Weniger Lehrstellen im Handwerk Betriebe bilden weniger aus

Bremen. Die deutsche Wirtschaft klagt über Fachkräftemangel, bildet zugleich aber weniger aus. Auch in Bremen ist die Zahl der Verträge leicht zurückgegangen.
13.03.2013, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Betriebe bilden weniger aus
Von Petra Sigge

Bremen. Die deutsche Wirtschaft klagt über Fachkräftemangel, bildet zugleich aber weniger aus. So wurden im vergangenen Jahr 2,4 Prozent weniger Lehrstellen angeboten als noch 2011. Das geht laut "Handelsblatt" aus dem noch unveröffentlichten Berufsbildungsbericht der Bundesregierung hervor. Auch in Bremen ist die Zahl der Verträge leicht zurückgegangen.

Die Handwerksbetriebe in Bremen und Bremerhaven haben im vergangenen Jahr rund 1162 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen – 69 weniger als noch 2011. Metin Harmanci, der Bildungsreferent der Kammer, führt den Rückgang unter anderem darauf zurück, dass etliche Ausbildungsangebote ungenutzt geblieben seien. Speziell im Handwerk gebe es Gewerke, die bei Jugendlichen generell nicht hoch in Kurs stünden – zum Beispiel das Sanitärhandwerk oder auch der Lebensmittelbereich. Harmanci: "Solche Betriebe tun sich schon seit Jahren schwer, Lehrlinge zu finden." Diese Unternehmen fallen also praktisch unfreiwillig aus der Statistik heraus.

Zum Stichtag Ende September 2012 waren bei der Arbeitsagentur offiziell 4672 Ausbildungsangebote im Land Bremen gemeldet, ihnen standen 4485 Bewerber gegenüber. Im Jahr zuvor waren es noch 5007 Stellen für 4438 Bewerber.

Einen möglichen Grund für die sinkende Zahl der Ausbildungsverträge sieht Harmanci auch in der "mangelnden Ausbildungsreife" vieler Jugendlicher. "Die Bewerber kommen mit schulischen Voraussetzungen, die den Anforderungen in den Betrieben immer weniger gerecht werden." Mit der Folge, dass viele Kandidaten erst mal nachgeschult werden müssten. Sowohl Kammern als auch Arbeitsagentur bieten entsprechende Förderprogramme an.

Die werden nach den Erfahrungen Harmancis inzwischen "immer öfter in Anspruch genommen". Bei den einen gehe es etwa um Nachhilfe in Mathe oder Deutsch, andere bekämen zugeschnitten auf ihren Ausbildungsbetrieb gezielte fachliche Hilfe. Auch Frank-Dieter Lutz, Referent für Aus- und Weiterbildung bei der Handelskammer Bremen, ist sich sicher: "Die Unternehmen werden künftig deutlich mehr vorbereitende und berufsbegleitende Qualifizierungen anbieten müssen", um die zunehmenden Schwächen bei den Bewerbern aufzufangen. Wenn Lutz von Schwächen redet, meint er nicht nur mangelnde Kenntnisse in Lesen, Schreiben, Rechnen, sondern auch Unpünktlichkeit oder Unzuverlässigkeit. Im Bereich der Handelskammer wurden im vergangenen Jahr 3390 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen, so viele wie 2011. "In den Jahren davor ist die Zahl der Verträge in der Stadt Bremen eigentlich konstant gestiegen", stellt der Kammerreferent fest. Lediglich 2008 habe es einen "leichten Knick" gegeben – wegen der Wirtschaftskrise. Lutz: "Wir haben nach wie vor ein hohes Niveau."

Bundesweit sieht es anders aus. Wie das "Handelsblatt" unter Berufung auf den Berufsbildungsbericht meldet, ist die Zahl der Ausbildungsverträge insgesamt um rund 19.000 auf 551.272 gesunken. Demnach habe 2012 nur noch etwa jeder fünfte Betrieb ausgebildet. Das sei der niedrigste Stand seit 1999. Das Bundesbildungsministerium wollte die Angaben gestern nicht kommentieren. Der Bericht werde Anfang April dem Kabinett vorlegt und erst danach veröffentlicht.

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