Für die Beschäftigten kam das Aus plötzlich - für das Unternehmen war es ein Niedergang auf Raten

Bilfinger Berger macht Bremer Tochterfirma dicht

Bremen. Für die Kolleginnen und Kollegen kam die Ankündigung aus heiterem Himmel. Am Mittwoch informierte die Geschäftsleitung die Belegschaft über das Aus für das Unternehmen im Industriehafen. Am Donnerstag wurden die Kündigungen für die rund 20 Mitarbeiter verschickt.
04.02.2010, 19:30
Lesedauer: 2 Min
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Von Reinhard Wirtz

Bremen. Für die Kolleginnen und Kollegen kam die Ankündigung aus heiterem Himmel. Noch Ende 2009 seien 12-Stunden-Schichten gefahren worden, berichtet Matthias Goos. Am Dienstag dieser Woche jedoch lud die Geschäftsleitung der Bilfinger Berger Entsorgungs GmbH in Bremen die Belegschaft zu einer Betriebsversammlung für den nächsten Tag. Und am Mittwoch informierte die Geschäftsleitung die Belegschaft über das Aus für das Unternehmen im Industriehafen. Am gestrigen Donnerstag wurden die Kündigungen für die rund 20 Mitarbeiter verschickt.

Was manchen Angestellten, so Firmenmitarbeiter Matthias Goos, wie eine schockierende Blitzaktion vorkam, war in Wirklichkeit eine länger vorbereitete Aktion, berichtet Bilfinger-Berger-Betriebsrat Erich Fey von der Konzernzentrale in Mannheim. Mit der Geschäftsleitung in Bremen hatte er mehrere Wochen lang über einen Interessenausgleich und über einen Sozialplan verhandelt, in dem die Kündigungsfristen und die Abfindungen festgelegt wurden. Für Matthias Goos eher 'dürftige' Abmachungen. Auch einen Wechsel zu einer der zahlreichen übrigen Gesellschaften der riesigen Bilfinger-Berger-Gruppe sei nicht angeboten worden.

Die Bremer Niederlassung gehört zur Bilfinger Berger Facility Services Gruppe und damit zur internationalen Multi Service Group Bilfinger Berger AG. Erst im Januar waren die Bremer innerhalb der stark verzweigten Konzernstrukturen der Bilfinger- Berger-Tochter HSG Zander aus Neu-Isenburg angegliedert worden. Auf dem Gelände Beim Industriehafen 39, das Bilfinger Berger von der Exxon Mobile gemietet hatte, kümmerte sich die Firma seit Jahren um kontaminierte Böden und übernahm Dienstleistungen rund um die Entsorgung von Schadstoffen. Das Geschäft hatte Bilfinger Berger Mitte des Jahrzehnts von der ehemaligen Umweltschutz Nord übernommen.

Etliche Monate lang seien hier in der Vergangenheit schon rote Zahlen geschrieben worden, berichtet Betriebsrat Fey aus Mannheim. Immer wieder seien die Defizite von der Konzernmutter ausgeglichen worden. Nun riss den Verantwortlichen offenbar der Geduldsfaden. Von einst vier vergleichbaren Anlagen mit ähnlicher Ausrichtung auf Entsorgung und Aufarbeitung verseuchter Böden sei nunmehr nur noch eine einzige bei Leipzig in Betrieb, berichtet der Arbeitnehmervertreter. Auch Bilfingers größter Konkurrent auf diesem Sektor, die ATM in Rotterdam, habe schon erheblich reduziert. Der Markt gebe das einstige Volumen einfach nicht mehr her. Unternehmenssprecher Sascha Bamberger aus der Zentrale spricht kurz und bündig von 'Marktschwäche', die eine Schließung 'aus wirtschaftlichen Gründen erforderlich' mache.

Bis Ende des Jahres wird die Bilfinger Berger Entsorgungs GmbH nach jetzigem Stand dann wohl abgewickelt sein. Die Geschäftsleitung, die gestern für diese Zeitung nicht erreichbar war, hofft offensichtlich, wenigstens einen Teil der Anlagen auf dem Gelände im Industriehafen noch verkaufen zu können. Branchenkenner gehen davon aus, dass der große Baukonzern Bilfinger Berger sich mehr und mehr aus dem operativen Geschäft verabschieden wird

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