Berliner Projekt bald auch in Bremen?

Mit QR-Codes gegen Gaffer

Gaffer behindern Rettungseinsätze: Die Johanniter in Niedersachsen/Bremen blicken mit Interesse auf ein Projekt ihres Verbands in Berlin/Brandenburg. Wer mit dem Handy filmt, bekommt den Hinweis „Gaffen tötet“.
09.05.2021, 05:00
Lesedauer: 1 Min
Zur Merkliste
Mit QR-Codes gegen Gaffer
Von Sabine Doll
Mit QR-Codes gegen Gaffer

Mit QR-Codes gegen Gaffer: Die Johanniter-Unfallhilfe in Bremen/Niedersachsen hat Interesse an dem Projekt ihres Verbands in Berlin/Brandenburg.

André Wagenzik/dpa

Bei Verkehrsunfällen und anderen Noteinsätzen zählt meist jede Minute. Immer wieder erschweren Schaulustige die Arbeit der Rettungskräfte und gefährden dadurch mitunter Leben. „Gaffer sind ein Riesenproblem geworden, vor allem dadurch, dass mit dem Smartphone gefilmt oder fotografiert wird. Es werden sogar Türen von Rettungsfahrzeugen aufgerissen, um Fotos zu machen“, sagt Oliver Bruse, Sprecher des Johanniter-Landesverbands Niedersachsen/Bremen. „Deshalb blicken wir mit großem Interesse auf ein Modellprojekt unseres Verbands in Berlin/Brandenburg. Bewährt es sich, können wir uns gut vorstellen, dass dies bundesweit und damit auch bei uns zum Einsatz kommt.“

Mit den buchstäblich eigenen Waffen wollen die Johanniter in Berlin und Brandenburg Schaulustige vom Gaffen abhalten: QR-Codes an den Rettungsfahrzeugen oder der Ausrüstung lösen den Warnhinweis „Gaffen tötet“ auf dem Smartphone aus. Acht Rettungsfahrzeuge und ein Intensivtransportwagen sollen bei dem Modellprojekt mit den QR-Codes ausgestattet werden.

Lesen Sie auch

Sogenannte Gaffer-Fotos von Unfalltoten stehen seit dem 1. Januar 2021 in Deutschland unter Strafe. Bislang galt dieser Persönlichkeitsschutz bei Bildaufnahmen im Strafrecht nur für lebende Personen. Verboten sind das unbefugte Herstellen und Verbreiten von Fotos, etwa in den sozialen Medien. Eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren oder eine Geldstrafe können verhängt werden. Und: Wer bei Unfällen oder in Situationen, in denen andere Menschen in Not sind, keine Hilfe leistet, wird mit einer Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr oder einer Geldstrafe bestraft - außer man bringt sich durch die Hilfe selbst in Gefahr. Die Strafen drohen auch, wenn Helfer wie Rettungskräfte behindert werden.

Bei dem Projekt und anderen Kampagnen gehe es nicht nur darum, auf das Gesetz hinzuweisen. „Wir wollen die Menschen dafür sensibilisieren, dass sie mit ihrem Handeln Leben gefährden und darauf aufmerksam machen, dass jeder Einzelne an einem Unfallort helfen kann und sollte: durch das Absetzen eines Notrufs, das Bilden einer Rettungsgasse und wenn möglich durch Erste Hilfe. Filmen, Fotografieren und dadurch die Retter von ihrer Arbeit abzuhalten, ist die schlechteste und primitivste Option“, sagt Johanniter-Sprecher Bruse.

Lesen Sie auch

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+