Studie Bremen bei Elektromobilität in den Top Ten

Wie eine aktuelle Studie zeigt, ist Bremen bei der digitalen Mobilität und der Elektromobilität unter insgesamt 25 deutschen Städten gut aufgestellt. Im Gesamtergebnis ist Bremen auf dem sechsten Platz.
13.06.2017, 22:32
Lesedauer: 3 Min
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Bremen bei Elektromobilität in den Top Ten
Von Florian Schwiegershausen

Wie viele Autos brauchen die Bremer noch in 20 oder 30 Jahren? Denn die Digitalisierung könnte es möglich machen, dass sich mehrere Menschen ein Auto teilen. Oder Carsharing-Fahrzeuge sind ununterbrochen selbstfahrend unterwegs von einem Kunden zum nächsten. Die lästige Fahrzeugsuche fällt damit weg.

Mit diesen Themen hat sich auch am Dienstagabend die aktuelle Veranstaltung des Netzwerks „Idea to Business“, kurz auch i2b genannt, im Kundencenter von Mercedes-Benz in Sebaldsbrück beschäftigt. Zumindest jetzt ist Bremen bei der digitalen Mobilität und der Elektromobilität schon gut aufgestellt.

Das hat eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung Price-Waterhouse-Coopers (PWC) in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) ergeben. Bei der Studie wurden 25 deutsche Großstädte verglichen. Im Gesamtergebnis ist Bremen dabei auf dem sechsten Platz gelandet – hinter den Städten Hamburg, Stuttgart, Berlin, München und Köln.

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Was die Digitalisierung in der Mobilität für die Zukunft bedeutet, verdeutlichte am Dienstagabend der Bremer Mercedes-Werkleiter Peter Theurer vor knapp 200 Gästen: „Es wird kein gerader Weg werden. Wir müssen nicht mehr alles selbst machen, wir müssen mehr kooperieren.“ Das bedeute auch ein Umdenken bei den Führungskräften, nicht nur bei Mercedes-Benz.

Bei der Technik seien Elektrofahrzeuge, ab 2019 rollen die ersten EQ-Modelle im Bremer Werk vom Band, nur ein Punkt in der Strategie. Gleichzeitig entwickelt der Autobauer weiter am Wasserstoff-Plug-in-Motor für den Mercedes GLC. Auf der anderen Seite bedeutet die Elektrotechnik auch eine große Veränderung für bisher bestehende Geschäftsmodelle.

Bei ÖPNV auf dem dritten Platz

„Für unseren Vertrieb mit Autoteilen bedeuten Elektrofahrzeuge, dass wir in Zukunft 40 Prozent weniger Teile benötigen“, erläuterte Mirja Viertelhaus-Koschig von der Vierol AG in Oldenburg. Die Technik ist das eine, die Infrastruktur in den Städten das andere.

„Dazu müssen wir für Bremen eine Mobilitätsstrategie entwickeln“, sagte Umweltstaatsrat Ronny Meyer. Aber die aktuelle PWC-Studie zeigt: Gerade bei Bus und Bahn, also dem Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV), landete Bremen in der Studie sogar auf dem dritten Platz hinter Leipzig und Hamburg.

Die Macher der Studie bewerteten dabei auch die Fahrgastinformation in Echtzeit, die Verknüpfung unterschiedlicher Verkehrsformen oder den geplanten Ausbau der Elektrobusflotten genauso wie die Existenz eines kostenlosen WLANs in den Fahrzeugen.

29 verschiedene Punkte

Zum positiven Ergebnis der Studie trug auch das bargeldlose Zahlen zum automatisch besten Preis bei, wie es bei der Bremer Straßenbahn AG mit dem BOB-Ticket schon seit zwölf Jahren möglich ist. Felix Hasse, Experte für Digitalisierung bei PWC, sagte allerdings: „Die wichtigsten Innovationen kommen bislang nicht von den ÖPNV-Unternehmen und Verbünden, sondern von Start-ups und Konzernen. Die konzentrieren sich in der Regel erst mal auf die großen Metropolen.“

Dies spiegele sich auch in der Studie wider, bei der Hamburg in puncto Digitalisierung der Infrastruktur deutlich vorn liegt. Das ist übrigens die zweite von den vier größeren Kategorien, bei denen die Studie insgesamt 29 verschiedene Punkte analysierte. Bei der Infrastruktur landete Bremen auf dem fünften Platz. Hier ging es darum, wie gut die Verkehrsdaten aus einer Stadt verfügbar sind – sowohl von den Straßen als auch von den Parkplätzen.

Was das Sharing angeht, also hier vor allem das Teilen von Autos, landete Bremen nur auf dem zehnten Platz. Hier ging es auch um die Zahl von Fahrzeugen sowie Fahrrädern, gerechnet auf die Einwohnerzahl. Und da hat Bremen neben Deutschlands Metropolen auch gegenüber Städten wie Hannover und Karlsruhe aufzuholen.

Bestandsaufnahme zum autonomen Fahren

Bei der Elektromobilität landete Bremen auf dem siebten Platz. Die Studie bewertet hier unter anderem, wie viele Ladesäulen es in der Stadt gibt, und ob Carsharing-Anbieter auch Elektrofahrzeuge in ihrer Flotte haben. Das sollen langfristig mehr werden, wie die Bremer Cambio-Geschäftsführerin Kerstin Homrighausen am Abend erklärte. Zum autonomen Fahren hat die PWC-Studie lediglich eine Bestandsaufnahme unternommen.

Diese ergab: Obgleich die Städte die Bedeutung des autonomen Fahrens für die Ziele der Stadtentwicklung erkannt haben, sind sie bislang noch nicht gestaltend aktiv. Dirk Heinrichs, Leiter des Instituts für Verkehrsforschung am DLR, sagte: „Treibende Akteure des autonomen Fahrens in Städten sind aktuell die Automobilkonzerne, IT-Unternehmen und neue Mobilitätsdienstleister. Dabei kann das autonome Fahren einen wichtigen Beitrag für den ÖPNV und städtische Wirtschaftsverkehre leisten.“

Daher sollten laut Heinrichs die Städte das autonome Fahren als Bestandteil ihrer kommunalen Strategie betrachten. Mercedes-Werksleiter Peter Theurer sagte am Abend: „Wir müssen in den kommenden 15 Jahren Pionierarbeit leisten und gleichzeitig am traditionellen Geschäft festhalten, um damit die Zukunft zu finanzieren.“

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