit aus Beschäftigung am ersten Arbeitsmarkt gab. Wie sich die gedämpfte Konjunktur auf den Arbeitsmarkt auswirkt, zeigt sich auch an einer anderen Zahl: 2020 ist die Nachfrage nach Arbeitskräften deutlich gesunken. Unternehmen im Agenturbezirk, zu dem neben dem Land Bremen auch der Landkreis Osterholz gehört, haben 16.500 freie Stellen bei der Behörde gemeldet. Im Jahr zuvor waren es noch rund 5000 mehr.

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Positiv ist laut Ossmann, dass in einigen Branchen die Nachfrage aber wieder zugenommen hat. Dazu gehören der Gesundheitssektor, der Handel und das verarbeitende Gewerbe. Kaum freie Stellen gab es hingegen in der Zeitarbeit und in der Gastronomie. Letztere ist besonders stark von den Corona-Maßnahmen betroffen. Schon seit November sind Restaurants, Cafés und Bars geschlossen; auch im Frühjahr mussten vielerorts die Türen dicht bleiben. Die Folge: Im Mai waren 70 Prozent der Beschäftigten in der Gastronomie in Kurzarbeit. Im Agenturbezirk entspricht das konkret 6200 Mitarbeitern. Am stärksten betroffen von Kurzarbeit war in Bremen und im Landkreis Osterholz aber die Metall- und Elektroindustrie. Im Mai gab es hier mehr als 18.000 Kurzarbeiter.

Die Gastronomie ist zugleich auch eine Branche, in der viele Jobs nur als geringfügige Beschäftigungen ausgelegt sind. Für diese Minijobber können Arbeitgeber keine Kurzarbeit beantragen. „Besonders bitter“, nennt Ossmann diesen Umstand. Gleiches gelte für Soloselbstständige. „Für sie steht nur Hartz IV als unterstes soziales Auffangnetz zur Verfügung.“

Die Arbeitsagentur will in diesem Jahr vermehrt für das Thema Weiterbildung werben. Wer in Kurzarbeit sei, könne diese Zeit beispielsweise nutzen, um sich zu qualifizieren. Arbeitgebern und Arbeitnehmern sagt Ossmann die Hilfe der Arbeitsagentur zu: „Wir sind strukturell und finanziell gut dafür gerüstet.“

Kritik daran gibt es von Nordmetall, dem Arbeitgeberverband der norddeutschen Metall- und Elektroindustrie. Hauptgeschäftsführer Nico Fickinger begrüßt zwar die Weiterbildungsinitiative, sagt aber: „Einen noch größeren Qualifizierungsschub könnte es geben, wenn die Betriebe nicht durch praxisferne Vorgaben von staatlichen Fördermitteln ausgeschlossen würden.“ Im vergangenen Jahr hätten die Industriearbeitgeber bundesweit rund 4,8 Milliarden Euro in die betriebliche Weiterbildung investiert. „Wenn die Politik die Unternehmen bei der Weiterbildung wirksam unterstützen will, darf sie die Förderung nicht von starren Vorgaben wie einer Mindestqualifizierungszeit von 120 Stunden oder anderen unerfüllbaren Voraussetzungen abhängig machen.“

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