Raketenprogramm

Ariane-5-Rakete startet zum 100. Mal

In der Nacht zu Mittwoch soll die Ariane-5-Rakete zum 100. Mal starten. Dabei begann die Erfolgsgeschichte mit einer riesigen Katastrophe.
25.09.2018, 19:23
Lesedauer: 4 Min
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Ariane-5-Rakete startet zum 100. Mal
Von Stefan Lakeband
Ariane-5-Rakete startet zum 100. Mal

Die meisten Missionen der Ariane 5 sind seit dem Erstflug 1996 ohne Probleme verlaufen.

ESA/dpa

Mit der Kraft von zwölf startenden Jumbo-Jets hebt sich der weiße Koloss empor. Die Ariane 5 steigt am 4. Juni 1996 immer höher, ihre Triebwerke ziehen einen Feuerschweif hinter sich her und dröhnen. Dann, 37 Sekunden nach dem Start, neigt sich die Rakete, liegt für einen kurzen Augenblick fast waagerecht in der Luft, bevor sie mit einen lauten Knall und einem Feuerball explodiert.

Tausende brennende Trümmerteile prasseln minutenlang auf den südamerikanischen Dschungel und den Atlantik. Was eine neue Ära der europäischen Raumfahrt einläuten sollte, endete als Albtraum. Der erste Flug einer Ariane 5 hinterließ fassungslose Blicke Tausender Beobachter und die Frage: Wie konnte das passieren?

„Es war eine Katastrophe“, sagt Jens Laßmann, Standortleiter von Ariane Group in Bremen, auch noch 22 Jahre nach dem missglückten Erstflug der Ariane 5. Ein Fehler im Steuerungssystem hatte dafür gesorgt, dass die Rakete von ihrem Kurs abkam und gesprengt werden musste. Die Software für diese Recheneinheit war unverändert und ohne Systemtests von der Vorgängerrakete Ariane 4 übernommen worden.

Jeder Flug ein erstes Mal

Bis zum ersten erfolgreichen Start einer Ariane 5 sollte es nach dem Unglück noch ein Jahr dauern. Mittlerweile wirkt der Fehlstart aber wie eine Randnotiz in der Geschichte der Ariane 5. Laßmann spricht lieber davon, wie stolz er auf die Entwicklung ist. In der Nacht zu diesem Mittwoch sollte die Ariane-5-Rakete zu ihrem inzwischen 100. Start aufbrechen.

Auf der ganzen Welt arbeiten Menschen an einem der größten Projekte der europäischen Raumfahrt. Auch in Bremen gibt es zahlreiche Ingenieure und Techniker, die ihren Teil dazu beitragen. In der Hansestadt wird die Oberstufe der Rakete gebaut. Auf ihr sind die Satelliten montiert, die die Ariane regelmäßig ins All befördert.

Auch wenn die Mitarbeiter von Ariane Group an den verschiedenen europäischen Standorten das Jubiläum feiern wollten, als besonders empfindet Laßmann den hundertsten Start nicht. Rein technisch sei die Mission, bei der zwei Satelliten in den Weltraum gebracht werden sollten, nichts Außergewöhnliches.

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„Ein Standardflug“, sagt Laßmann. „Dennoch fliegen Sie eine Rakete immer zum ersten Mal.“ Was der Standortleiter damit meint: Tausende Teile werden für den Start extra zusammengesetzt, die Rakete entsteht von Grund auf. Nach 100 Starts haben die Mitarbeiter aber auch Routine, sagt Laßmann. Zu viel dürfe es aber auch nicht sein. „Wir schwören unsere Mitarbeiter regelmäßig darauf ein, konzentriert zu sein.

Unachtsamkeit ist die größte Fehlerquelle.“ Und Fehler, das zeigte damals der Jungfernflug, können fatal sein. Von allen Missionen der Ariane 5 sind jedoch nur zwei komplett gescheitert, drei waren Teilerfolge, weil die Satelliten in der falschen Umlaufbahn abgesetzt wurden.

Die Ariane 5 hob das erste Mal vor 22 Jahren ab, die Geschichte der Rakete ist aber wesentlich länger. Bereits 1985 hatten die Minister der Mitgliedsländer der Europäischen Raumfahrtagentur Esa beschlossen, mit der Entwicklung der Rakete zu beginnen, die den Vorgänger Ariane 4 ersetzte. „Sie war nicht mehr marktfähig“, sagt Laßmann. Im Laufe der Zeit seien die Satelliten immer größer geworden – eine Entwicklung, bei der die Ariane 4 nicht mehr mithalten konnte.

Vorbild für andere Raketen

Und auch ein anderes Projekt war maßgeblich für die Ariane 5, so wie sie heute ist: der Raumgleiter Hermes. Er wurde ebenfalls in den 80er-Jahren konzipiert, um Menschen ins All zu befördern – auf der Spitze einer Ariane-Rakete. Als dieses Projekt nicht zustande kam, wurde aus dem Transporter für Astronauten einer der leistungsstärksten Satellitenträger der Welt.

„Die Ariane 5 war der Treiber aller folgenden Raketengenerationen“, sagt Laßmann. Als sie auf den Markt kam, sei sie einzigartig mit ihrer Leistung gewesen. Mittlerweile hätten aber die Wettbewerber nachgezogen und vergleichbare Raketen im Angebot. Auch deswegen ist der 100. Start auch ein leiser Abschied.

Mittlerweile wird unter anderem in Bremen an der nächsten Raketengeneration gebaut. Die Ariane 6 soll leistungsstärker sein als ihre Vorgängerin und vor allem günstiger. Denn der Preis ist mittlerweile ein entscheidender Faktor, wenn es darum geht, Fracht ins All zu befördern. Allen voran das Unternehmen SpaceX sorgt für Druck auf dem Markt.

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Die Amerikaner bieten ihre Raketen europäischen Kunden für etwa 50 Millionen Euro pro Start an. Der Start einer Ariane 6 soll etwa 70 Millionen Euro kosten, heißt es in Branchenkreisen. Damit liegt die neue Raketengeneration schon etwa 40 Prozent unter den Kosten einer Ariane 5.

Bis die Ariane 5 aber nicht mehr abhebt, wird es noch einige Zeit dauern. 2020 soll der erste Start der Ariane 6 sein, gleichzeitig soll es aber auch noch Missionen für die Ariane 5 geben. Bis 2023 sollen beide Raketen parallel fliegen, erst danach wird es aus Europa nur noch die Ariane 6 geben. Fünf Jahre sind für Raketen ein langer Zeitraum. Das macht auch Laßmann deutlich.

Die gesamte Lebensdauer der Ariane 3 sei genauso lang gewesen. Schon jetzt stünden einige neuen Missionen für die Ariane 5 fest. Mitte Oktober ist etwa der Start von Bepicolombo geplant, einer Forschungsmission, bei der zwei Sonden Merkur untersuchen sollen. Nach dem Start sind sie sieben Jahre zu dem Planeten unterwegs. Zeit, in der die Ariane noch einige Male abheben wird.

Arianespace zeigt den Start auf YouTube.

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