Verbindung nach Kiew

Billig-Airline Wizz Air fliegt künftig vom Flughafen Bremen

Die ungarische Wizz Air will in Zukunft vom Flughafen Bremen starten. Die Airline will Kiew anfliegen. Die angekündigte Verbindung von der Fluggesellschaft Sky-Work nach Wien entfällt dagegen.
30.08.2018, 10:36
Lesedauer: 4 Min
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Billig-Airline Wizz Air fliegt künftig vom Flughafen Bremen
Von Lisa Boekhoff
Billig-Airline Wizz Air fliegt künftig vom Flughafen Bremen

Neue Verbindung nach Kiew für den Flughafen Bremen: Doch Wizz Air könnte in Zukunft noch weitere Ziele von hier aus anbieten.

dpa

Willkommen und Abschied am Airport Bremen. Denn für den Hans-Koschnick-Flughafen gibt es in dieser Woche eine gute und eine schmerzliche Nachricht. Willkommen heißt es für die ungarische Billigfluglinie Wizz Air, die in Zukunft von und nach Bremen fliegen will. Im März nimmt sie die bisher einzige direkte Verbindung zwischen der Hansestadt und Kiew auf.

Das gab der Airport am Donnerstag bekannt. Zweimal wöchentlich, montags und freitags, soll die Strecke in die Ukraine bedient werden. Im Sommerflugplan ab Ende März wechseln die Tage auf Dienstag und Sonnabend. Schon am Mittwochabend kündigte sich allerdings ein Abschied an – der noch gar keinen richtigen Anfang kannte.

Die geplante Verbindung nach Wien, die Sky-Work an diesem Montag in Bremen aufnehmen wollte, entfällt: Die Schweizer Fluggesellschaft stellte ihren Betrieb ein. "Nach gescheiterten Verhandlungen mit einem möglichen Partner sind die wirtschaftlichen Voraussetzungen nicht mehr gegeben", teilte das in Schieflage geratene Unternehmen nach der letzten fahrplanmäßigen Landung am Mittwoch mit.

Ein großer Gewinn für Bremen

Die Aufnahme des Flugbetriebs von Wizz Air könnte allerdings durchaus Passagierwachstum in Bremen bedeuten. Denn die Fluggesellschaft baut ihr Streckennetz in Deutschland kontinuierlich aus. Der neue Bremer Flughafenchef Elmar Kleinert zeigt sich zuversichtlich. Die Strecke Bremen-Kiew bilde einen gelungenen Auftakt der Airline. "Wir gehen davon aus, dass – sofern die erste Strecke ein Erfolg ist – noch weitere Strecken folgen werden.“

Es sei ein großer Gewinn für Bremen und die gesamte Metropolregion, nun neben Ryanair eine zweite Low-Cost-Airline am Standort zu haben. Derzeit bietet Wizz Air mit Sitz in Budapest Flüge von zwölf deutschen Städten aus an– darunter sind auch Hannover und Hamburg.

Von hier steuert Wizz ebenfalls Kiew an, zudem Skopje und Danzig ab Hamburg sowie Skopje, Bukarest, Belgrad und Budapest ab Hannover. Erst seit 2004 ist die Airline überhaupt in Deutschland. Andras Rado, Sprecher des Unternehmens, sagte zur Entscheidung für Bremen: "Mit der Aufnahme des zwölften deutschen Flughafens in das Netzwerk von Wizz Air verstärken wir unser Engagement in Deutschland weiter."

Hinter Wizz Air steht Indigo Partners. Der US-Investor habe sich auf die Finanzierung von Low-Cost-Airlines spezialisiert, sagt Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt. Im vergangenen Jahr sorgte der mächtige Kapitalgeber für Schlagzeilen mit einem Megaauftrag bei Airbus – dem bis dahin größten in der Firmengeschichte.

430 Maschinen der Typen A320neo und A321neo bestellte Indigo Partners beim europäischen Flugzeughersteller. Davon soll Großbongardt zufolge ein großer Teil an Wizz Air gehen. Die Flotte soll von 100 Fliegern um fast 300 wachsen. "Die Wizz Air legt gerade ein ganz enormes Expansionstempo hin." Schon jetzt sei sie die zweitprofitabelste Airline in Europa nach Ryanair.

Insgesamt 125 neue Strecken hat sich das Unternehmen für dieses Jahr vorgenommen. 400 weitere Flüge auf bestehenden Verbindungen sollen aufgenommen werden. Größe bedeute zunächst natürlich Kostenvorteile im Fluggeschäft. Außerdem sei aber entscheidend, der Konkurrenz voraus zu sein. "Es geht auch darum, im Wettlauf gegen Ryanair, Easyjet und Eurowings Plätze, Märkte und Strecken zu besetzen. Irgendwann werden sie gegeneinander kämpfen."

"Ein Exot durch den starken Osteuropafokus"

Derzeit gebe es zwar noch extremes Wachstum im Segment Billigflug, sagt Großbongardt. Die Low-Cost-Airlines vermieden es, auf Strecken gegeneinander zu fliegen, und kämen sich nicht groß in die Quere. "Wizz Air ist insofern ein Exot durch den starken Osteuropafokus." Dabei profitiere das Unternehmen von der wachsenden Arbeitsmigration in Europa. Langfristig werde sich der Wettbewerb innerhalb des Segments verschärften.

"Im Augenblick sind ihre großen Gegner noch die klassischen Fluggesellschaften, denen sie weiter Passagiere wegnehmen. Aber es wird natürlich der Zeitpunkt kommen, wo sich das Wachstum abflacht und es Überkapazitäten gibt. Da werden nur die Größten überleben können." Unter 250 bis 300 Fliegern in der Luft werde sich ein Unternehmen dann nicht mehr halten. Das erkläre auch die Expansion von Wizz Air und Eurowings.

Dass Kiew bereits von Hannover und Hamburg aus angeflogen werde, sei erstaunlich, findet Großbongardt. Doch Wizz habe sicher eine gute Marktanalyse vorgenommen. Offenbare gebe es viele Menschen aus der Ukraine, die in Bremen und der Region arbeiteten oder studierten. Kiew sei weniger ein Urlaubsziel, es gebe nur wenige Verbindungen von Deutschland aus. "Sonst wird Kiew kaum angeflogen."

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Der Vorteil von großen Airlines sei es aber auch, Strecken ohne großes Risiko testen zu können. Für kleinere Akteure seien die Markteintrittsbarrieren dagegen hoch. Geschickt müssen solche Gesellschaften dem Experten zufolge Nischen finden, um überhaupt Fuß zu fassen und dann auch noch angemessene Ticketpreise durchzusetzen. In diesem Jahr konnte der Hans-Koschnick-Flughafen bereits Swiss International Airlines gewinnen und damit wieder eine Verbindung zwischen Bremen und Zürich.

Ab Oktober fliegt das Unternehmen wöchentlich von der Hansestadt in die Schweiz. Ob es auch für Wien bald eine nächste Chance gibt, ist unklar. Der Flughafen stehe permanent im engen Kontakt und Austausch mit Airlines, um das Streckenportfolio auszubauen, sagt Airport-Sprecherin Andrea Hartmann. "Wien ist eine interessante Destination für Städtereisende und für Geschäftsleute." Der Flughafen bemühe sich um Ersatz.

Sky-Work hatte schon länger finanzielle Schwierigkeiten. Im vergangenen Jahr erteilte das Bundesamt zunächst nur eine befristete Betriebsbewilligung wegen mangelnder Deckung. Das Unternehmen konnte das nötige Geld dann aber zusammenbringen. Die Verbindung zwischen Bremen und Wien wollte die Gesellschaft ab dem 3. September täglich außer sonnabends anbieten. Wehmütig heißt es im Schreiben von Sky-Work, dass sich mit ihr nun die "letzte echte Schweizer Linienfluggesellschaft vom Himmel" verabschiede.

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