Emissionsfreies Taxi

Auf großer Elektro-Fahrt in Bremen

Mustafa Catalbas betreibt das einzige Tesla-Taxi in Bremen. Er ist damit ein Botschafter für Elektromobilität in der Hansestadt – und hofft nun auf Nachahmer.
29.07.2019, 06:00
Lesedauer: 3 Min
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Auf großer Elektro-Fahrt in Bremen
Von Stefan Lakeband
Auf großer Elektro-Fahrt in Bremen

Tanken mit Stecker: Mustafa Catalbas lädt sein Tesla-Taxi an einer Ladesäule der SWB, wofür er monatlich 12,50 Euro bezahlt. Früher lagen seine Ausgaben für Dieselkraftstoff bei 900 Euro pro Monat. Er hofft, dass auch andere Taxiunternehmen in Bremen nachziehen und sich E-Autos zulegen.

Christina Kuhaupt

Gespräche mit seinen Mitfahrern verlaufen bei Mustafa Catalbas seit einem Jahr anders. Der 44-Jährige fährt Taxi, kommt aus der Türkei, hat einen leichten Akzent. „Früher haben mich die Leute gefragt, woher ich komme. Heute fragen sie, wie weit ich komme.“ Seit einem Jahr fährt Mustafa Catalbas kein herkömmliches Taxi mehr, sondern ein E-Taxi. Genauer: einen Tesla.

Mit seinem E-Auto ist der Unternehmer ein Exot in einer Flotte aus elfenbeinfarbenen Autos mit Verbrennungsmotoren. Sein Tesla-Taxi ist bislang das einzige in Bremen, auch das erste mit reinem Elektroantrieb. Ob bei interessierten Fahrgästen oder skeptischen Kollegen – Catalbas hat nun die Rolle des Botschafters für die Elektromobilität. Um dort zu sein, wo er heute ist, musste er viel Geduld mitbringen.

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Den ersten Versuch startet er vor drei Jahren; eine spontane Idee, die ihm im Urlaub kommt. Mit seiner Frau ist er am Amsterdamer Flughafen und sieht etwas, das er noch nie zuvor gesehen hat: eine lange Reihe wartender Taxis, die alle Tesla gebaut hat.

Mustafa Catalbas fand Technik schon immer interessant, sagt er. Autos, die kein CO2 ausstoßen, auch. „Wir haben einfach rumgesponnen“, sagt Inga Catalbas: „Was, wenn wir auch ein Tesla-Taxi hätten?“ Die Eheleute hatten sich kurz zuvor als Taxi-Unternehmer selbstständig gemacht.

Zuerst keine Zulassung für Tesla-Taxis

Es dauert nicht lange, bis aus der spontanen Idee ein richtiger Plan wird: Die Catalbas wollen ein Tesla-Taxi. Doch so schnell die Idee kam, so schnell ist sie 2016 auch wieder geplatzt. Damals dürfen Teslas in Deutschland noch nicht als Taxi zugelassen werden. Also bleibt erstmal alles so wie es war: Inga und Mustafa Catalbas, ein angestellter Fahrer, ein Mercedes mit Verbrennungsmotor – und 900 Euro für Diesel jeden Monat.

Mustafa Catalbas grinst, als er zwei Jahre später von seinen Ausgaben erzählt. Statt 900 zahle er jetzt nur noch 12,50 Euro, damit sein Taxi fährt. Das Geld lasse er auch nicht mehr an irgendwelchen Tankstellen, sondern bei der SWB, an deren Säulen er sein Auto lade. Denn als 2017 die Eichverordnung geändert wurde, schlägt die Stunde der Catalbas: Teslas dürfen nun als Taxi zugelassen werden. Sie kaufen sich ein Model S, lassen es bei der Firma Intax in Oldenburg umrüsten und haben einige Monate später das erste Tesla-Taxi Bremens vor der Tür.

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Als Mustafa Catalbas ein Jahr später mit seinem Taxi durch die Überseestadt fährt, hat er die Hände am Lenkrad, die Augen auf der Straße, und sagt nicht viel. Das Auto spricht für sich. Das lautlose Anrollen, die rasante Beschleunigung, das riesige Display in der Mittelkonsole fallen sofort auf. Wohl auch deswegen hört er fast immer diese eine Frage: Wie viel kostet denn die Fahrt?

„Viele Leute denken, unser Tesla-Taxi sei teurer, weil es ein Elektroauto ist“, sagt Mustafa Catalbas. Die Preise bestimme aber nicht er, sondern sie seien festgelegt und für jedes Taxi gleich. Bei ihm zahlen Kunden daher weder mehr noch weniger. Skeptische Blicke bekommt Mustafa Catalbas auch von seinen Kollegen. Sie wollen wissen, wie weit er denn mit seinem Auto komme.

Ladezeiten sind ein Problem

Denn während herkömmliche Taxis einfach die nächste Zapfsäule ansteuern und in wenigen Minuten volltanken können, muss Mustafa Catalbas regelmäßig an die Ladesäule fahren – und das dauert tatsächlich länger als bei einem Auto mit Verbrennermotor. Probleme hat der Unternehmer damit aber nicht. Mit einer Ladung komme er locker 400 Kilometer weit, sagt er. Norddeich, Kiel, Hamburg – überall schon gewesen, alles kein Problem. Wenn das Auto eine Stunde lädt, könne er weitere 220 Kilometer fahren. Für den normalen Betrieb reiche das.

Viele Vorteile, wenig Einschränkungen, finden die Catalbas. Warum sie mit ihrem E-Taxi immer noch alleine in Bremen sind? Die Hemmschwelle sei zu groß: Angst vor zu wenig Reichweite, zu hohe Preise, keine Unterstützung aus der Politik. „Wenn es eine bessere Infrastruktur gibt, kann ich mir vorstellen, dass mehr Unternehmen E-Taxis kaufen“, sagt Mustafa Catalbas. Er fordert zum Beispiel extra Ladesäulen für Taxis und ein härteres Durchgreifen, wenn Nicht-Stromer Ladesäulen zuparken. Auch finanzielle Anreize vermisse er. München fördert E-Taxis inzwischen sogar gezielt. Für jeden Kilometer, der mit einem Fahrgast elektrisch zurückgelegt wird, gibt es 20 Cent.

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So etwas würde auch das Problem der hohen Anschaffungskosten abmildern. Denn tatsächlich ist der Preis für ein Elektro-Taxi hoch. Die Catalbas haben inklusive Umrüstung etwa 90 000 Euro für ihren Tesla bezahlt – ohne Steuern. Herkömmliche Taxis sind günstiger zu haben. Dennoch sagt Mustafa Catalbas: „Wir sparen sehr viel.“ Zwar sei der Abschlag für sein Fahrzeug höher – dadurch, dass das Auto aber keinen Diesel brauche, gleiche sich das wieder aus. Und vor allem spart er natürlich Kohlenstoffdioxid. 21 Tonnen würde er im Jahr mit einem normalen Taxi produzieren, sagt der Unternehmen. Da er seinen Tesla mit Ökostrom lade, fahre er komplett CO2-neutral.

In den nächsten Monaten wollen die Catalbas bekannter werden; mittelfristig mit ihrem Unternehmen wachsen, sich mehr E-Taxis zulegen. Im besten Fall sind sie dann so bekannt, dass Mustafa Catalbas nicht mehr erklären muss, wie weit er mit seinem Taxi kommt.

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