Geplantes Werk im GVZ

Borgward will nicht in Bremen bauen

Eigentlich wollte Borgward ein Werk im Bremer Güterverkehrszentrum (GVZ) bauen. Daraus wird allerdings nichts: Die Reservierung ist abgelaufen, für das Areal gibt es schon andere Interessenten.
02.07.2019, 14:21
Lesedauer: 3 Min
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Borgward will nicht in Bremen bauen
Von Stefan Lakeband
Borgward will nicht in Bremen bauen

Der Borgward BX7 wäre auch im geplanten Bremer Werk montiert worden. Daraus wird nun nach der Absage des Autobauers nichts.

Borgward

Es ist ein Mittwoch im Oktober 2016, als Bremen in einen Borgward-Taumel gerät: Auf dem Marktplatz formen historische Autos das Logo der Marke, Dutzende Journalisten aus ganz Deutschland sind angereist, etliche aus China. Sie alle sind für „die Rückkehr der Legende“ gekommen. Mit keinen geringeren Worten verkündet der Hersteller damals, dass er plant, ein Werk in der Hansestadt zu eröffnen. Jetzt ist klar: Daraus wird nichts. Borgward baut doch keine Fertigung in Bremen.

„Die Reservierung eines Grundstücks für die Borgward Group AG im Güterverkehrszentrum Bremen (GVZ) ist zum 30. Juni 2019 ausgelaufen“, teilt die Bremer Wirtschaftsförderung (WFB) am Dienstag mit. Hinter diesem nüchternen Satz verbergen sich ein jahrelanges Hin und Her, etliche Verhandlungen, Gespräche in Peking, Stuttgart und Bremen. Am Ende: alles umsonst.

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Als Grund für die Absage nennt die WFB die Übernahme durch einen Investor vor einem halben Jahr. Der chinesische Fahrdienstanbieter Ucar kaufte damals die Mehrheit an Borgward. Damit stand auch die bisherige Strategie infrage. Seit dem Start 2016 in China war geplant, nach und nach auch weitere Märkte zu erschließen. In Bremen sollte sogar eine Fertigung entstehen, erst für herkömmliche, dann für Elektroautos. Doch von Beginn an verzögerte sich der Zeitplan. Die Zahl der Zweifler, die im Bremer Werk nur ein Luftschloss sahen, wurde in dieser Zeit immer ­größer.

„Durch einen Gesellschafterwechsel gibt es bei Borgward eine Strategieänderung“, heißt es weiter von der WFB. „Diese Strategieänderung führt dazu, dass das Unternehmen sein ursprüngliches Vorhaben, in Bremen kurzfristig eine Fahrzeugfertigung aufzubauen, zurzeit nicht weiter verfolgt.“ Borgward bestätigt das. Zuerst hatte der „Weser-Report“ darüber berichtet. Die WFB habe nach Aussage von Sprecherin Julian Scholz den Autobauer noch einmal darüber informiert, dass die Frist Ende Juni ablaufe und das Grundstück anderweitig vermarktet würde. Das sei in Ordnung für Borgward gewesen.

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„Bremen schlägt aber keine Tür zu“, sagt Tim Cordßen, Sprecher der Wirtschaftsbehörde. Borgward sei nach wie vor willkommen in der Stadt. Auch das Unternehmen selbst verkauft das Aus für das Werk nicht als generelle Absage. „Bremen ist und bleibt die Heimat von Borgward“, sagt Sprecher Marco Dalan. „Wie und in welcher Form Borgward künftig in Bremen aktiv wird, wird derzeit geprüft.“ Konkreter wollte Dalan an diesem Dienstag nicht werden. Auch Cordßen und Scholz wollten sich zu anderen Plänen nicht äußern.

Schon vor einem Monat hatte Dalan dem WESER-KURIER gesagt, Borgward sei dabei, sich neu auszurichten. Damals war die Rede von neuen Geschäftsmodellen gewesen, um „die Fahrzeugnutzung zu maximieren“, auch von Projekten, bei denen man „eng mit dem Bremer Senat“ zusammenarbeite. Dalan sagte allerdings auch: „Wir werden in Kürze weitere Ankündigungen zum Starttermin unserer neuen Dienstleistungen und zukünftigen ­Produkte sowie zum Zieldatum für das lokale Produktionswerk machen.“ Wo dieses Werk stehen soll, ist noch immer unklar. Bremen dürfte er damit aber wohl nicht gemeint ­haben.

Hinter dem neuen Besitzer Ucar steckt der chinesische Milliardär Lu Zhengyao. Sein Unternehmen ist ein seit Jahren etablierter Fahrdienstleister, der einen ähnlichen Service wie das US-Unternehmen Uber anbietet. Anders als Uber unterhält Ucar aber einen eigenen Fuhrpark – und hat chinesischen Medienberichten zufolge inzwischen 80 Millionen Kunden in 300 Städten. Ob der Konzern mit seinem Angebot auch ins Ausland expandieren möchte und Borgward dabei eine Rolle spielen soll, ist unklar. Vor einem Monat bezeichnete Dalan Deutschland immerhin noch als „Schlüsselmarkt“.

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Es ist nicht das erste Mal, dass Borgward eine Frist für die Reservierung des Grundstücks hat verstreichen lassen. Zuletzt war das zum Jahreswechsel der Fall: Da dieser Termin aber mit dem Besitzerwechsel zusammenfiel, bat das Unternehmen die WFB um einen Aufschub. Den bekam es – um dann jetzt, nach insgesamt 26 Monaten, endgültig abzusagen.

Probleme, einen neuen Interessenten für das 140.000-Quadratmeter-Grundstück im GVZ zu finden, hat die WFB nicht. Nach eigener Aussage ist man mit mehreren Unternehmen im Gespräch. Um wen es sich dabei handelt, will Scholz allerdings nicht verraten. Gleichzeitig betont sie: „Sollte Borgward zu einem späteren Zeitpunkt eine Gewerbefläche für ein Montagewerk benötigen, wird Bremen gern alternative Standorte anbieten.“ Das ist jedoch kein besonderer Service für den Autobauer, sondern Standardprozedere, wenn sich ein Unternehmen in Bremen niederlassen möchte.

+++Dieser Text wurde um 19.31 Uhr aktualisiert+++

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