Aus Nord Finanz wird Greensill

Wenn sich Geschichte wiederholt

Die Bremer Greensill Bank, die früher Nord Finanz Bank hieß, hat eine bewegte Historie hinter sich, die sich auch vor Jahren schon wie ein Wirtschaftskrimi lies. Auch die Bafin war bereits infolviert.
24.03.2021, 05:00
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Wenn sich Geschichte wiederholt
Von Maren Beneke
Wenn sich Geschichte wiederholt

Damals noch mit altem Logo: Die frühere Nord Finanz Bank hat ihren Sitz seit 1927 an der Martinistraße.

Jochen Stoss

Gerichtsvollzieher, zwielichtige Investoren oder Bafin-Prüfer, die sich die Bücher des Geldinstituts noch einmal ganz genau ansehen - die Bremer Nord Finanz Bank, die seit 2014 als Greensill Bank firmiert, ist nicht erst seit wenigen Wochen in den Schlagzeilen. Das Geldhaus hat bewegte Zeiten hinter sich, die sich zum Teil wie ein Wirtschaftskrimi lesen.

Dabei war die 1927 gegründete kleine Privatbank an der Martinistraße jahrzehntelang gar nicht weiter aufgefallen. Die Unruhe kam erst mit den vielen Eigentümerwechseln, die sich wie ein Muster immer und immer wieder wiederholen sollten: Ab 1988 wechselten innerhalb weniger Jahre die Anteile der Sparkasse Bremen und der Bremer Landesbank, die das Institut in den 50er-Jahren gekauft hatten, gleich mehrfach die Besitzer.

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Mit Benedict Symeonidis übernahm 1994 schließlich ein Eigentümer die Nord Finanz Bank, der dem Haus erstmals auch über Branchenkreise hinweg Aufmerksamkeit verschaffen sollte: Nachdem Symeonidis im Juli 1996 wegen Betrugsverdachts verhaftet worden war, standen die Kunden vor den Schaltern des Geldinstituts Schlange, um ihre Konten leer zu räumen.

Zwei Senatoren kaufen eine Bank

Auch der nächste Eigentümerwechsel sollte für Gesprächsstoff sorgen: Im September kauften Finanzsenator Ulrich Nölle und Innensenator Ralf Bortscheller (beide CDU) die Nord Finanz Bank - beide, wie sie mehrfach betonten, als Privatpersonen. Nölle und seine Ehefrau hielten damals wie Bank-Vorstand Hans-Jörg Kern und seine Gattin jeweils 20,6 Prozent an dem Haus, Bortscheller und der damalige Nord-Finanz-Vorstand Jörn-Michael Gauß übernahmen jeweils 8,8 Prozent.

Einer, der damals mit den Vorgängen innerhalb des Geldinstituts vertraut war, sagt heute: „Erstes Ziel war, aus den Schlagzeilen herauszukommen. Das zweite Ziel war, die Bank schnell wieder weiter zu verkaufen.“ Denn keiner der neuen Eigentümer habe die jeweilig benötigte Summe auf dem Konto gehabt.

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Nur das erste Ziel, so viel steht im Rückblick fest, wurde zumindest für einige Jahre erreicht. Ein neuer Eigentümer fand sich allerdings erst sehr viel später. Und durch den Einstieg der beiden Christdemokraten gab es einige Debatten darüber, ob und wie Politiker sich an Unternehmen beteiligen dürfen - auch weit über Bremen hinaus.

Im Jahr 2000 trat schließlich die Garant Schuh Aktiengesellschaft als neue Miteigentümerin mit knapp 25 Prozent und einer Aktie in die Bank ein. Die anderen Besitzer blieben Nölle, Kern und Gauß. In den Folgejahren sorgte dann Ex-Senator Nölle für negative Schlagzeilen: Er geriet in massive Zahlungsschwierigkeiten und wurde zwischenzeitlich per Haftbefehl und von einem Gerichtsvollzieher gesucht. Es soll damals um offene Forderungen in Millionenhöhe gegangen sein. Garant stockte seine Anteile in dieser Zeit immer weiter auf, sodass die Aktiengesellschaft - abgesehen von ein paar Prozentteilen, die bei Kern verblieben waren - nahezu Alleineigentümerin war.

Bundesfinanzaufsicht sieht hohe Risiken

Doch auch Garant geriet ins Trudeln und musste 2006 Insolvenz anmelden. Als neuer Investor sprang dieses Mal E-Clear aus Großbritannien ein. Ein Engagement, das ebenfalls nur wenige Jahre gut gehen sollte, denn 2009 klopfte die Bafin an die Tür. Der Auslöser laut einem Vertrauten: Die Einlagensicherung des Bankenverbands sei damals der Meinung gewesen, die Nord Finanz Bank habe zu hohe Risiken in ihren Büchern stehen und müsse daher ihre Einlagen zurückführen.

Dass sich die Bundesfinanzaufsicht einer Bremer Bank zuwendet, blieb damals auch der Bremer Regierung nicht verborgen. „Das Unternehmen hatte keine systemische Relevanz für die Hansestadt“, sagt einer, der damals in der Verwaltung nah dran gewesen ist, „aber mit einer Bürgschaft hätte das Geschäft weiterlaufen können.“

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Gespräche zwischen Finanz- und Wirtschaftsressort ergaben den Angaben zufolge zwar schnell, dass das Land eine solche Bürgschaft nicht ausstellen könne. Aber man verständigte sich demnach darauf, dass die Wirtschaftsbehörde mit der Bafin in Kontakt treten und zumindest das Prüfen einer Bürgschaft angeben solle. Ein Vorgehen, das den voneinander unabhängigen Quellen dazu geführt hat, dass die Finanzaufsicht das Geschäft der Nord Finanz Bank damals zwar drastisch einschränkte, aber sie eben nicht komplett schloss.

Auch dieses Mal sollte der Eigentümer nach kurzer Zeit wieder wechseln. 2010 übernahm eine weitere britische Investorengruppe unter Führung von Stefan Allesch-Taylor. Ein Jahr später der nächste Wendepunkt: Die bisherigen Vorstände Hans-Jörg Kern und Jörn-Michael Gauß verließen die Bank. „Die Investoren wollten mit einem kleinen Rad das große Rad drehen“, begründet einer der beiden Vertrauten. Ein Ziel, das der Bank auch Jahre später auf die Füße fallen sollte.

Seit 2011 ist die Bank komplett in den Händen ausländischer Investoren. Zwei Jahre später stieg die Greensill Capital ein, die ihre Anteile immer weiter ausbaute, und dem Institut seinen neuen Namen gab. „Heute ist die Bank nicht mehr zu retten“, sind sich die Quellen sicher.

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