Bremens Bauherren streben ans Wasser

Boom in der Bremer Überseestadt ungebrochen

Bremen. Seit fast sieben Jahren wird nun schon geplant, verhandelt und manchmal auch verworfen - nun aber geht das Megaprojekt 'Hafenkante' in der Überseestadt an den Start. In der kommenden Woche werden die ersten Kaufverträge unterschrieben.
09.02.2010, 06:43
Lesedauer: 3 Min
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Boom in der Bremer Überseestadt ungebrochen
Von Jürgen Hinrichs

Bremen. Seit fast sieben Jahren wird nun schon geplant, verhandelt und manchmal auch verworfen - nun aber geht das Megaprojekt 'Hafenkante' in der Überseestadt an den Start. In der kommenden Woche werden nach Informationen der Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) die ersten Kaufverträge unterschrieben. Es geht auf zunächst vier Hektar um Wohnen und Gewerbe im großen Stil. Die Kosten: weit über 100 Millionen Euro.

Zur Planungsgesellschaft 'Hafenkante' gehören Gewoba, Sparkasse, Hochtief, Brebau, Zech Immobilien und der Hamburger Projektentwickler DS-Baukonzept. Das Planungsgebiet erstreckt sich am nordwestlichen Ende der Überseestadt zwischen Weserufer und dem Rand des früheren, jetzt verfüllten Überseehafens. Es ist zwölf Hektar groß und wird jetzt in einer ersten Tranche bebaut. Die Gewoba allein will nach eigenen Angaben rund 16 Millionen Euro investieren und dafür 100 Wohnungen bauen.

Auch an dieser Ecke, die lange Zeit verwaist lag, rührt sich jetzt also etwas in der boomenden Überseestadt. Zur Freude der unmittelbaren Nachbarn, die nicht mehr länger in einsamer Pionierstellung ausharren müssen. Das Projekt 'WeserUfer' der Firma Justus Grosse wird räumlich künftig stärker eingebunden sein. Blickfang der Grosse-Bauten ist der 'Landmark-Tower.' Im Rohbau hat er 14 Stockwerke erreicht, sechs weitere kommen noch oben drauf, bis am Ende eine Gesamthöhe von 67 Metern erreicht ist. 'Von den 53 Wohnungen im Landmark-Tower sind 22 bereits vergeben', berichtet Grosse-Gesellschafter Clemens Paul. Im Oktober würden die ersten Mieter einziehen.

Grosse investiert an dieser Stelle nach eigenen Angaben rund 100 Millionen Euro. Direkt neben dem Tower entstehen große Häuser mit Eigentumswohnungen. Gestern ist mit dem Bau von 'Panorama' begonnen worden: 34 Wohnungen, drei davon schon verkauft. Im Mai sind nach Darstellung von Paul die ersten Häuser im 'WeserUfer'-Projekt bezugsfertig.

Ein denkwürdiges Datum, denn bisher hat es in der Überseestadt kein Wohnen gegeben. Zu groß die Bedenken der Planer, dass die starke gewerbliche Nutzung des 288 Hektar großen Areals mit dem Wunsch nach ungestörtem Wohnen kollidieren könnte. Ausgeräumt wurde diese Sorge mit Festlegungen im Grundbuch, die sicherstellen sollen, dass sich die so unterschiedlichen Nachbarn nicht plötzlich vor Gericht wiederfinden und dort über Geruchs-, Lärm und Lichtbelästigungen streiten. Wer in die alten Hafenquartiere zieht, so das Credo, muss aushalten können, dass dort ein Betrieb herrscht, der auch mal stören kann.

Die Mischung aus Gewerbe und Wohnen ist von der Stadt ausdrücklich erwünscht, sie erst, so sehen es auch die Investoren, mache den besonderen Reiz dieses Quartiers aus, in dem noch viele der alten Speicher stehen - 'wie Elefanten', sagt Manfred Schomers, der den Masterplan für die Überseestadt entworfen hat. 'Diese einmaligen Monster, diese großen wirtschaftlichen Maschinen, machen - zusammen mit den alten Schuppen und Mühlen - die Identität des Gebietes aus', schwärmt der Architekt.

Kein Speicher, auch kein Schuppen, wohl aber ein Gebäude, das genauso seine Geschichte hat und darin nun ein neues Kapitel aufschlägt: Die ehemalige Kaffeerösterei von Eduscho am Eingang der Überseestadt. Die Firma Siedentopf, neben Justus Grosse der zweite große Investor in der Überseestadt, hat den Industriebau in ein Lofthaus umgewandelt. Für die insgesamt 11000 Quadratmeter konnten in den vergangenen Monaten verschiedene Mieter gewonnen werden, seit ein paar Tagen steht ein weiterer fest, die Patent- und Rechtsanwaltskanzlei Eisenführ Speiser. Auf 3500 Quadratmetern in den oberen drei Etagen des Gebäudes werden im Mai 20 Anwälte und 85 weitere Mitarbeiter einziehen - und in Büros arbeiten, die ihresgleichen suchen.

'Wir wollten den alten Industrie-Charme bewahren', sagt Siedentopf-Geschäftsführer Jan Woortman. Im Dach große Lichtschächte, die Räume teilweise irrsinnig hoch und Glas, überall Glas, wenn es denn überhaupt Wände gibt. Woortman: 'Mehr Transparenz geht nicht.'

Viel Bewegung also in der Überseestadt. Für die Bürogebäude am Europahafen, ebenfalls ein Grosse-Projekt, konnte am Wochenende volles Haus gemeldet werden - alles vermietet, komplett. 78000 Quadratmeter Fläche, die in vier Jahren Bauzeit entstanden ist. Auch der Hafen selbst wird noch mal angepackt. Die WFB plant auf der Nordseite eine Verlängerung der Promenade bis zum Hafenende. 'Sobald das Wetter besser geworden ist, geht?s los', kündigt WFB-Sprecherin Juliane Scholz an. Gleichzeitig werde auch an der Marina gebaut. Geplant seien eine Haltestelle der Reederei 'Hal över' und verschiedene Bootsanleger, für die als Pächter ein Segelverein gefunden worden sei.

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