Nach Insolvenz von Bremer Reederei Belgier kaufen Beluga-Offshore-Anteile

Bremen·Essen. Der US-Finanzinvestor Oaktree hat wie erwartet die Offshore-Sparte der Beluga-Gruppe verkauft. Der 50-prozentige Anteil am ehemaligen Gemeinschaftsunternehmen Beluga Hochtief Offshore wird vom belgischen Unternehmen GeoSea übernommen.
07.07.2011, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Krischan Förster

Bremen·Essen. Der US-Finanzinvestor Oaktree hat wie erwartet die Offshore-Sparte der Beluga-Gruppe verkauft. Der 50-prozentige Anteil am ehemaligen Gemeinschaftsunternehmen Beluga Hochtief Offshore (BHO) wird von dem belgischen Unternehmen GeoSea übernommen. Das teilte der Essener Baukonzern Hochtief gestern mit. Erstes Gemeinschaftsprojekt der beiden neuen Partner wird das noch zu Beluga-Zeiten für 190 Millionen Euro in Auftrag gegebene Installationsschiff "Innovation", das gerade auf der polnischen Crist-Werft gebaut wird.

Beluga-Gründer Niels Stolberg hatte sich vor zwei Jahren mit der Wasserbausparte des Essener Baukonzerns zusammengetan. Mit einer ganzen Flotte von Offshore-Spezialschiffen wollte er für seine Reederei ein neues Geschäftsfeld erschließen und einen lukrativen Zukunftsmarkt erobern. Anfang März war Stolberg jedoch nach Vorwürfen wegen Bilanzfälschung entmachtet worden und Oaktree hatte die Kontrolle über die Reederei übernommen.

Bereits mit Beginn der Insolvenzwelle Mitte März waren Branchenexperten davon ausgegangen, dass sich der US-Finanzinvestor möglichst schnell und gewinnbringend der Offshore-Aktivitäten entledigen wollte. Hochtief wiederum hatte starkes Interesse signalisiert, das Unternehmen weiterzuführen, notfalls auch in Eigenregie.

Halbe Milliarde Umsatz angepeilt

Denn die Geschäftsaussichten sind angesichts der anstehenden Milliardeninvestitionen ausgesprochen gut, allein Deutschland will bis Ende des Jahrzehnts 10.000 Megawatt an Leistung in Nord- und Ostsee installieren. Nur fehlt es bislang weltweit an geeigneter Spezialtonnage. Wer dagegen Schiffe im Angebot hat, kann mit einem glänzenden Verdienst rechnen. Hochtief rechnet nach eigenen Angaben im kommenden Jahr mit einem Umsatz von einer halben Milliarde Euro im Offshore-Geschäft. Die noch gar nicht gebaute "Innovation I" ist längst langfristig verchartert. Per Vorratsbeschluss hatte der Konzernvorstand deshalb schon vor Wochen die nötige Summe für eine Übernahme aller BHO-Anteile bereitgestellt.

Nun aber ist ein neuer Partner gefunden, der in die Rolle von Beluga schlüpfen soll. Wie hoch der Kaufpreis war, den Oaktree verlangt hat, wurde nicht mitgeteilt. Branchenexperten hatten ihn mit etwa 30 Millionen Euro taxiert. Allein der Beluga-Eigenkapitalanteil am neuen Schiff soll damals bei 22,5 Millionen Euro gelegen haben.

GeoSea ist vom Fach. Die Tochtergesellschaft der DEME-Gruppe dürfte ein lohnendes Investment sehen: Die Belgier betreiben bereits eine ansehnliche Offshore-Flotte mit dem weltweit größten Kranschiff "Goliath" und mehreren Hubinseln. Letztere hat auch Hochtief mit der "Odin" und der "Thor" zu bieten. Zusammen dürften beide Firmen heute bereits einer der stärkste "Spieler" am Markt sein. Man kennt sich zudem von gemeinsamen Projekten vor Belgien, vor Irland, in der Ostsee und bei "alpha ventus", dem ersten Windpark in der Nordsee.

Künftig firmiert das Joint Venture von Hochtief und GeoSea unter dem Namen HGO Infra Sea Solutions. Unternehmenszweck: Entwicklung, Bau, Bereederung und Vercharterung von Spezialschiffen für Offshore-Windparks sowie die Öl- und Gasindustrie. Erstes Gemeinschaftsprojekt wird das 190 Millionen Euro teure Errichterschiff "Innovation I", das ab Mitte 2012 einsatzbereit ist und den Windpark "Global Tech I" gut 90 Kilometer nordwestlich der Insel Juist errichten soll.

Basishafen dafür wird Bremerhaven, wo die BLG die sogenannte ABC-Halbinsel im Kaiserhafen gerade als provisorische Offshore-Umschlagplattform für die Fundamente von Weserwind herrichtet. Kunde ist zudem der Turbinenhersteller Areva. Hochtief hat sich selbst zum Ziel gesetzt, jedes Jahr zwei Windparks zu bauen und parallel zwei weitere in Planung zu haben. Der Flottenzugang aus Polen kommt da gerade recht. "Die ,Innovation I' wird die Montage- und Servicezeiten für Offshore-Windturbinen erheblich reduzieren", sagt DEME-Chef Alain Bernard. Aber auch im Wartungs- und Reparatur-Geschäft von Windkraftanlagen soll die neue Firma HGO aktiv werden.

Die "Innovation" gilt als eine der weltweit leistungsfähigsten Einheiten ihrer Art. Das 147 Meter lange und 42 Meter breite Hub-Kran-Schiff kann 8000 Tonnen zuladen, Komponenten bis 1500 Tonnen Gewicht heben und in Wassertiefen von bis zu 50 Metern operieren. Die Flotte soll in den kommenden Jahren wachsen: "Da die Nachfrage nach Offshore-Errichtergerät so enorm groß ist, planen wir den Bau weiterer Spezialschiffe", sagt Henner Mahlstedt, Vorstandschef von Hochtief Solutions. Dann dürfte sich auch die Zahl der derzeit 20 Beschäftigten am Unternehmenssitz Bremen deutlich erhöhen.

Bremerhaven dürfte von den Offshore-Aktivitäten noch stärker profitieren. Denn neben Hochtief will ab Herbst dieses Jahres mit RWE ein zweiter Konzern aus Essen von Bremerhaven aus mit dem Aufbau von Windparks in der Nordsee beginnen.

RWE lässt zwei Errichterschiffe in Korea bauen, die jeweils rund 100 Millionen Euro kosten. Für die Verladung der tonnenschweren Fundamente wurde von Eurogate der Südzipfel des Containerterminals direkt am Weserufer für zunächst zwei Jahre gepachtet. Rund 35 Kilometer nordöstlich vor Helgoland sollen im ersten RWE-Offshore-Park "Nordsee Ost" 48 Windräder der Sechs-Megawatt-Klasse installiert werden. Ab 2013 soll die Anlage knapp 300.000 Haushalte mit Strom versorgen. Parallel wird vor der walisischen Küste der Windpark "Gwynt y Môr" (576 Megawatt) errichtet.

RWE hatte angekündigt, in einem ersten Schritt 50 bis 70 neue Arbeitsplätze in Bremerhaven zu schaffen. Weitere Jobs dürften beim Logistikpartner Linnhoff und bei der Reederei NSB entstehen, die das Management der beiden Schiffe übernimmt.

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