Unbekannte Ausbildungsberufe erklärt

Was der Rohrleitungsbauer macht

Es gibt in Bremen nicht viele von ihnen, oft arbeiten sie unterirdisch, aber ohne sie blieben die Heizungen kalt und die Duschen trocken. Der Rohrleitungsbauer ist ein unterschätzter Beruf.
10.09.2020, 05:57
Lesedauer: 4 Min
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Was der Rohrleitungsbauer macht
Von Felix Wendler
Was der Rohrleitungsbauer macht

Kräftig anpacken – das muss ein Rohrleitungsbauer auf jeden Fall können.

Markus Scholz

Wie läuft es bei der Arbeit? Meistens unterirdisch. Klingt vernichtend, aber ist die Wahrheit, wenn es der Rohrleitungsbauer sagt. Unzufrieden ist er deshalb noch lange nicht – im Gegenteil. Unterirdisch meint lediglich das Haupteinsatzgebiet der Rohrleitungsbauer. Dass hinter dem sperrigen Begriff in der Praxis dann doch ein bisschen mehr steckt, als nur in der Erde rumzuwühlen, erklärt Roman Schmidt. Er ist Bauleiter bei der Firma Rohr- und Tiefbau Hoya (RTH), die Zweigstellen in ganz Norddeutschland hat. „Wir machen alles, was die Versorgungsleistung betrifft“, sagt Schmidt, der in der Bremer Niederlassung arbeitet. „Übersetzt heißt das: Wir tragen einen großen Teil dazu bei, dass die Leute eine warme Wohnung, fließendes Wasser, Elektrizität und einen Internetanschluss haben.“

Weil das ein Dauerthema ist, Rohre und Leitungen nicht nur gebaut und verlegt, sondern auch regelmäßig gewartet werden müssen, mangelt es den Rohrleitungsbauern nicht an Aufträgen. Entsprechend gebe es auch immer Bedarf an Auszubildenden, sagt Schmidt. Der Bauleiter, selbst erst 26 Jahre alt, ist bei der RTH seit drei Jahren auch für Teile der Ausbildung im Bereich Rohrleitungsbau zuständig. 15 Auszubildende lerne die Firma gerade an. Schmidt gibt regelmäßig Schulungen. „Und auch mal individuelle Nachhilfe, wenn es notwendig ist.“ Für den Beruf seien vor allem gute Mathematikkenntnisse wichtig, sagt Schmidt. Die RTH fordert von den Bewerbern einen guten ­Hauptschulabschluss. Und sonst so? „Die Auszubildenden sollten natürlich etwas wetterfest und körperlich fit sein.“ Es sei nun mal ein Beruf an der frischen Luft, bei dem man sich auch mal die Hände schmutzig machen müsse.

Glasfaserausbau als Chance

Schmidt selbst arbeitet mittlerweile auch regelmäßig im Büro, organisiert das Personal, überwacht die Abläufe auf der Baustelle. Seine eigene Ausbildung hat er verkürzt, zwei statt der üblichen drei Jahre, dafür aber nebenbei auch noch dual an der Ostfalia-Hochschule in Suderburg Bauingenieurwesen studiert. Einen ähnlichen Weg will jetzt einer seiner Schützlinge gehen. Linus Köneking, 20, hat gerade seine Ausbildung beendet. Auch er hat auf zwei Jahre verkürzt, möchte studieren und dann Bauleiter werden. „Die Branche hat Zukunft“, sagt Köneking. „Der Glasfaserausbau boomt, da gibt es für die Rohrleitungsbauer viele Aufträge zu holen.“ Oft stehe hinter den Projekten ein großer Versorger, sagt Schmidt. Aufträge würden ausgeschrieben oder mit Jahresverträgen vergeben.

Wie es dann auf der Baustelle konkret­ ­aussieht, hänge vom Projekt ab. Für eine ­sogenannte Kleinstbaustelle, zum Beispiel ein Hausanschluss, bei dem von Öl auf Gas ­umgestellt werde, seien häufig zwei Leute­ ausreichend. Bei größeren Aufträgen für die Stadt kämen auch schon mal 15 Mitarbeiter ­zu­sammen, sagt Schmidt. Rohrleitungsbauer reißen nicht schlicht den Boden auf und ­verlegen dann ein paar Rohre. „Vorher ­müssen wir eine Verkehrsgenehmigung einholen, die Straße absperren und abklären, was es schon an fremden Anlagen gibt. Die dürfen wir natürlich nicht ­beschädigen“, sagt der Bauleiter.

Auch der Tiefbau, also das unterirdische Verlegen der Rohre, unterscheide sich je nach Gegebenheit. Mal werde ein klassischer Graben mit dem Bagger aufgerissen, mal komme eine spezielle Erdrakete zum Einsatz, mit der unterirdisch Leitungen verlegt werden können. „Das machen wir, wenn die Oberfläche unbeschädigt bleiben soll. Zum Beispiel bei einer wichtigen Straße“, sagt Schmidt. Der Beruf sei sehr vielseitig, und genau das wolle er auch in der Ausbildung vermitteln. „In den drei Jahren sollen die Auszubildenden möglichst viele unterschiedliche Baustellen kennenlernen“, sagt Schmidt.

Nischenberuf mit Potential

Bevor die Auszubildenden regelmäßig auf der Baustelle zum Einsatz kommen, gibt es zumindest bei der RTH erst mal einiges an Trockenübungen. Neun Monate verbringen die angehenden Rohrleitungsbauer in einem großen Ausbildungszentrum in Bad Zwischenahn. „Dort haben wir alle wichtigen Grundfertigkeiten ­gelernt“, sagt Linus Köneking. Ein großer Bestandteil dabei: das Schweißen. Auch andere Verbindungsmöglichkeiten wie Löten und Kleben gehören zum Ausbildungsprogramm.

Dazu kommt der theoretische Unterricht in der Berufsschule, wo die Auszubildenden zum Beispiel etwas über die verschiedenen Bodenarten lernen. „Bei mir war auch der Theorieunterricht immer ganz lebendig“, sagt Köneking. Trotzdem überwiege natürlich der Spaß an der Praxis. „Das Arbeiten an der frischen Luft gefällt mir am besten“, sagt der 20-Jährige. Die ersten Tage auf der Baustelle habe er am Abend schon ordentlich gespürt, aber die körperliche Belastung sei reine Gewöhnungssache.

Linus Köneking sieht sich mit seiner Ausbildung gut aufgestellt. „Die Perspektiven sind gut“, sagt auch Schmidt. Es gebe viele Möglichkeiten zur Weiterbildung – zum Beispiel als Stahlschweißer. Auch die Aufstiegschancen seien gut: Facharbeiter, Spezialfacharbeiter, Vorarbeiter, so könnte der Weg aussehen. „Zuletzt ist das Interesse an der Ausbildung sogar leicht gestiegen“, sagt Schmidt. Die Handelskammer Bremen hingegen sieht den Rohrleitungsbauer weiterhin als klassischen Nischenberuf. Jährlich gleichbleibend verzeichne man in Bremen etwa eine Handvoll Auszubildender, teilt ein Sprecher mit. Schmidt ist trotzdem optimistisch, erwartet durch den Ausbau der E-Mobilität und die dafür notwendigen Stromtrassen noch mehr Aufträge für seine Branche. Er ist überzeugt: „Das ist ein sicherer Beruf.“

Weitere Informationen

Im abschließenden Serienteil folgt ein Fazit zur aktuellen Ausbildungssituation.

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