Verkauf der OLB Aus der Nische zum Marktführer

Wenn die Bremer Kreditbank, das Bankhaus Neelmeyer und die Oldenburgische Landesbank zusammengehen, entsteht eine große Bank im Nordwesten. Ohne Filial- und Jobabbau wird das aber wohl nicht gehen.
29.06.2017, 06:00
Lesedauer: 4 Min
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Aus der Nische zum Marktführer
Von Maren Beneke

Mit einem Zitat des Malers Vincent van Gogh beginnt der Geschäftsbericht 2016 der Bremer Kreditbank (BKB): „Wandlung ist notwendig wie die Erneuerung der Blätter im Frühling“, heißt es dort. Und tatsächlich, das vergangene Jahr hat mit der Übernahme des Bankhauses Neelmeyer viele Veränderungen für die BKB mit sich gebracht.

2017 und auch 2018 werden das Institut aber vor noch größere Herausforderungen stellen: Mit dem Kauf der Oldenburgischen Landesbank (OLB) von der Allianz, den alle Beteiligten am Freitag öffentlich gemacht haben, muss nun ein Geldhaus integriert werden, das um ein Vielfaches größer ist als BKB und Neelmeyer zusammen.

"Wir sind auf dem Weg zum Marktführer im Nordwesten", sagt der BKB-Vorstandsvorsitzende Axel Bartsch. Ziel sei, ein "dauerhaft, stabiler Marktteilnehmer zu sein. Vorausgesetzt, dass die Behörden dem 300-Millionen-Euro-Geschäft zustimmen, werden BKB, Neelmeyer und OLB auf eine Bilanzsumme von 17,5 Milliarden Euro und ein Kernkapital von circa einer Milliarde Euro kommen.

Eine der 60 größten Banken

Zum Ende des vergangenen Jahres waren die Institute zusammengenommen an 166 Standorten vertreten und beschäftigten mehr als 2600 Mitarbeiter. Zum Vergleich: Die Bremer Landesbank hatte Ende 2016 eine Bilanzsumme von 28,1 Milliarden Euro und 601 Millionen Euro an Kernkapital.

Die Bilanzsumme zugrunde gelegt, wären BKB, Neelmeyer und OLB damit ungefähr so groß wie die Targobank oder die Comdirect-Gruppe und gehören damit zu den 60 größten Banken in Deutschland.

„Natürlich sind wir damit absolut keine Großbank, aber wir sind auch kein Nischenplayer“, sagt Barsch. Mit dieser Größe habe man sich dem Optimum angenähert. „Zu groß ist auch schwierig“.

Was der Banker damit meint, ist, dass man in den kommenden Jahren drei Institute zusammenbringen muss, bei deren Geschäftsmodell es kaum Überschneidungen gibt: die BKB mit ihrem bundesweit orientierten Kreditansatz, Neelmeyer mit der Betreuung vermögender Kunden aus der Region und die OLB als breit aufgestellte Bank.

Nicht ohne Veränderungen

Ohne Veränderungen wird das nicht gehen. Das hat sich zuletzt bei der Übernahme des Bankhauses Neelmeyer gezeigt: Dort werden etwa 70 Stellen gestrichen, weil mittelständische Firmenkunden und das standardisierte Privatkundengeschäft nach der Neuausrichtung nicht mehr zum Kern des Instituts gehören sollen.

Bartsch verweist in diesem Zusammenhang auf die Herausforderungen, mit denen die gesamte Branche zu kämpfen hat: Weil die Kunden immer seltener Filialen besuchen und stattdessen immer häufiger auf Online-Angebote setzen, schrumpft vielerorts die Zahl der Standorte und Bankangestellten. „Ein solcher Abbau hat nichts mit dem Eigentümerwechsel eines Instituts zu tun“, sagt der BKB-Vorstandschef. „Alle Banken müssen Antworten auf das veränderte Kundenverhalten finden.“

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Markenkern soll erhalten bleiben

Deswegen werde auch bei der OLB nachjustiert werden müssen, sagt Bartsch. Was das genau bedeutet, kann der BKB-Chef heute noch nicht sagen. Der Markenkern aller Institute solle aber erhalten bleiben. „Wir werden uns die Strukturen gemeinsam mit der OLB anschauen, wenn der Verkauf abgeschlossen ist.“ Bis dahin wird es noch ein paar Monate dauern.

Unklar ist, ob es beim Zusammenschluss der drei Banken bleibt. Apollo, einer von drei Eigentümern der BKB, war in der Vergangenheit in Medienberichten immer wieder als einer der Interessenten für die HSH Nordbank genannt worden.

Zuletzt hatte die Nachrichtenagentur Reuters im April mit Bezug auf Insiderinformationen vermeldet, dass Apollo sich am Bieterverfahren beteiligt habe, es aber unklar sei, ob sich die Angebote der möglichen Bieter auf die gesamte Bank oder nur auf Teile davon beziehen.

„Um am Markt bestehen zu können, müssen Banken eine kritische Größe erreicht haben“, sagt auch Christoph Schalast, Jurist mit Schwerpunkt Bank- und Finanzrecht. Ob diese mit BKB, OLB und dem Bankhaus Neelmeyer schon geschafft ist, ließe sich nicht mit Sicherheit sagen. Schalast, der an der Frankfurt School of Finance and Management auch Professor für Mergers and Acquisitions, also für Zusammenschlüsse und Übernahmen, ist, rechnet aber damit, dass die OLB nicht das letzte Institut gewesen ist, das die BKB-Investoren kaufen.

Experte: Typische Strategie

In der Übernahme sieht er eine typische Private-Equity-Strategie: Bankengruppen würden zusammengeschlossen, um Synergien zu heben und diese weiterzuentwickeln. Wenn die Investoren einen solchen Prozess abgeschlossen hätten, dann würden sie das neu aufgestellte Institut in der Regel weiterverkaufen.

Auch Bartsch schließt diese Möglichkeit nicht aus. „Natürlich haben Gesellschafter das Ziel, ein Unternehmen wertvoller zu machen“, sagt er. Und in ihren Entscheidungen seien die Investoren der BKB frei. Bartsch betont aber auch, dass die Zusammenarbeit mit Apollo Global Management, Teacher Retirement System of Texas und Grovepoint Capital problemlos ist – auch, weil es keinen Mehrheitsgesellschafter gibt. „In den vergangenen Jahren wurden die Gewinne nie aus der Bank gezogen. Im Gegenteil: Es wurde investiert“, sagt der BKB-Vorstandsvorsitzende. Ein möglicher Verkauf in der Zukunft treibe ihn daher „im Moment überhaupt nicht um“.

Tatsächlich ist es dieser Tage nicht einfach, einen Termin bei Bartsch zu bekommen. Anfang der Woche hat er seine Mitarbeiter und die von Neelmeyer über die Veränderungen informiert. Nun folgt ein Gespräch nach dem nächsten. Aber wie heißt es noch im Geschäftsbericht? Wandlung ist notwendig.

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