Bremen

Autoexperte: Leasingverträge treiben Händler in die Pleite

Bremen. Der Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer hat vor einem großen Händlersterben wegen falsch berechneter Leasingverträge gewarnt. „Die Autohäuser haben die Verträge der Leasingfahrzeuge mit zu hohen Restwerten gerechnet“, sagte Dudenhöffer dem WESER KURIER.
27.01.2010, 18:20
Lesedauer: 2 Min
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Von Günther Hörbst

Bremen. Mit immer höheren Rabatten kämpfen Hersteller und Händler um die Gunst der deutschen Autokäufer. Im Januar hat Peugeot für den 308 mit 44,3 Prozent Nachlass den bisherigen Höchstwert seit dem Ende der Abwrackprämie erreicht, hat das Center Automotive Research des Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer an der Universität Duisburg-Essen herausgefunden. Zugleich seien die Preisvorteile bei Internetvermittlern sowie die Zahl der taktischen Kurz- oder Tageszulassungen gestiegen.

'Der hohe Preisdruck zeigt die schwierige Situation des deutschen Automarktes nach der Abwrackprämie', sagt Dudenhöffer. Der Trend zu kräftigen Nachlässen werde sich in den kommenden Monaten fortsetzen: 'Die Verfassung des deutschen Automarktes ist schlecht. Der Höhepunkt bei den Nachlässen ist noch nicht erreicht.' Bis zum Frühjahr nehme die Zahl der Rabattaktionen traditionell zu. Zu dem Rekordnachlass von 6597 Euro auf einen Listenpreis von 14900 Euro kommt Dudenhöffer bei dem Peugeot 308 der 'Easy Drive Tarif'. Dahinter verberge sich ein 48-Monats-Leasing mit eingeschlossener Anschluss-Garantie und kostenlosen Wartungen bei null Euro Anzahlung und 129 Euro Monatsrate. Zinsen, Wartungen, Anschluss-Garantie und ein Teil der Abschreibung würden dem Kunden geschenkt.

Diese Form der Leasingangebote wirkt sich nach dem Urteil des Autoexperten für viele Händler aber oft fatal aus. 'Der Punkt ist: Wie setzt man den Restwert an, wenn der Wagen nach zwei oder drei Jahren zurückgegeben wird?', fragt Dudenhöffer. 'In der Regel wird der Restwert beim Abschluss des Leasingvertrags zu hoch angesetzt. Wenn die Händler das Auto dann weiterverkaufen wollen, bleiben sie auf der Differenz sitzen.'

Das kann einen Händler dann oft schnell in große Schwierigkeiten bringen. Mehrere Volkswagen-Händler schlitterten deshalb im vergangenen Jahr in finanzielle Probleme. So etwa Auto Küttner aus Lübeck oder die Firma Mahag aus München. 'Volkswagen, BMW und Mercedes haben 2009 jeweils rund 50 Millionen Euro in ihre Händler gepumpt, um sie vor dem Aus zu bewahren', sagt der CAR-Chef. Die Konditionen der Leasing-Autos würden von den Händlern einfach mit zu hohen Restwerten gerechnet, sagt Dudenhöffer.

Er sagt deshalb für 2010 ein 'ein großes Händlersterben' voraus. Das dicke Ende komme nämlich erst noch. Dudenhöffer: '2009 wurden die Restwerte wegen der Krise ja schon vorsichtiger gerechnet. 2008 und 2007 wurde wegen der guten Marktlage aber noch arg geschludert. Da liegen noch viele Leichen im Keller.' Im Klartext: Wenn Leasingkunden in diesem Jahr ihre Autos wieder beim Händler abliefern, dürfte die Differenz zwischen tatsächlichem und vertraglich vereinbartem Restwert noch erheblich höher liegen.

Dazu komme noch, dass die Abwrackprämie die komplette Preisstruktur verdorben habe. 'Ich gehe davon aus, dass in diesem Jahr noch zahlreiche Händler aufgeben müssen. Es wird auch große Gruppen treffen', sagt Dudenhöffer. Zudem würde die Autohäuser in Deutschland ein Dreiklang von ungünstigen Entwicklungen noch zusätzlich belasten: Für dieses Jahr erwartet die Branche einen Rückgang des Neuwagenabsatzes um rund eine Million Fahrzeuge. Die erwarteten 2,8 Millionen Neuwagen werden den Händlern aber aufgrund des massiven Rabattkampfes in der Branche deutlich weniger Erträge einbringen. Und schließlich werden sich die Verluste weiter erhöhen, weil die Händler in den Jahren zuvor mit falschen Restwerten bei Leasingfahrzeugen gerechnet haben.

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