Geschäftsbericht vorgestellt

BLG-Minus im dreistelligen Millionenbereich

BLG Logistics machte im vergangenen Jahr ein Minus von 116 Millionen Euro. Dafür haben laut dem Unternehmen vor allem Sondereffekte und der weltweite Lockdown gesorgt.
21.04.2021, 11:00
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BLG-Minus im dreistelligen Millionenbereich
Von Peter Hanuschke

Der Verlust des weltweit agierenden Bremer Logistikers BLG, der, wie bereits berichtet, im dreistelligen Millionen-Bereich liegt, wurde nun auch vom Unternehmen bestätigt: Das Minus für das vergangene Jahr betrage 116 Millionen, sagte Vorstandsvorsitzender Frank Dreeke am Mittwoch, als er den Geschäftsbericht 2020 vorstellte. Trotzdem wird das Unternehmen eine Dividende zahlen: 0,11 Euro pro Aktie. Im Jahr zuvor waren es 0,40 Euro.

2019 gab es noch einen Gewinn von 37 Millionen Euro. Der Rückgang entspricht einem prozentualen Minus im Vergleich zum Vorjahr von 440 Prozent. Die im Eigentum der Stadt stehende Bremer Lagerhaus-Gesellschaft, Aktiengesellschaft von 1877, hatte als persönlich haftende Gesellschafterin der BLG Logistics Group auf die zu erwartenden Umsatz- und Gewinneinbrüche bereits am 14. April 2020 per Ad-hoc-Mitteilung öffentlich hingewiesen.

„2020 war ein sehr herausforderndes Jahr für die BLG-Gruppe“, sagte Dreeke am Mittwoch. „Die Pandemie hat unser Geschäft in nie gekanntem Maße beeinflusst.“ Die BLG sei aber besser durch die Krise gekommen, „als wir es im Frühjahr 2020 prognostiziert haben.“ Grund dafür sei die hohe Diversifikation des Unternehmens. „Dadurch können wir Verluste in einigen Geschäftsfeldern durch gute Ergebnisse in anderen ausgleichen.“

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Der Umsatz sank 2020 um 8,1 Prozent auf knapp 1,1 Milliarden Euro (2019: rund 1,16 Milliarden Euro). Die Eigenkapitalquote ging von 15,8 auf fünf Prozent runter, was aber neben Corona vor allem auch an neuen Bilanzierungsrichtlinien gelegen habe, so Dreeke. Schon ein Jahr zuvor sei deshalb das Eigenkapital um 14 Prozent gesunken. Mit 41 Prozent Umsatzanteil war der Bereich Contract am stärksten. Danach kommt Automobile mit 39 Prozent gefolgt von Container (20 Prozent). Den operativen Verlust gibt das Unternehmen mit 25 Millionen Euro an. Zusätzlich hätten Sondereffekte das Ergebnis belastet, die teilweise durch die Pandemie bedingt seien. Im Geschäftsbereich Container belaufen sich diese Sondereffekte auf 60,2 Millionen Euro. Diese Summe resultiere aus Abschreibungen auf Finanzanlagen sowie außerordentliche Rückstellungen für Restrukturierungsaufwendungen. In den anderen beiden Geschäftsbereichen Automobile und Contract belaufe sich dieser Aufwand auf zusammen 30,7 Millionen Euro.

Der Geschäftsbereich Container wird bei der BLG Logistics Group durch die Hälfte der Gesellschaftsanteile an Eurogate repräsentiert. Die Umsatzerlöse liegen mit 263,5 Millionen Euro um 6,7 Prozent unter dem Vorjahr (2019: 282,3 Millionen Euro). Hintergrund der Ergebnisentwicklung sind laut Vorstand Michael Blach rückläufige Durchschnittserlöse infolge des unverändert starken Wettbewerbs sowie pandemiebedingte Einflüsse auf die Umschlagentwicklung.

Im Bereich Automobile habe es pandemiebedingt Einbrüche gegeben, so Vorständin Andrea Eck. Insgesamt habe die BLG 4,8 Millionen Fahrzeuge in 2020 gehandelt statt 6,3 Millionen in 2019. Beim Autoumschlag in Bremerhaven habe es mit 1,7 Millionen Fahrzeugen einen Rückgang von 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gegeben.

Der operative Verlust sei im Zeitraum März bis Mai entstanden, so Dreeke. „Das sind die Lockdown-Monate, in denen bei unseren Kunden, insbesondere aus der Automobilindustrie und dem stationären Handel, alles stillstand.“ Danach habe die Wirtschaft ab Sommer wieder angezogen, aber das habe die Verluste nicht mehr ausgleichen können. Trotz Pandemie habe das Unternehmen zukunftsweisende Projekte realisieren können, so der Vorstandsvorsitzende. Dazu gehöre unter anderem der im Mai an den Start gegangene Logistik-Hub in Schlüchtern für den Arbeitsbekleidungshersteller Engelbert Strauss.

Zum Geschäftsausblick heißt es im Geschäftsbericht, dass die ersten drei Monate zufriedenstellend gelaufen seien. Das Unternehmen werde ein wirtschaftlich besseres Jahr als 2020 erleben. „Wir werden aber noch nicht wieder das Niveau von 2019 erreichen.“

Die Dividendenausschüttung werde in einem Jahr mit negativem Ergebnis vielleicht Unverständnis auslösen, aber dass es dazu komme, liege an der Konstruktion des Unternehmens, so Vorständin Christine Hein. Statt einer Holding als Muttergesellschaft, bei der Gewinne und Verluste des Tochterunternehmens durchschlagen, gebe es bei der BLG zwei nebeneinanderstehende Gesellschaften. Das operative Geschäft der Gruppe sei allein bei der BLG KG angesiedelt, das Kapital der BLG KG werde zu hundert Prozent von Bremen gehalten. Die BLG AG fungiere als voll haftende Gesellschafterin und stelle die Geschäftsführung der BLG KG, wofür sie eine Vergütung erhalte. Und die AG habe auch in 2020 ein positives Ergebnis erwirtschaftet und sei gemäß Aktiengesetz zur Zahlung einer Mindestdividende verpflichtet.

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Zur Sache

Fusion von HHLA und Eurogate

Was ein mögliches deutsches Joint Venture zwischen den Container-Terminal-Betreiben HHLA und Eurogate im Bereich Containerumschlag angeht, werde man die Gespräche ergebnisoffen weiterführen, so Vorstand Blach. Voraussetzung für eine Kooperation sei eine 50:50-Beteiligung und dass ein Standort dieses Unternehmens in Bremen ist. Unabhängig davon werde man das Transformationsprogramm bei Eurogate fortsetzen, um insbesondere im Wettbewerb mit den Konkurrenzhäfen Rotterdam und Antwerpen in Zukunft besser aufgestellt zu sein. Ziel sei es, effizienter durch Automatisierung und Digitalisierung zu werden und die Kosten bis 2024 pro Jahr um 84 Millionen zu senken. Man werde versuchen, bei diesem Weg betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden.

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