Trend bei Bremens Bankhäusern

Bremer horten ihr Geld

Viele Konsumenten halten ihr Geld lieber zusammen, und verschieben ihre Ausgaben - erst recht für Reisen. So horten auch die Bremer ihr Geld auf Girokonten und Sparbüchern, auch wenn es da minimale Zinsen gibt.
05.04.2021, 20:33
Lesedauer: 3 Min
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Bremer horten ihr Geld
Von Florian Schwiegershausen
Bremer horten ihr Geld

Kein Konsum wegen Corona: Die Bankhäuser in Bremen melden mehrheitlich, dass bei den Kunden die Höhe der Spareinlagen im vergangenen Jahr gestiegen ist.

Fredrik von Erichsen/DPA

Die Kunden von Bremens Bankhäusern haben seit vergangenem Jahr immer mehr Geld auf ihre Konten eingezahlt. Das geht aus einer Umfrage hervor, die der WESER-KURIER unter Bremens großen Geldinstituten angestellt hat. So verzeichnet Sparkasse Bremen eine Steigerung der privaten Einlagen. Seit Anfang 2020 nahmen diese um etwa zehn Prozent zu. Als einen Grund dafür sieht Sprecherin Nicola Oppermann: „Sicherlich kommt dies vor allem aufgrund des pandemiebedingten Ausgabenverzichts bei Konsum und Reisen. Wir beobachten diese Entwicklung sorgfältig und prüfen Handlungsoptionen und Alternativen für unsere Kundschaft und uns.“

Eine ähnliche Tendenz beobachtet die Bremische Volksbank. Vertriebsleiter Sebastian Ahlering sagte: „Bei uns haben die Spareinlagen im vergangenen Jahr um 2,9 Prozent zugenommen.“ Dies sei verglichen mit dem Durchschnitt vom Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken weniger gewesen. Doch Ahlering nennt hier als Grund die aktive Kundenansprache, bei denjenigen, die 100.000 Euro und mehr auf dem Konto haben: „Wir haben den Kunden Alternativen zum Sparen aufgezeigt statt dem klassischen Sparbuch oder eben dem Girokonto.“

Denn die Bank hatte im vergangenen Jahr Minuszinsen in Höhe von 0,5 Prozent für Einlagen ab 100.000 Euro aufwärts eingeführt - wenn die Kunden ihr Geld nicht auf eine andere Anlagemöglichkeit verschieben wollen.

Hamsterrekorde bereits im dritten Quartal

Dass die Kunden ihr Geld horten, ist ein bundesweiter Trend. Nach Zahlen der Deutschen Bundesbank sind die Bankeinlagen der privaten Haushalte von Januar 2020 bis Januar 2021 um 182 Milliarden auf 1,73 Billionen Euro gestiegen. Das geht aus der Bundesbank-Statistik ihres März-Berichts hervor. Das Münchner Ifo-Institut schätzt die „Überschussersparnis“ 2020 in seiner jüngsten Konjunkturprognose auf 100 Milliarden Euro. Es geht davon aus, dass diese Summe im ersten Quartal noch einmal steigt. Bereits für das dritte Quartal 2020 meldete die Bundesbank beim gesamten Geldvermögen der privaten Haushalte einen neuen Höchststand. Das stieg von Juli bis September des vergangenen Jahres um 108 Milliarden Euro auf 6,7 Billionen Euro anstieg.

Eine Analyse des Hamburger Finanzunternehmens Deposit Solutions geht noch einen Schritt weiter. Die Studie zeigt, dass auch die Menschen in Europa deutlich mehr gespart haben. Demnach flossen im vergangenen Jahr auf Giro- und Sparkonten in der Eurozone im Saldo 585 Milliarden Euro neu hinzu. Das entsprach beim Sparvolumen im Währungsraum einem Plus von 48 Prozent gegenüber 2019. Dabei erzielen die Kunden mit dieser Art der Bankeinlagen wegen der Dauer-Niedrigzinsen kaum noch Rendite.

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Rechnet man das Aufkommen pro Kopf um, ergibt sich folgendes Bild: Ganz vorn in der Eurozone waren 2020 laut Studie die französischen Sparer mit einem durchschnittlichen Plus von 2200 Euro. Dahinter kommen die deutschen Sparer mit einem Plus von 1800 Euro pro Kopf auf ihrem Bankkonto. Für den Vergleich hat die Beratungsfirma Barkow Consulting unter anderem Daten der Europäischen Zentralbank und der Bank of England analysiert. In Großbritannien stiegen die Kontoguthaben um 2500 Euro pro Kopf.

Die Sparda-Bank Hannover, zu der die Sparda-Bank Bremen gehört, kann diesen Trend ebenso bestätigen. Sprecherin Laura van den Berg sagte: „Die Spareinlagen in Bremen wuchsen um rund drei Millionen Euro auf rund 249 Millionen Euro. Dieser Trend setzt sich auch 2021 fort. Dies entspricht einem Plus von etwas weniger als drei Prozent.“

Auch Aktienvolumen nehmen zu

Eine ähnliche Tendenz sieht die Commerzbank. Der Bremer Niederlassungsleiter André Nogat bestätigte: „Bei uns sind die Einlagenvolumina 2020 um vier Prozent gestiegen. Die Menschen konnten durch Corona weniger konsumieren und reisen. Das Geld wurde also zurückgelegt.“ Bei den Privatkunden stieg außerdem die Zahl der Wertpapiersparpläne um 21 Prozent.

Konkrete Summen nennt die Deutsche Bank nicht. Peter König, Marktgebietsleiter für Privatkunden in der Region Bremen/Osnabrück stellt aber fest, dass sich das Einlagengeschäft im vergangenen Jahr auf etwa gleichem Niveau entwickelt habe: „Dieser Trend hat sich auch in den ersten Monaten des neuen Jahres fortgesetzt.“ Das Geldinstitut verweist dabei auf eine repräsentative deutschlandweite Umfrage vom vergangenen November. König sagt: „Während der Corona-Pandemie haben fast die Hälfte der Befragten genauso viel Geld zurückgelegt wie vor der Krise, und zwar 46 Prozent. Nach unserer Beobachtung hier vor Ort dürfte sich an dieser hohen Sparneigung auch im laufenden Jahr bisher nichts geändert haben.“

Gegenüber Spareinlagen konnte die Deutsche Bank 2020 durch ein reges Wertpapiergeschäft ein deutliches Plus beim Depotvolumen verzeichnen. Immer mehr junge Kunden interessierten sich für Wertpapiere. Ein Grund sei, dass die Sparer Alternativen zu Einlagen suchen, die mit Minuszinsen belegt sind.

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