Made in Bremen Aus gutem Holz geschnitzt

Margret Löbner baut und verkauft in ihrem Blockflötenzentrum am Bremer Osterdeich seit 32 Jahren Blockflöten. Worauf es bei einem guten Instrument ankommt und wieso Zedernholz eine ganz wichtige Rolle spielt.
23.02.2019, 18:38
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Aus gutem Holz geschnitzt
Von Olga Gala

In der Werkstatt riecht es nach Sägespänen. Auf einem Ständer aufgereiht stehen runde Hölzer. Margret Löbner sitzt an einem kleinen Tisch vor dem großen Fenster zum Hof und überprüft die Grifflöcher der Flöte, die sie gerade repariert. Das Instrument klingt nicht mehr so gut, vor allem die hohen Töne machen Probleme. Löbner sucht nach der Ursache. Die 55-Jährige ist Holzblasinstrumentenmacherin – in ihrem Blockflötenzentrum am Osterdeich baut und repariert Löbner seit 32 Jahren Blockflöten, verkauft aber auch die Instrumente anderer Hersteller.

„Wir können unsere Kunden komplett bedienen“, sagt die Handwerkerin. Drei Angestellte hat sie, die sich um den Verkauf und die Arbeit im Büro kümmern. Die in der Bremer Werkstatt entstandenen Flöten verkauft Löbner in ganz Deutschland und Europa. Die meisten ihrer Kunden sind ambitionierte Hobbymusiker, doch auch Anfänger und Profis kommen zu ihr.

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Entsprechend groß ist auch die Preisspanne der Instrumente – eine in Serie gefertigte Sopranflöte für Anfänger gibt es für 70 Euro, eine von Löbner selbst gebaute Flöte gleicher Größe und Stimmlage kostet etwa 1100 Euro. Am häufigsten baut die Bremerin ihre Flöten aus dem Holz von Buchsbaum und Pflaume. „Das klingt einfach am besten“, sagt sie. Doch auch Grenadill, ein schwarzes Holz, aus dem meist Oboen und Klarinetten gefertigt werden, kommt zum Einsatz. Der namensgebende Block der Blockflöte hingegen sei immer aus Zedernholz. „Dieses Holz saugt viel Feuchtigkeit auf und verändert seine Form nicht“, sagt Löbner. Diese Eigenschaften sind besonders wichtig, denn der Block sitzt direkt im Mundstück und kriegt so viel Speichel ab.

Zehn bis 14 Tage dauere es in etwa bis eine Flöte fertig sei, sagt Löbner. Um die Arbeit effizienter zu gestalten, baue sie jedoch immer mehrere Flöten parallel. So seien zwischen den einzelnen Arbeitsschritten längere Pausen nötig, in denen etwa das Holz ruhen muss. In dieser Zeit arbeitet sie an den anderen Instrumenten weiter.

Ein ganzer Baumstamm

Die kleinste von ihr gebaute Flöte misst 35 Zentimeter, die größte Tenorflöte ist 70 Zentimeter groß. Die Instrumente entstehen aus einem ganzen Baumstamm. Je länger das Holz vorher gelagert habe, desto trockener werde es. Sie könne es so besser verwenden, sagt Löbner. Das Holz verziehe sich dann nämlich weniger. Das Buchsbaum-Holz, mit dem sie gerade arbeitet, ist fast 30 Jahre alt. Im ersten Schritt sägt Löbner eckige Holzstücke aus dem Stamm und bohrt ein längliches Loch in der Mitte. Anschließend kommt das Holz in die Drechselbank.

„Das Ganze wird gleichmäßig um das Loch zentriert gedreht“, sagt Löbner. Hat die spätere Flöte ihre runde Form, geht es an die Feinheiten: Die Handwerkerin bohrt Grifflöcher in das Holz und schnitzt in das obere Ende eine Art Einkerbung – das sogenannte Labium. Durch dieses entweicht später ein Teil der in die Flöte geblasenen Luft. Ändert sich die Größe des Labiums, habe das Auswirkung auf den Klang. Wie die einzelnen Arbeitsschritte genau ausgeführt werden, unterscheidet sich von Handwerker zu Handwerker. „Jeder Flötenbauer hat seine bestimmte Handschrift“, sagt Löbner. Wenn sie ihre Flöten baut, probiert die Bremerin sich auch mal aus – variiert die Größe der Grifflöcher oder die Länge des Instruments ein wenig. „Man sucht immer nach dem idealen Klang.“

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Ganz besonders wichtig ist bei der Blockflöte natürlich der Block. Zunächst wird das kleine Stück Zedernholz an der Drechselbank rund gedreht und dann zugeschnitzt. „Der Block muss ganz genau in das Mundstück angepasst werden.“ Sitzt der Block zu fest oder zu locker, klinge die Flöte nicht.

Natürlich sollte die Blockflöte nach jedem Spiel gereinigt werden, ganz vermeiden lasse sich die Abnutzung jedoch nicht, so die Expertin. Daher sei der Block auch der Teil der Flöte, der am ehesten ausgebessert werden muss. Mit der Zeit könne er seine Form verändern und nicht mehr perfekt in das Mundstück passen. Mit einem Eisenstab schlägt die Instrumentenbauerin dann von unten gegen den Block. Sie schaut sich das Holzstück ganz genau an: Lässt es sich wieder zurechtschnitzen? Oder muss ein neuer Zedernblock her?

Bis auf den Millimeter genau

Doch auch das restliche Holz verändere sich mit der Zeit. So könne sich etwa der Windkanal – der kleine Spalt zwischen Mundstück und Block – verziehen. Mit Stahlwolle oder einer Feile säubert Löbner ihn. „Dieser schmale Spalt macht ganz entscheidend den Klang aus.“ An dem Klang erkennt sie auch, was an der Blockflöte repariert werden müsste. Nach jahrelanger Berufspraxis sei das kein Problem: „Meine Ohren sind in die Blockflötenklangrichtung gespitzt.“

Manchmal entstehen auch feine Risse in dem Holz. Meist reiche es, diese nachzuschleifen und zu kleben, sagt Löbner. Wie viele Flöten sie in ihrem Leben schon gebaut und repariert hat, weiß sie nicht. Eine Arbeit ist ihr jedoch ganz besonders in Erinnerung geblieben.

„Ich hatte mal die Ehre gehabt, eine Tenorflöte aus massivem Elfenbein aus dem 16. Jahrhundert zu vermessen“, sagt Löbner. Bis auf den Millimeter genau hatte die Handwerkerin dann das Instrument gemeinsam mit einem Kollegen nachgebaut.

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