Verkehrsunternehmen fahren Betrieb hoch

Deutsche Bahn sperrt Ticketverkauf für volle Züge

Bei der Deutschen Bahn steigt im Regional- und im Fernverkehr die Auslastung wieder. Wie dabei die Bahn-App helfen soll und wie in Bremen die BSAG und andere Verkehrsunternehmen den Betrieb hochfahren.
26.05.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Matthias Arnold und Florian Schwiegershausen
Deutsche Bahn sperrt Ticketverkauf für volle Züge

Die Deutsche Bahn will die Auslastung ihrer Züge im Netz und in der App besser anzeigen – und notfalls Grenzen für den Verkauf setzen.

Arne Dedert/DPA

Mit der Öffnung von Hotels und Gaststätten in ganz Deutschland werden die Verbraucher in der Corona-Krise wieder reisemutiger. „Wir merken, dass die Menschen anfangen, etwas sicherer zu werden, und wieder längerfristig buchen“, sagte der Deutsche-Bahn-Vorstand Berthold Huber am Montag.

Die Fahrgastzahlen nähmen wieder zu. „Wir liegen im Moment bei etwa 50 Prozent des Vorjahresniveaus“, ergänzte er mit Blick auf die Buchungen. Allein am vergangenen Feiertagswochenende seien mehr als 750 000 Menschen mit dem Zug gefahren und damit etwa halb so viele wie im Jahr davor.

Was nach wenig klingt, ist für den bundeseigenen Konzern eine große Erleichterung. Seit Mitte März waren die Fahrgastzahlen um rund 90 Prozent eingebrochen. Gleichzeitig hatte die Bahn ihr Angebot im Fernverkehr aber lediglich um etwa ein Viertel reduziert. Das hatte insbesondere bei Gewerkschaften Kritik ausgelöst, die sich um die Gesundheit der Beschäftigten sorgten.

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Um nun die Fahrgäste möglichst breit auf verschiedene Züge zu verteilen, passt das Unternehmen die Auslastungsanzeige in der Bahn-App für das Smartphone an, über die Reisende ihre Fahrten buchen können, ebenso im Internet auf bahn.de. Fortan sollen dort bereits zu 50 Prozent ausgebuchte Züge als ausgelastet angezeigt werden. Steigen die Buchungen weiter, könne auch der Ticketverkauf ausgesetzt werden, hieß es.

Eine Reservierungspflicht schließt die Deutsche Bahn aus. „Eine solche Pflicht führt nicht per se dazu, dass die Züge weniger ausgelastet sind“, sagte Huber. Wer allerdings am Montag in der App oder im Netz eine Verbindung für die kommenden Tage suchte, fand überhaupt keine Info zur Zugauslastung. Der Verbraucherzentrale Bundesverband kritisierte denn auch, dass die Auslastungsanzeige nicht immer gut funktioniere. Sie beziehe sich nur auf die Gesamtstrecke, nicht aber auf Teilstrecken, teilte der Verband mit. Das habe teilweise zu falschen Anzeigen geführt: „Hoch ausgelastete Züge waren teilweise leer und umgekehrt.“

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Angesichts der steigenden Nachfrage sollen die Kapazitäten wieder schnell zunehmen: Auf besonders gefragten Verbindungen wie von Berlin ins Ruhrgebiet sowie von dort weiter in den Süden Deutschlands würden fortan wieder ICE-Doppelzüge fahren. In der Krise fiel der zweite Zug weg. Im Regionalverkehr liege man bundesweit bereits bei rund 95 Prozent des Angebots, sagte Huber.

Doch auf dem Weg zurück zur Normalität hat der bundeseigene Konzern noch ein großes Stück vor sich. Das lässt sich nicht nur an den nach wie vor niedrigen Fahrgastzahlen ablesen, sondern auch an den Sicherheitsvorkehrungen, die die Bahn inmitten der Krise anstellen muss. Dazu gehört etwa die dringliche Empfehlung, Mund-Nase-Bedeckungen in den Zügen zu tragen.

Bei der Nordwestbahn sind nach Unternehmensangaben alle Züge durchgängig gefahren. Lediglich das Kundencenter am Bremer Hauptbahnhof hatte geschlossen. Sinkende Fahrgastzahlen gab es auch hier, wie Sprecher Steffen Högemann sagt: „Wir hatten da einen Rückgang von bis zu 80 Prozent. Auf der RS1 von Bremen-Farge über Bremen Hauptbahnhof bis Verden sind wir aber inzwischen wieder bei einer Auslastung von 50 Prozent.“

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Gerade im Raum Bremen steigen die Fahrgastzahlen wesentlich schneller als in anderen Ecken des Weser-Ems-Gebiets. Demnächst werden die Mitarbeiter der Nordwestbahn die Fahrkarten in den Zügen noch stärker kontrollieren als das jetzt der Fall ist. Ab Juni werden bei der Bremer Straßenbahn AG (BSAG) die Ticketkontrolleure im Einsatz sein. Und Passagiere sollen Fahrkarten auch wieder beim Busfahrer kaufen können. Dazu habe bereits die Hälfte aller 230 Busse eine Trennscheibe, um für die Mitarbeiter das Infektionsrisiko zu minimieren. Bei den restlichen Bussen erfolgt der Einbau in den kommenden drei Wochen.

Seit dem 4. Mai fährt die BSAG wieder im normalen Takt. „Da haben die Fahrgastzahlen leicht angezogen, und mit der Wiedereröffnung des Einzelhandels ist nochmals der Bedarf gestiegen“, sagt Sprecher Jens-Christian Meyer. Dennoch seien die Bahnen leer. Nun gehe es darum, dass die Fahrgäste auch wieder zurückkommen. Der übliche Wechsel in den Sommerferienfahrplan soll zum 15. Juli erfolgen. Er läuft bis 30. August.

Dass der Passagier wie bei der Bahn-App die Auslastung der BSAG-Fahrzeuge sehen kann, würde laut Meyer entsprechend technischen Aufwand bedeuten: „Dann müsste jeder Fahrgast einen Chip haben, mit dem man ihn beim Ein- und Ausstieg zählen kann.“ Die Fahrzeuge bräuchten die Technik auch an den Türen. Zumindest können die Passagiere die BSAG-Abfahrten in Echtzeit auf der App der Deutschen Bahn einsehen. Damit haben die Transportunternehmen in so manchen anderen Städten immer noch ihre Probleme.

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Zur Sache

Ticketkauf wieder beim Fahrer

Ab Montag, 1. Juni, soll der Ticketkauf beim Fahrer in einigen Bussen der Bremer Straßenbahn AG (BSAG) wieder möglich sein. Zudem werden auch Fahrkarten wieder kontrolliert. Das teilt die BSAG mit. Sobald ein Bus entsprechend mit einer Plexiglasscheibe ausgerüstet sei, sollen Fahrgäste wieder vorne einsteigen und dort auch Fahrkarten kaufen können. Bis alle etwa 230 Busse ausgestattet seien, könne es aber bis zu drei Wochen dauern. Noch nicht umgerüstete Busse können Fahrgäste am Aufkleber „Kein Ticketverkauf – bitte hinten einsteigen“ an der ersten Tür erkennen. Fahrgästen wird daher immer noch empfohlen, das Ticket vorerst weiterhin im Vorverkauf, am stationären Automaten oder mit dem Handy zu erwerben.

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