Einschnitte bei der Kundenbetreuung

Bremer Brauereikonzern streicht Stellen

Mehrere Dutzend Stellen stehen am Bremer Standort des weltgrößten Brauers AB Inbev auf der Kippe. Betroffen ist die Kundenbetreuung. Betriebsrat und Geschäftsleitung verhandeln über das Ausmaß der Streichungen.
08.12.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Bremer Brauereikonzern streicht Stellen
Von Jürgen Theiner

Am Bremer Standort des weltgrößten Brauereikonzerns Anheuser-Busch Inbev soll Personal abgebaut werden. Nach Informationen des WESER-KURIER verhandelt der örtliche Betriebsrat mit der Geschäftsleitung seit mehreren Wochen über die Streichung von Stellen, insbesondere im Bereich des sogenannten Customer Service Center, also der Kundenbetreuung. Ursprünglich war insgesamt von etwa 60 bedrohten Arbeitsplätzen die Rede, inzwischen geht es offenbar nur noch um rund die Hälfte.

Nicht mehr betroffen scheint aktuell der sogenannte Event-Service. Dieser Arbeitsbereich bündelt die Betreuung größerer Veranstaltungen – ein Geschäft, das durch die Corona-Krise komplett zum Erliegen gekommen ist. AB Inbev plante vor diesem Hintergrund, rund 25 Stellen zu streichen, konnte aber in den bisherigen Gesprächen mit Arbeitnehmervertretung und Gewerkschaft offenbar davon überzeugt werden, die betroffenen Beschäftigten in anderen Arbeitsbereichen einzusetzen und von Kündigungen abzusehen.

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Bedrohlicher sieht es für die Mitarbeiter des sogenannten Customer Service Center aus, also der Kundenbetreuung. „Diese Tätigkeiten sollen teilweise in Länder mit geringerem Lohnniveau verlagert werden“, sagt ein örtlicher Inbev-Insider. Mit der Ausgliederung von Verwaltungsvorgängen ist die Bremer Belegschaft schon seit mehreren Jahren konfrontiert. So wurden Standardtätigkeiten wie Finanzbuchhaltung und Personalabrechnung aus Bremen in konzerneigene „Shared Service Center“ ausgelagert, die sich zum Teil in Osteuropa befinden.

2013/14 drohten am Bremer Inbev-Standort mit seinen Traditionsmarken Beck’s und Haake-Beck Massenentlassungen. Rund 150 Beschäftigte sollten auf einen Schlag ihren Arbeitsplatz verlieren, die Geschäftsleitung sprach damals von einer notwendigen „Anpassung der Personalstruktur“ als Folge einer rückläufigen Entwicklung des Bierabsatzes. In Verhandlungen mit der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) gelang es seinerzeit, betriebsbedingte Kündigungen doch noch abzuwenden. Allerdings vollzog sich in den Folgejahren ein sukzessiver Personalabbau im Volumen von rund 100 Stellen. Frühverrentungen und Verzicht auf Wiederbesetzung vakanter Stellen waren seinerzeit das Mittel der Wahl.

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Nun bangen Bremer Inbev-Beschäftigte also wieder um ihre Arbeitsplätze. Von der AB-Inbev-Geschäftsleitung war am Montag keine Stellungnahme zu den laufenden Verhandlungen zu erhalten, die Konzernpressestelle ließ eine entsprechende Anfrage unbeantwortet. Dieter Nickel, bei der NGG für die Region Bremen-Weser-Elbe zuständig, mochte sich mit Verweis auf die noch nicht abgeschlossenen Gespräche ebenfalls nicht äußern.

Steht der geplante Stellenabbau im Bremer AB-Inbev-Werk für einen Trend in der gesamten Brauereiwirtschaft? Beim Deutschen Brauer-Bund wollte man dazu gegenüber dem WESER-KURIER nicht Stellung nehmen. Bei der Sozietät norddeutscher Brauereiverbände hieß es, man habe darüber „keine Erkenntnisse“.

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Aus aktuellen Veröffentlichungen von Branchendiensten wird allerdings deutlich, dass die Corona-Krise in der Brauereiwirtschaft schon während des ersten Lockdowns deutliche Spuren hinterlassen hat. Insbesondere Brauereien, die in größerem Umfang Fassbier produzieren, mussten 2020 erhebliche Einbußen hinnehmen. Wenn Gaststätten geschlossen haben, Volksfeste abgesagt werden und Fußballspiele in leeren Stadien stattfinden, bleibt der Zapfhahn dicht. Der private Konsum von Flaschenbier fing dieses Minus nicht auf. Allerdings gilt die Brauereibranche auch als vergleichsweise robust, weil innovationsfreundlich. So konnten sich die Hersteller in den vergangenen Jahren durch eine breitere Produktpalette (alkoholfreie Biere und Bier-Mixgetränke) mehr weibliche Kunden erschließen. Die großen Brauereikonzerne entdeckten zudem den Trend zum Craft-Beer für sich, der von kleineren, handwerklich orientierten Betrieben angestoßen worden war. Mit diesen Produkten drehten einige Großbrauer recht erfolgreich an der Preisschraube.

Personalabbau ist für die Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten deshalb auch keineswegs eine unvermeidliche Folge der pandemiebedingten Krise. „Es kann nicht sein, dass Unternehmen den Corona-Deckmantel nutzen, um ohne wirtschaftliche Not Menschen still und heimlich auf die Straße zu setzen“, so Jonas Bohl von der NGG-Hauptverwaltung in Hamburg. Man habe „die klare Erwartung“, dass die Brauereien „ihrer Verantwortung gegenüber den Beschäftigten gerecht werden“.

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