Bremen-Selbaldsbrück Betriebsrat kämpft um das Bahn-Ausbesserungswerk

Bremen. Der Betriebsratsvorsitzender Andreas Brandt will den Abtransport von Bahn-Radsätzen aus dem Selbaldsbrücker Werk per einstweiliger Anordnung verhindern. "Die Beschäftigten gehen jeden Tag mit Angst zur Arbeit, weil sie nicht wissen, ob überhaupt noch genug Material da ist", sagt er.
14.01.2010, 04:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Betriebsrat kämpft um das Bahn-Ausbesserungswerk
Von Wigbert Gerling

Bremen. 'Die Beschäftigten gehen jeden Tag mit Angst zur Arbeit, weil sie nicht wissen, ob überhaupt noch genug Material da ist. Mit einem Abtransport aus Bremen sollen offenbar Tatsachen geschaffen werden, sodass die Werkstatt hier ausblutet.' So kommentierte am Mittwoch der Betriebsratsvorsitzende Andreas Brandt die aktuelle Lage am Sebaldsbrücker Bahn-Ausbesserungswerk mit seinen insgesamt über 500 Beschäftigten. Um den Abtransport von Bahn-Radsätzen und anderen Teilen zu anderen Werken im Bundesgebiet zu stoppen, hat der Betriebsrat eine einstweilige Anordnung vor Gericht beantragt. Am Mittwoch wurde vor dem Arbeitsgericht verhandelt.

Seit langem wird auch auf höchster politischer Ebene über die Zukunft des Werks diskutiert. Dort, so hieß es am Mittwoch, arbeiteten rund hundert der 500 Mitarbeiter direkt in der Radsatzfertigung und seien damit akut betroffen. Im November 2009 hatte der Aufsichtsrat der 'DB-Fahrzeuginstandhaltung' erklärt, die Radsatzfertigung werde geschlossen, die Beschäftigten würden auf andere Werke verteilt. Daraufhin hatte Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD) an Bahn-Chef Rüdiger Grube geschrieben und einen 'Bahn-Gipfel' in Bremen vorgeschlagen. Termin wäre voraussichtlich jetzt im Januar. Böhrnsen hatte hinzugefügt, es wäre 'ein falsches Signal, wenn bereits vorher Fakten geschaffen werden'.

Vor einigen Wochen bekamen Belegschaftsvertreter nach eigenen Angaben mit, dass aus Bremen Material für die Radsatz-Fertigung zu anderen Ausbesserungswerken in der Bundesrepublik transportiert worden sei. Um dies zu unterbinden, riefen sie das Gericht an. Schließlich seien die Verhandlungen über einen Interessenausgleich für die betroffenen Beschäftigten in der Radsatz-Fertigung noch gar nicht richtig angelaufen, so die Belegschaftsvertreter. Deshalb sei es nicht zulässig, vorher vollendete Tatsachen zu schaffen, die kein Zurück mehr erlaubten.

Vertreter der Werksleitung erklärten gestern vor dem Arbeitsgericht, ein Materialaustausch unter den Instandhaltungswerken in der Republik sei nichts Ungewöhnliches. Für die Arbeit würden insgesamt 12000 unterschiedliche Teile gebraucht. Für einige gebe es erfahrungsgemäß lange Lieferzeiten, oft über Monate. Und wenn es auch vor diesem Hintergrund geboten sei, dann werde Material, das an einem Standort auf Lager sei, an einen anderen gebracht, wo Not am Mann sei.

Betriebsratschef Brandt hielt gestern dagegen, die einzelnen Standorte der Instandhaltung hätten sich auf bestimmte Typen von Schienenfahrzeugen spezialisiert. Und unter den Teilen, die abtransportiert worden seien, gebe es manche, die bisher ausschließlich für die angestammte Arbeit in Bremen gebraucht würden. Dazu seine Sorge: Wenn die Radsatzfertigung fortfalle, die für das Werk eine zentrale Rolle habe, dann drohten nach und nach die Kunden wegzubleiben - und das Werk Bremen würde insgesamt gefährdet.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+