Vermittlungsaktion von Arbeitsagentur und Kammern Ausbildung: Chance für Nachzügler

Bremen. Viele Jugendliche in Bremen sind bei der diesjährigen Bewerbungsrunde um einen Ausbildungsplatz leer ausgegangen. Bei einer Nachvermittlungsaktion von Arbeitsagentur und Kammern hatten Nachzügler noch Chancen auf einen Platz.
13.09.2012, 05:00
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Ausbildung: Chance für Nachzügler
Von Petra Sigge

Bremen. Viele Jugendliche in Bremen sind bei der diesjährigen Bewerbungsrunde um einen Ausbildungsplatz leer ausgegangen. Bei einer Nachvermittlungsaktion von Arbeitsagentur, Jobcenter und Kammern hatten sie nun die Chance, vielleicht doch noch eine Lehrstelle zu ergattern.

Das neue Ausbildungsjahr hat längst begonnen. Doch noch immer sind Hunderte Lehrstellen in Bremen unbesetzt. Gleichzeitig gibt es zahlreiche Jugendliche, die sich bisher erfolglos beworben haben. Insgesamt 252 Kandidaten hatte die Bremer Arbeitsagentur deshalb in den vergangenen beiden Tagen zum Nachvermittlungsgespräch eingeladen. Lediglich 112 nahmen die Gelegenheit wahr. Allen wurde ein Ausbildungsplatz oder eine Einstiegsqualifizierung angeboten, hieß es gestern bei der Arbeitsagentur. Warum nicht mal die Hälfte der Eingeladenen erschienen ist, dafür gibt es laut Carola Brunotte, Leiterin der Berufsberatung bei der Arbeitsagentur Bremen, mehrere Gründe: "Einige haben kurz vorher noch einen Ausbildungsplatz gefunden oder sich doch noch für ein Studium entschieden. Doch es gibt sicher auch andere, die nach erfolgloser Suche frustriert sind und keinen Sinn darin sehen, sich im Endspurt noch mal zu bewerben."

Lesen Sie auch

Anders Daniel Gering. Der 21-Jährige möchte gern "was mit Holz" machen, am liebsten als Tischler. 15 Bewerbungen hat er geschrieben. Er war auch bei mehreren Vorstellungsgesprächen. Doch aus dem ersehnten Ausbildungsplatz wurde nichts. Kein Wunder, meint Arbeitsvermittler Frank Eickhoff, im Beratungsgespräch. Zweimal ein Schuljahr wiederholt und die Realschule in den Hauptfächern Mathe, Deutsch und Englisch mit der Note "Vier" abgeschlossen, das ist nun mal nicht die beste Eigenwerbung.

Fehltage sind K.-o.-Kriterium

Eickhoffs Erfahrung ist aber auch, dass Zensuren nicht immer das Ausschlaggebende sind. Oft sei zum Beispiel wichtiger, "dass im Zeugnis nicht zu viele Fehltage stehen, das wird als Unzuverlässigkeit gewertet". "Fehltage sind ein K.-o.-Kriterium", meint auch Martina Bartels, Ausbildungsvermittlerin bei der Handwerkskammer Bremen, die zusammen mit Eickhoff an diesem Tag die Beratungsgespräche führt.

Dabei wird mit den Bewerbern immer auch nach Alternativen zum Traumberuf gesucht. Wie wäre es zum Beispiel mit einer Ausbildung zum Zimmermann oder zum Holzmechaniker, wollen die Vermittler von Daniel Gering wissen. Der wirkt unentschlossen. Möglicherweise, so erklärt er, will er im nächsten Jahr nach Berlin umziehen. Dort lebt sein Bruder. Vielleicht, so seine Hoffnung, kann er ja dort dann eine passende Ausbildungsstelle finden. Auch bei der Suche in Berlin könne die Bremer Arbeitsagentur helfen, sagt Eickhoff Er warnt jedoch vor allzu großen Illusionen. Bei einem Blick in den Computer stellt er schnell fest: Aktuell gibt in ganz Berlin gerade mal eine gemeldete Ausbildungsstelle für künftige Tischler. In Bremen gar keine. Dafür aber zwei in der Umgebung. Das Angebot eines Betriebs in Ganderkesee scheint genau auf Daniel Gering zugeschnitten.

Lesen Sie auch

"Die suchen jemanden mit Realschulabschluss, machen aber keine Notenvorgaben. Das ist gut", glaubt Eickhoff. "Da kann man durch den persönlichen Eindruck punkten." Und das ist der Firma, eine Möbeltischlerei, offenbar wichtig. "Wir legen großen Wert auf sauberes und korrektes Auftreten, da wir viele Privatkunden haben", heißt es in der Stellenausschreibung. Auch ein Betrieb in Delmenhorst hat noch eine freie Lehrstelle zu bieten. Daniel Gering bekommt die Adressen ausgehändigt.

Beide Unternehmen wollen mögliche Bewerber erst mal in einem Praktikum testen. "Das ist okay für mich", sagt der 21-Jährige. Auch mit einer Einstiegsqualifizierung wäre er einverstanden. Diese Langzeitpraktika dauern in der Regel sechs bis zwölf Monate und können unter bestimmten Umständen auf die Berufsausbildung angerechnet werden. "Gerade für schwache Jugendliche ist so eine Qualifizierung eine gute Möglichkeit, sich im Betrieb zu beweisen", meint Arbeitsvermittler Eickhoff. Die Übernahmechancen seien gut. "Rund zwei Drittel aller Jugendlichen werden danach in eine reguläre Ausbildung übernommen." Eine Chance, die auch Daniel Gering gern nutzen würde. "Ich werde mich auf jeden Fall bewerben", kündigt er an.

Metallbauer gesucht

Für Berater Eickhoff ist der junge Mann ein "Standardkunde für die Nachvermittlung". Er habe schon Vieles gemacht – Freiwilliges Soziales Jahr, mehrere Jobs, abgebrochener Anlauf zum Fachabi – aber eben nicht den Sprung in einen Betrieb geschafft. Dass er sich einen Wunschberuf ausgesucht habe, der sehr begehrt sei, mache die Sache nicht einfacher, ergänzt die Ausbildungsvermittlerin der Handwerkskammer. Bedarf gebe es dagegen noch im Friseurhandwerk und dem Lebensmittelfachhandel. Gesucht würden auch Metallbauer, Anlagenmechaniker für Sanitär, Heizung und Klimatechnik, Bodenleger oder auch Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik.

Nach Angaben der Bremer Arbeitsagentur haben sich in diesem Jahr rund 4200 junge Ausbildungssuchende an die Behörde gewandt. Von den Unternehmen seien etwa ebenso viele Lehrstellen gemeldet worden. "Rein rechnerisch hätte also jeder Topf einen Deckel finden müssen", sagt Carola Brunotte. Doch Wunsch und Angebot passten eben nicht immer zusammen. Oft klafften die Ansprüche der Ausbildungsbetriebe und die Voraussetzungen der Bewerber weit auseinander.

Nach den Erfahrungen in der Vergangenheit rechnet Brunotte deshalb mit "nicht mehr als 30" nachvermittelten Ausbildungsverträgen. Doch auch das sei ja schon ein Erfolg, betont die Leiterin der Berufsberatung. "Für uns zählt jeder Einzelfall. Und da ist es wichtig, dass wir auch noch die letzte Chance nutzen."

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+