Kreditstundung

Bremer Banken setzen Zahlungsaufschub fort

Das gesetzliche Moratorium, um Kreditzahlungen auszusetzen, ist Ende Juni ausgelaufen. Jedes Geldhaus in Bremen geht es nun anders bei den Kunden an, die weiterhin Probleme beim Bedienen der Kredite haben.
18.07.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Bremer Banken setzen Zahlungsaufschub fort
Von Florian Schwiegershausen
Bremer Banken setzen Zahlungsaufschub fort

Wenn das Geld fehlt: Per Gesetz erlaubte die Bundesregierung, dass Verbraucher bis Ende Juni die Zahlung von Krediten und Rechnungen für Strom, Gas und Telefon aussetzen konnten. Die Verbraucherzentrale Bundesverband fordert eine Verlängerung dieses Moratoriums.

Peter Steffen /dpa

Die Zeit der Stundungen ist vorbei. Die Bundesregierung hat das Moratorium, das die Stundung von Miete, Darlehen, Strom, Gas und Telefonverträgen erlaubte, nicht über den 30. Juni hinaus verlängert. Die Banken schauen genau hin, wie es um die Zahlungen säumiger Kunden steht. Jedem Geldhaus bleibt es selbst überlassen, wie es mit ausbleibenden Raten umgeht.

Die Commerzbank hat sich bereit erklärt, bis längstens zum Jahresende die Zahlungen zu stunden. Voraussetzung sei, dass die Ratenzahlung einen angemessenen Lebensunterhalt gefährden würde. Sprecherin Dagmar Baier sagt: „Für die Stundung müssen Gründe vorliegen, die coronabedingt sind, also zum Beispiel durch Kurzarbeit.“

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Bundesweit wurden bisher mehr als 33.000 Kredite gestundet mit einem Volumen von mehr als 3,4 Milliarden Euro. Regional werden diese Zahlen nicht heruntergebrochen. „Für Bremen können wir jedoch sagen, dass die Nachfrage nach Kreditstundungen tendenziell stagniert“, ergänzt Baier. Das Geldhaus verzeichne bisher wenige Ausfälle.

Die Deutsche Bank konnte feststellen, dass die Zahl der Stundungsanträge inzwischen deutlich langsamer ansteigt als im Frühjahr. Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Karl von Rohr sagte der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“: „Wir haben bislang insgesamt etwa 70.000 Stundungsanträge von Privatkunden der Deutschen Bank und der Postbank erhalten.“ Dabei handle es sich um einen einstelligen Prozentsatz des Kreditportfolios der Bank. Zahlen für Bremen und die Region liegen hier genauso wie bei der Commerzbank nicht vor.

Anträge auf Stundung zurückgegangen

Bei der Sparkasse Bremen haben nach Auskunft des Geldinstituts bisher 500 Privatkunden und eine entsprechend große Anzahl an Firmen- und Geschäftskunden Stundungen in Anspruch genommen. Dabei gehe es um die Finanzierung von Immobilien und Investitionen. Sparkassen-Vorstandsmitglied Thomas Fürst sagt: „Dies entspricht einem Anteil von 2,5 Prozent.“ Laut Fürst sind die Anträge auf Stundung seit mehreren Wochen zurückgegangen: „Lediglich bei Privatkunden verzeichnen wir derzeit wieder einen leichten Anstieg der Anträge.“ Dies führt die Sparkasse auf das Auslaufen des Moratoriums zurück. Bei jedem Stundungsantrag werde entsprechend der gesetzlichen Vorgaben geprüft, „inwieweit die Kundin oder der Kunde realistischer Weise in der Lage sein wird, den vereinbarten Kapitaldienst zu erbringen“.

Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) hatte vor einer Woche vor einer neuen Bankenkrise gewarnt. Laut der IWH-Analyse sind vor allem viele Sparkassen und Genossenschaftsbanken gefährdet: „Im optimistischen Szenario, bei dem sich die deutsche Wirtschaft rasch erholt, wären immerhin sechs Prozent und damit Dutzende hiesige Geldhäuser gefährdet. Hingegen würden im pessimistischen Szenario einer langen Wirtschaftsflaute bis zu 28 Prozent und damit hunderte Banken in ernste Schwierigkeiten geraten.“

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Der Vorstand der Bremischen Volksbank, Detlev Herrmann, kann das nicht nachvollziehen: „Das erkennen wir in unserem Kreditportfolio überhaupt nicht.“ Im Firmenkundengeschäft des Geldinstituts sei mit 40 Kunden, im Privatbereich mit 20 Kunden eine Übereinkunft zum Zahlungsaufschub getroffen worden. „Wir haben die Moratorien überhaupt nicht zur Anwendung bringen müssen, sondern haben mit jedem Kunden individuelle Vereinbarungen getroffen“, so Herrmann. Dazu zählten Tilgungsaussetzungen für mehrere Monate oder auch ein Jahr.

Der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken forderte gerade erst erweiterte Hilfen für kleine und mittlere Unternehmen. BVR-Präsidentin Marija Kolak: „Wir sehen mit Blick auf den Mittelstand, dass von der Corona-Pandemie geschwächte Unternehmen zunehmend staatliche Unterstützung zur Stärkung ihres Eigenkapitals benötigen.“ Eigentlich wollte Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) das Zahlungsmoratorium per Verordnung bis September verlängern, sie soll sich gegen Einwände von den CDU- und CSU-geführten Ministerien nicht habe durchsetzen können.

Wirtschaftlichen Folgen werden sich erst noch sukzessive zeigen

Der Verbraucherzentrale Bundesverband hätte diese Verlängerung sehr begrüßt. „Wir stellen uns darauf ein, dass die wirtschaftlichen Folgen sich erst noch sukzessive zeigen werden. Es ist nicht ausgeschlossen, dass noch weitere Unternehmen wie Airbus in Bremen Stellen abbauen werden“, sagt Dorothea Mohn, Finanzexpertin des Bundesverbands, auf Anfrage des WESER-KURIER.

Sie sehe ein Kreditmoratorium als echte Hilfe für Verbraucher an, um Zeit zu gewinnen, sich neu zu sortieren und den Kredit später weiter zu bedienen. „Wir würden uns wünschen, dass die Bundesregierung auch hier weiter auf Sicht fährt, und wenn es in Richtung Herbst notwendig wird, ein solches Moratorium zu reaktivieren.“ Der Bundesverband sammelt seit Juni die Erfahrungen von Verbrauchern, die sie mit der Stundung gemacht haben. Für ein Fazit brauche es noch etwas Zeit.

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