Chinesischer Autobauer

Borgward-Mitarbeiter müssen gehen

Unter dem neuen Eigner trennt sich Borgward nach Informationen des WESER-KURIER von Mitarbeitern in Deutschland. Welche Strategie verfolgt der Autohersteller dabei?
29.03.2019, 06:00
Lesedauer: 3 Min
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Borgward-Mitarbeiter müssen gehen
Von Stefan Lakeband
Borgward-Mitarbeiter müssen gehen

Seit vergangenem Sommer wird der Borgward BX7 auch in Deutschland verkauft. Nun trennt sich Borgward aber offenbar von Mitarbeitern seiner Zentrale in Stuttgart.

Borgward

Eigentlich hätten schon in diesem Jahr die ersten Borgwards wieder in Bremen vom Band rollen sollen. Doch etliche Verzögerungen lassen immer wieder Zweifel an den Plänen aufkommen, nach dem Werk in China auch eine Fertigung in Deutschland aufzubauen. Für zusätzliche Unruhe könnten nun Vorgänge in der Stuttgarter Deutschland-Zentrale sorgen. Dort wird offenbar Personal abgebaut.

Nach Informationen des WESER-KURIER mussten bereits Mitarbeiter das Unternehmen verlassen, weitere sollen noch folgen. Dazu soll auch Führungspersonal gehören. Das hat diese Zeitung aus mehreren Quellen erfahren. Auf Nachfrage wollte sich Borgward dazu jedoch nicht äußern. Ein Sprecher des Autoherstellers verwies auf datenschutzrechtliche Gründe.

Klar ist allerdings, dass bereits Anwälte eingeschaltet wurden. „Es gibt bei Borgward das Anliegen, Arbeitsverhältnisse zu beenden“, sagt der Stuttgarter Anwalt Stefan Nägele. Mitarbeiter hätten sich an ihn gewandt und um Rat gefragt. Nägele ist Experte für Arbeitsrecht und auf die Beratung von Führungskräften spezialisiert.

Rückzug aus Deutschland nicht geplant

Was genau hinter dem Stellenabbau steckt, ist unklar. Der Borgward-Sprecher macht jedoch deutlich: „Ein Rückzug aus Deutschland ist definitiv nicht geplant.“ Dennoch bleiben die Fragen, warum mehrere Mitarbeiter das Unternehmen jetzt verlassen sollen und welche Rolle der Standort Deutschland in Zukunft für den chinesischen Autohersteller spielen wird.

Zu Veränderungen war es zuletzt auch in China gekommen, wo die wiederbelebte Traditionsmarke mit Bremer Wurzeln ihren Hauptsitz hat. Vergangenen Dezember hatte sich der chinesische Lastwagenbauer Foton von seinen Anteilen an Borgward getrennt und die Mehrheit an das Unternehmen Ucar verkauft. Der Grund sind wohl die hohen Verluste, die der Autobauer seit dem Marktstart 2016 verursacht hat. Laut Foton hat Borgward in den ersten acht Monaten des Jahres 2018 ein Minus von 210 Millionen Euro gemacht, 2017 sollen es insgesamt 360 Millionen Euro gewesen sein.

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Für umgerechnet 543 Millionen Euro hat das Start-up Ucar 67 Prozent an Borgward gekauft. Die Firma ist in China mit einem Geschäftsmodell erfolgreich, das man auch aus dem Silicon Valley kennt. Ähnlich wie das amerikanische Start-up Uber bietet Ucar einen Fahrdienst an. Nutzer können über eine App ein Auto samt Fahrer bestellen, der sie an ein gewünschtes Ziel bringen soll. Über eine Tochterfirma können Kunden auch Autos mieten und finanzieren.

Warum das Unternehmen nun Borgward gekauft hat, dazu ist noch nicht viel bekannt. Ucar ist bereits an anderen chinesischen Autoherstellern beteiligt, deren Schwerpunkt auf dem Bau von E-Autos liegt. Auch Borgward plant, ein elektrisches Modell auf den Markt zu bringen.

Autos vor Ort bestellen

Ucar-Vorstand Lu Zhengyao gab laut chinesischen Medien bekannt, dass er Borgwards künftig auf eine neue Art verkaufen will. Anstatt von einem klassischen Händler sollen die Autos künftig in deutlich kleineren Schauräumen präsentiert werden. „Warum sollten wir Geld in großen und schicken Ausstellungsräumen verschwenden?“, fragte Lu laut „China Daily“. Borgward solle in der Nähe der Kunden sein: Mehr Präsenz in den Innenstädten, weniger ausladende Autohäuser in den Vororten. Diese Pläne will Lu in der ersten Jahreshälfte vorantreiben.

Dieses Konzept ähnelt der Verkaufsstrategie des E-Auto-Pioniers Tesla. Auch er betreibt keine Autohäuser, sondern setzt auf Showrooms in bester Innenstadtlage. Bei Borgward sollen die Kunden künftig die Autos vor Ort bestellen, Ucar will sie dann an die Kunden ausliefern. „Sie nehmen Bestellungen entgegen und wir kümmern uns um den Rest“, sagte Lu über das Verhältnis zu den Borgward-Händlern. "Borgward hat kein Problem, abgesehen von den schlechten Verkäufen.“ Sein neues Modell könne das ändern.

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Schon vor dem Eigentümerwechsel war eine ähnliche Verkaufsstrategie in Deutschland geplant gewesen. In mehreren Großstädten sollten ebenfalls Schauräume entstehen – bislang gibt es jedoch nur einen am Stammsitz in Stuttgart. Wer jetzt einen Borgward kaufen möchte, muss ihn über die Website bestellen. Wie viele Fahrzeuge seit dem Marktstart im Sommer 2018 verkauft wurden, teilt der Hersteller nicht mit. Zuletzt sei man aber zufrieden mit den Zahlen gewesen.

Trotzdem bleibt weiterhin ungewiss, was aus der geplanten Fertigung in Bremen wird. Zuletzt hatte es ein Hin und Her um das Grundstück im Güterverkehrszentrum gegeben – bislang ohne Ergebnis. Borgward hatte sich ein 140 000 Quadratmeter großes Areal ausgesucht und bei der Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) reserviert. Danach passierte jedoch lange nichts . Zum Jahreswechsel lief die Reservierung aus, die Gewerbefläche hätte eigentlich auch an andere Unternehmen vermarktet werden können. Doch mittlerweile hält die WFB das Grundstück wieder für Borgward bereit. Der Investor aus China hat die Bremer nach Angaben von Borgward in einem Brief darum gebeten.

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